Archiv für September 2009

Westerwelle als Hassbild der neuen Regierung

Komisch, dass gerade bei Westerwelle immer irgendwelche sexuellen Assoziationen/Diffamierungen aufkommen, als gäbe es nichts konkretes, warum der Typ* scheisse ist. Bei vielen schlägt da halt doch latente Homophobie durch. Das ist ungefähr genauso niveauvoll, wie damals bei Angela Merkel, die als hässlich und unweiblich diffamiert wurde. Solche Beschimpfungen sagen eben mehr über die Verfasser*innen/Sprecher*innen aus, als über die Positionen die eigentlich angegriffen werden sollen. Gerade auch von einigen politischen schwulen Freunden* muss ich mir ja erstaunliche (latent) homophobe Sprüche anhören.

Elephant Man

Wie ihr vieleicht mitbekommen habt, wurde ein Konzert von Elephant Man abgesagt. Das ist erstmal erfreulich.

Interessant sind jetzt die Kommentare von Dancehall-fans auf allen möglichen Seiten. Ob jetzt auf indymedia vermeintlich Linke rumlamentieren und relativieren oder offen homophobe Kommentare wie hier.

Aber das zeigt vorallem zwei Sachen. Auf Dancehall Veranstaltungen läuft immer noch viel homophobe Scheisse, sowas sollte man als emanzipatorischer Mensch nicht dulden. Und zweitens getroffene Hunde bellen. Der Schlag gegen die homophobe Scheisse hat gesessen! Weiter so.

Bash Back!

Schlechte Nachrichten von der Belgrad Pride Parade

Folgende Stellungnahme der Beograd Pride Parade hat mich erreicht. Wirklich sehr ärgerlich. Aber lest selbst:

Belgrade, 19.9.2009

This morning organisers Beograd Pride held their final press conference before tomorrows pride parade. Except pride will not be held, due to high security risks and a lack of cooperation on the part of state and police to secure the event. Serbian police have cancelled permission for the pride to be held in its planned location in the centre of the city.

This is after months of planning by the organising team, and repeated assurances from government at all levels, the minister for minorities, and the Serbian premier and president, that the pride will be secured and protected.

A full security study was commissioned more than three months ago by pride organisers and executed by the university defence department constructing a detailed strategy for all logistical possibilities to carry out pride safely with full instructions for how police would secure pride participants entrance to the parade, their safety during the event and their ability to leave the event unmolested.

This security study also made detailed recommendations for preventative measures that could be taken by police in the months leading up to pride to minimise the risk of violence. Police did not undertake these measures and despite months of meetings with pride organisers and daily meetings in the past two weeks have failed to act on security measures, instead choosing the tactic of pressurising organisers to cancel the event.

In the last 48 hours the police in meetings with pride organisers refused all cooperation for the securing of the pride, applying further pressure to organisers to cancel. Police refused to take responsibility for maintaining public order during the event. Instead telling the pride organisers that they would be held responsible for any public damage caused by the hooligans and fascist groups who have been organising a violent response to pride.

In the past week the logistical plans of fascist groups for their violence towards pride participants have been published in serbian media, these plans include calls for the lynching and beating LGBT people attending the pride. Serbia has laws against hate speech but at no point has there been any move on the part of authorities to prosecute, instead the official line has been that this is *a debate, an exchange of opinions*

Public statements in support of pride have been made at the level of European parliament as this is an important step forward for human rights in Serbia and would signal an end to the rule of right wing violence over the rights of minority groups and an entry of serbian society into a new era of more open equality.

Police have offering an alternative venue on the edge of town, tho how this event might be better secured than the location formerly agreed upon is not known. Today pride organisers have officially requested that police take action against fascist and right wing organisations who have issued hate speech against LGBT groups and pride in the press.

Pride organisers continue to meet today to discuss possible courses of action to demonstrate against this failure by serbian state and police to defend our most basic human rights, the right to safely walk the streets.

We want to ask you for your support and action. Please spread the Information, write protest notes to the following Politicians or organise protests at Serbian embassies.

Belgrade Pride 2009

Pride Parade in Belgrad!

Ich selber war schon zweimal in Belgrad auf dem Queer Beograd Festivals. Festivals die organisiert wurden, nachdem die erste Pride Parade 2001, von Nazihools und Fundamentalisten angegriffen und zerschlagen wurde. Nun ist aber endlich die Zeit gekommen wieder eine Pride Parade zu veranstalten. Leider kann ich nicht hinfahren, obwohl ich mir nach mehreren Kontakten mit den lokalen Nazis dort geschwohren hatte, dass ich zur ersten Pride Parade nach Belgrad fahre. Aber zumindestens wollte ich hier mal dafür werben da hinzufahren. Die Menschen vom Queer Beograd Collective sind echt klasse. Die sind jetzt auch an der Organisation der Pride Parade beteiligt.

Die Bullen haben übrigens angekündigt, dass sie die Veranstaltung diesmal schützen werden. Ausserdem wurde dieses Jahr ein Antidiskriminierungsgesetz in Serbien verabschiedet. Im Hinblick auf eine angestrebte EU-Mitgliedschaft wird die Veranstaltung dies Jahr also anständig vor reaktionärem Abschaum geschutzt werden.

20. September Belgrad Pride Parade.

Jahrestage

Heute jährt sich nicht nur der Überfall auf Polen, sondern heute vor 40 Jahren wurde auch der Paragraph 175 erstmals entschärft. Es dauerte noch bis 1994 (!) bis der Paragraph endgültig aufgehoben wurde. Nach wie vor gelten wegen dem Paragraph 175 veruteilte, auch heute noch juristisch gesehen als Straftäter*.

