Die wirklich Perversen?

Ich habe eine weitere interessante Erwiderung, auf die Diskussion um den Begriff pervers, gefunden. Den Artikel gibt es auf „Herbst in der Seele“ zu lesen. Dabei handelt es sich um einen Blog der sich mit dem Thema pädophiles Begehren ausseinander setzt.

Dort steht:

ob man den Begriff “pervers” positiv wandeln kann und sollte – als “Selbstbezeichnung” oder gar als “perverse Identität”. Dies soll u.a. vermitteln, “dass Normalität und Abweichung nicht unsere (!) Massstäbe sind”. Doch wohl eher das Gegenteil, oder? Die Unterordnung unter eine kollektive Sexualidentität ist ein Fehler und im Endeffekt Selbstpathologisierung;

Die Kritik an sexuellen Identitäten kann ich absolut nachvollziehen. Mir scheint aber „Herbst in der Seele“ hat da etwas falschverstanden. Queer/Pervers stellt ja gerade nicht eine neue kollektive Sexualidentität dar, sondern versteht sich als Gegenspieler*in gegenüber sexuellen Identitäten, die die heteronormative Gesellschaft geschaffen hat. Queer/Pervers sagt nichts über die sexuelle Praxis einer Person aus. Dementsprechend soll Pervers auch nicht die neue kollektividentität vermeintlich sexuel-abnormer Personen werden.
Bei aller berechtigter Kritik an sexuellen Identitäten, halte ich es trotzdem für falsch auf gewisse Selbstbezeichnungen zu verzichten. Deswegen nehme ich für mich in Anspruch zweigleisig zu fahren und mich erstmal noch als queer/pervers und schwul zu bezeichnen.

Interessanter wirds beim nächsten Punkt:

Und: was passiert eigentlich bei den Perversidentitären, wenn sich mal die noch perverseren zu Worte melden?

Mir ist auch erst beim lesen des Artikels gekommen, dass pervers heutzutage natürlich ein Schimpfwort ist mit dem hauptsächlich Pädophile konfrontiert sind. Da es sich dabei um eine Gruppe handelt die unter weit grösserem gesellschaftlichen Druck steht als z.B Schwule, kann ich die Bedenken gegenüber der Selbstaneigung des Wortes pervers durchaus verstehen.

Die Frage, „was passiert wenn sich die noch perverseren zu Wort melden?“, kann ich für mich persönlich aber ganz klar beantworten: Panische Dementierungs und Abgrenzungsversuche wird man bei mir auf jedenfall dadurch nicht erzeugen. Queer/Pervers heisst für mich auch ganz klar die anti-pädophilen Hetze zu bekämpfen. Und warum sollten Pädophile nicht auch Queer/Pervers sein (werden können)?

Anmerkung: Ich lasse jetzt hier das Wort „Pädophile“ einfach mal so unkommentiert stehen, auch wenn mir bewusst ist das der allgemeine Diskurs zu dem Thema für ziemlich viel Verwirrung gesorgt hat. Den dort werden Themen Gebiete wie sexuelle Gewalt, sexuelle Neigungen etc. wahrlos drucheinander geschmissen und mit Pädophilen verbunden. Deswegen noch ein Abschluss Zitat von „Herbst in der Seele“ von hier:

… Konkret: es gibt mir einiges, wenn mir ein Junge mit strahlenden Augen sagt, dass er mich liebhat, und es gibt mir absolut nichts, ihn durch irgendwelche Strategien oder gar durch Gewalt zu sexuellen Dingen zu zwingen, die er nicht möchte….