Archiv für Oktober 2008

Lesben im Nationalsozialismus.

Auch heute denken Viele noch Lesben wären im Nationalsozialismus nicht verfolgt worden. Schliesslich gab es ja kein Gesetz, dass weibliche Homosexualität verboten hätte. Deswegen hatten die Verantwortlichen wohl auch beim sogenannten Homo-mahnmal in Berlin garnicht daran gedacht Frauen überhaupt zu erwähnen. Die Wirklichkeit des NS-Staates sah natürlich anders aus. Lesben wurden eben unter anderen Vorwänden verhaftet und ins KZ gesteckt. Die wenigstens von ihnen trugen deswegen auch den Rosa Winkel. Gerade das macht es auch schwerer die Geschichte der Lesbenverfolgung im Nationalsozialismus zu erforschen. Dennoch hab ich im Internet zumindestens schonmal zwei interessante Texte dazu gefunden, die zumindestens einen Eindruck davon geben wie Lesben verfolgt wurden. Der eine findet sich im Archiv der EMMA und den anderen gibts als PDF Dokument.

Beim lesen wird einem schnell klar: Lesben wurden auch deswegen verfolgt weil sie aus ihrer Rolle als Gebärmaschienen fielen und noch dazu für viele NS Ideologen als die schlimmste Auswüchse der Feministischen Bewegung galten.

Demo gegen Studiengebühren.

Als ich den Bericht auf Bikepunk zur Demo gegen Studiengebühren am 30.10 in München las, hab ich mich doch ein wenig geärgert, dass ich nicht hingegangen bin. Eben aus jenen Gründen die auch im Bericht erwähnt werden hab ich es vorgezogen auszuschlafen. Dabei hätte es sich wohl (zumindestens) teilweise gelohnt. Ich gelobe Besserung. Die nächste Möglichkeit dafür bietet sich mir und allen anderen die es versäumt haben aufzutauchen am 12.11. Auch wenn es auf absehbare Zeit wohl keine Chance in Bayern gibt, die Studiengebühren zu kippen geschweige denn, das verkorkste Schulsystem zu kippen.

Nette Geste.

Auf der letzten Party der Antifaschistischen Jugend München wurde als nette Geste schwule Pin-ups im Klo für männlich konstruierte aufgehängt. Vieleicht eine freche Reaktion auf einen Artikel, den es bei München Pervers zu lesen gab, indem der AJM Homophobie vorgeworfen wurde. Auch wenn ich den Artikel inhaltlich nicht nachvollziehen kann, hat er also anscheinend doch noch zu einer positiven Reaktion geführt. Sollte das so sein kann ich nur sagen: sauber Schwester ;)!

Schwuler Sexismus

In einer patriachalen Gesellschaft wie der unseren ist natürlich auch die Schwule Szene nicht frei von Sexismus. Es scheint aber so als würde Sexismus dort besonders gut keimen wo männlich Konstruierte unter sich sind. Schnell entwickelt sich eine männerbündlerische Athmosphäre in der alles „weibliche“ als Fremdkörper wargenommen wird. Kein Wunder also das sich heute viele Schwule andauernd Gedanken über ihre Männlichkeit machen müssen.

Nun ist man ja dummerweise schwul und hat damit schonmal ein Kriterium nicht erfüllt, wenn es darum geht sich als „richtiger Mann“ in der heteronormativen Welt zu beweisen. Wie kompensiert man das also? Auch wenn man schwul ist hält einen das nicht davon ab selber homophob zu werden. So kann man vielen Schwulen Sissyphobie unterstellen. Es kann einem also durchaus passieren das man in der, von manchen als Schutzraum für Homophobie konstruierten, Schwulen Szene mit eben jener konfrontiert wird, wenn man effeminierte Verhaltensweisen aufweist. In vielen Schwulen Lokalitäten ist eben nur Platz für „richtige Männer“. Dasselbe wird man feststellen wenn man auf die blöde Idee kommt eine weiblich konstuierte Person mit in die Schwule Szene zu nehmen. Da kann es einem schon passieren das man sich beim nächsten mal anhören muss: „Was sollte das den?“ oder „War das deine Mutter?“.
Genauso offt habe ich schon erlebt wie die letzte Frau, die eine schwule Kneipe verlässt, hinterher gerufen bekommt: „Endlich ist der Fisch weg“. Absolutes Highlight war bis jetzt aber, dass einer Freundin für ein Glas Leitungswasser das Gleiche berechnet wird, wie für ein Bier, nämlich über 3 Euro.

Blick in die 70er

Neulich sitze ich bei meinen Eltern und erzähle ihnen vom Tausen-Kreuze-Marsch, der am 4.Oktober in München stattgefunden hat.

Zu dem ich übrigens noch einen christlichen Bericht und eine christliche Stellungnahme gefunden habe. Im Bericht wird dann auch nochmal die Lüge reproduziert die bei den „Lebensschützern“ mitmarschierenden Nazis wären ungebetene Gäste gewesen. Ansonsten geben die beiden Berichte einen Eindruck davon, wieso ich die Gegenaktionen zum Tausend-Kreuze-Marsch als Erfolg bewerten würden.

Während der Unterhaltung mit meinen Eltern kommt heraus, dass meine Mutter noch einen Super-8 Film, von einer Abtreibungsgegner*innen-demonstration inklusive Gegenaktionen, im Keller hat. Dieser hat auch in München Anfang der 70er stattgefunden. Während ich den Film sehe fallen mir noch weitere Parallelen zu 2008 auf. Der Aufmarsch der „Lebensschützer“ fing auch am Marienplatz an und wie auch 2008 in München strotzt die Demonstration nur so von Holocaustrelativierungen. So steht auf einem Banner der Lebensschützer*innen: „Nie wieder ein(!) Ausschwitz“. Es wird aber noch besser. Plötzlich sieht man ein Schild der NPD auf dem irgendetwas von „Kinder und Heimatschutz“ steht. Damals wie heute also Nazis auf der Demonstration. Auch was danach folgt kennt man auch heute noch: Die Bullen kesseln die Gegendemonstrant*innen am Odeonsplatz und alle(!) werden verhaftet. Auf jedenfall ein interessanter Blick über 30 Jahre zurück. Natürlich war die Situation damals eine völlig andere, war doch die neue Frauenbewegung erst an ihrem Anfang.
Abschliessen stelle ich fest: Den §218 gibt es nach wie vor und der politische Rollback klopft auch schon an die Tür. So fern sind sie also garnicht diese 70er…

Homonormativität

Kurz nach oder während meines Coming Outs (je nach Sichtweise) beschloss ich mir die schwule Szene in München anzuschauen. Glücklicherweise hatte ich erst kurz davor jemanden kennengelernt der diese Szene schon länger kannte. Wir gingen also zusammen in eine nette kleine schwule Kneipe. Alleine hätte ich mich das warscheinlich nie getraut. Vermutlich wegen eigener internalisierte Homophobie: ein interessantes Thema welches vieleicht in zukünftigen Einträgen behandelt wird. Völlig naiv wie ich damals war ging ich natürlich davon aus in der schwulen Szene einen Schutzraum vor Homophobie und Heteronormativität zu finden.

Dennoch oder vieleicht gerade deswegen war der Abend in besagter Kneipe sehr lustig. Schnell lernte ich einige Bekannte und Freunde der Person, die mich mitgenommen hatte, kennen. In den folgenden Monaten ging ich also nur noch in der schwulen Szene weg. So ging das circa ein Jahr bis ich auf ein mir bis dahin völlig unbekanntes Phänomen traff: Die Homonormativität.

Um diese zu erläutern zitiere ich Lisa Duggan, eine nordamerikanische Aktivistin, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin:

Lisa Duggan

“the new homonormativity…a politics that does not contest dominant heteronormative assumptions and institutions but upholds and sustains them.”

Desweiteren heisst es dazu in einem Exzerpt zu einer Veranstalltung mit Lisa Duggan beim Queer Institut in Hamburg(2006):

During the past decade, organized gay politics in the U.S. and Europe have moved rightward. Diverging from its varied roots in progressive to left social movements, mainstream gay rights politics now constitute, not a resistance, but an arm of neoliberalism--one of the centers for the production of neoliberal „equality“ politics. This is especially apparent as the pressures to dismantle post World War II welfare states build--and gay rights organizations climb onto the privatization band wagon rather than press a critique in the realm of political economy. In the realm of culture and „lifestyle“ politics, the organized gay movements have begun to promote a new homonormativity--a public image of prosperous monogamous couples devoted to domestic consumerism.

Dazu in Zukunft mehr.

Über mich.

Nun habt ihr es also auf diesen blog geschafft. Hier wird es also in Zukunft meine geistigen Ergüsse zu lesen geben. Deswegen möchte ich euch erstmal etwas über mich erzählen. Ich bin ein Schwuler der seit einigen Jahren in der linksradikalen Szene von München aktiv ist. Dementsprechend beschäftigen mich Themen die der szeneinterne Diskurs so hergibt. Dazu gehören neben den üblichen Anti-*ismen (Antifaschismus, Antiantisemitismus, Antisexismus, Antirassismus…) auch Themen wie Anarchismus, Queer Theory, Heteronormativität und Männlichkeiten und die Frage, wie man die Marginalisierung von Schwulen, Lesben und Trans* innerhalb der linksradikalen Szene in München beenden kann. Wegen dieser Marginalisierung komme ich auch nicht drumherum mich mit der grossen Mainstream-LGBT-Szene in München zu beschäftigen.