Und der Sommer ist übrigens auch ab Heute offiziell vorbei.

Antifa Jugendcamp Bayern.

Dieses Wochenende war ich auf dem bayerischen Antfia Jugendcamp in der nähe von Geretsried. Beim Merkur gibts sogar einen kleinen Artikel. Eigentlich hatte ich ursprünglich nur vor mir am Freitag den Workshop vom asab_m, „Sexismus in der Antifa“ zu geben. Da ich mir aber eh den Freitag freinehmen musste, bin ich dann doch länger geblieben. Mein Plan mit dem Fahrrad hinzufahren musste ich allerdings canceln, weil ich zu lange gepennt hatte.
Der Workshop war gut aufgebaut und man hat schon gemerkt, dass da einiges an Vorarbeit drinsteckte. Glücklicherweise war das zu dem Zeitpunkt auch der einzige Workshop der lief, deswegen beteiligten sich fast alle Besucher*innen des Camps, die nicht gerade mit irgendeinem Orga-Kram beschäftigt waren. Die meisten Workshopteilnehmer*innen dürften, wie auch auf dem Camp insgesamt unter 18 gewesen sein. Insgesamt ging der Workshop wohl 4 Stunden mit diversen Pausen. Los gings mit einem „Eisbrecherspiel“, bei dem sich alle in der Mitte des Stuhlkreises ohne zu sprechen 7 Minuten lang gegenseitig anschauen mussten. Ein erstaunlich unangenehmes Gefühl war das, aber irgendwie auch ganz grossartig, mal heruaszufinden was man mit Blicken alles kommunizieren kann. Ähnlich ging es dann auch weiter, zwischen diversen Runden in denen man selbst aktiv etwas machen musste, wurde diskuttiert. Interessanterweise wurde darauf verzichtet erstmal die Theorie vorzuschieben, stattdessen ging es viel um Erfahrungen und natürlich die Frage, was ist Sexismus überhaupt. Da zeigte sich bei vielen natürlich erstmal, dass das Thema für sie sehr neu und unbekannt war.

Den Part in dem es um Redeverhalten ging, hätte ich mir allerdings auch sparen können, der wurde nämlich zumindestens in meiner Gruppe, ironischerweise von Leuten gesprengt, die ein absolut beschissenes Redeverhalten hatten. Also garnicht zugehört haben um dann auf irgendwas was sie gehört zu meinen haben mit den verbalen Hammer draufzuhauen, die meisten davon mit einem völlig verdrehtem Verständnis von Queer, auf das ich jetzt schon öffter getroffen bin. Deswegen hier nochmal die Anmerkung: Nur weil man Geschlechter und alles was an ihnen dranhängt dekonstruieren kann, heisst das nicht, dass man einfach so weiterleben kann wie bisher und die Existenz von Geschlechtern als wirkungsmächtige soziale Realität leugnen kann. Vorallem wenn man dann selber nicht bereit ist die eigene Geschlechterrolle kritisch zu beleuchten. Das gleiche beim Thema Sexismus, nur weil man sich als Antisexist*in und queer labelt, passiert noch garnichts. Aber auch hier herrschte bei vielen das klassische Verständnis vor: Sexismus in meiner Gruppe? Gibts natürlich nicht. Im Gespräch wurden einige dann aber doch sensibilisiert.

Danach wurden dann die Zettel ausgelegt auf denen jede*r persönliche Erfahrung mit Sexismus in seinem (politischen) Umfeld aufschreiben sollte. Die hätte man für meinen Geschmack noch intensiver bearbeiten können anstatt sie nur auszulegen. Den hier fanden sich dann doch interessante Punkte, so stand auf einem Zettel der Punkt: Körperlichkeiten und die Reduzierung darauf, ich selber hab auf meinen Zettel unter anderem was zu Homo/Trans*Phobie geschrieben, die leider mal wieder völlig fehlte. Was vorallem daran liegen dürfte, dass solche Workshops offt eher heterozentristisch ablaufen. Daraus möchte ich den Teilnehmer*innen und den Workshopentwerfer*innen auch garkeinen Strick drehen. In einer Runde in der (scheinbar) alle heterosexuell sind, kommt auch keine andere Perspektive rein. Wie so offt kam deshalb das Thema Homosexualität nur als Beschimpfungserfahrung von heterosexuellen Männern* vor. So wird dann auch über das Thema geredet, Homosexuelle das sind immer nur die Anderen.
Allerdings hatte ich selber auch keine Lust diese Heteronormativität zu diskuttieren. Es gab ohnehin genug Stoff der zu bereden war.

Das Ende war dann nochmal sehr gelungen, es gab zwei Gesprächsgruppen, ein Männer*plenum und ein Frauen*plenum. Aufgrund meines zugeschrieben Geschlechts war ich leider in dem sicher wessentlich langweiligeren Männer*plenum. Eine Situation die in meiner Vergangenheit traurige Alltagsrealität in vielen Gruppen war. Aber schön mal wieder daran erinnert zu werden, wie scheisse das war. Gesprochen wurde dann über Schuldgefühle, über Sexismus und wie man als Mann* dazu steht. Bei manchen flackerte auch so ein bischen die Angst auf, das Mann* eigentlich selber das Problem ist. Das war durchaus interessant. