Archiv für Februar 2009

Infokrieg?!

Es ist schon länger her das ich mit der Verschwörungsseite Infokrieg.tv, dem deutschen Ableger von Infowars, in Kontakt gekommen bin. Nach kurzem rumlesen merkt man schnell, dass es sich um eine ziemlich abgedrehte Verschwörungstheoretische Internetseite handelt. Mit allem was an Verschwörungstheorien so dranhängt: Faschismusrelativierung, latenter, sturktureller, und offener Antisemitismus und so weiter. So weit so schlecht.

Ich ging davon aus, dass ich von der Seite nie wieder etwas hören würde. Geschweige denn, dass das jemand ernst nimmt. Aber in letzter Zeit merke ich immer wieder das ich auch in der Linken mit Infokrieg.tv konfrontiert werde. In München wurden die zahlreichen Verschwörrungsfilme von Infokrieg durch die APPD München in der sogenannten Filmreihe „Volxlichtspiele“ im Maxim gezeigt. Auch auf der Siko dieses Jahr hab ich einen Demonstranten mit Infokrieg-Aufnäher gesehen. Die antiimp Band „Die Bandbreite“ hat scheinbar ihr ganzes politisches Selbstverständnis den Infokrieg-Filmen entnommen. Anhänger von Infokrieg tauchen auch mal auf Demos auf.

Das Problem ist ja auch nicht so neu. Deswegen sei hier mal auf den Text der Offenen Antifa Rechlinghausen verwiesen, der als Flugblatt bei einem Anti-G8 Event verteilt wurde. Dennoch ist es scheinbar immer noch nicht bei einigen angekommen.

Nachdem ich neulich gerüchteweise gehört hab, dass der Infokrieg-Film „Zeitgeist“ im Freiraum Dachau gezeigt werden soll, ist mir klar geworden, dass in München die Information über Infokrieg noch nicht weit genug verbreitet worden sind. Wird vielleicht Zeit mal ein Flugblatt zu schreiben. Bis dahin soll dieser Eintrag erstmal ein Anfang sein.

Fuck Stonewall! Der CSD wird sittlich…

Der Kölner CSD hat sich eine Charta gegeben. Darin heisst es unter Paragraph(!) 3(1):

[…]Daher sind alle Verhaltensweisen, die auch im alltäglichen Lebenästrafbar sind, auch während der Teilnahme an der CSD Parade verboten. Hierzu gehören ins besondere sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit, die Verbreitung von jugendgefährdenden Schriften sowie die Einnahme illegaler Drogen.[…]

Damit aber noch nicht genug wird in Punkt(2) des selben Paragraphen nochmal nachgelegt:

[…][Der Veranstallter] ist zwar nicht zuständig für die Sicherstellung der Einhaltung der allgemeinen Gesetze oder für die Strafverfolgung. Wir arbeiten jedoch eng mit der Polizei und den Ordnungsbehörden zusammen[…]

Begründet wird das ganze wohl damit das sich zuschauenden Bürger vor so manchem Fetish*Kerl irgendwie angeekelt gefühlt haben. Das die meisten aber eigentlich genau deswegen kommen gesteht sogar der Kölner Stadtanzeiger zu. Ausserdem gibt er ganz gut Auskunft darüber gegen wenn sich die Charta eigentlich richtet:

Doch die Provokation ist politisch fatal: Exhibitionistisches Verhalten bestätigt Schwulen-Feinde in ihrem Schubladen-Denken. Es macht zugleich all die Homosexuellen „unsichtbar“, die sich gesittet verhalten[…]

Deswegen heisst es auch unter Paragraph 4:

Die CSD Parade in Köln ist lebendig und vielfältig. Für manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer
gehört ein gewisses Maß an Freizügigkeit dazu, wenn sie sich und ihre Liebe feiern. Beim äußeren Erscheinungsbild und beim Verhalten während der CSD Parade sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Taktgefühl beweisen und Rücksicht nehmen auf die anderen Teilnehmenden der Parade und auf die Menschen am Straßenrand. Die Toleranz, welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der CSD Parade für sich einfordern, soll nicht durch maßlose Provokation überstrapaziert werden.

Die Perversen ziehen also die Anständigen CSD Teilnehmer in den Schmutz. Auch toll mal wieder die neue Schwachsinnsthese zu lesen: Mehr Sichtbarkeit führt zu Homophobie. Also verhaltet euch mal wieder bischen Heteronormal!

Wenn man sowas liest kann man wirklich nur noch kotzen. Stonewall kommt in der Charta übrigens garnicht mehr vor. Hoffentlich kommt niemand auf die Idee zu fragen, wieso es Christopher Street Day heisst.

Stonewall was a riot!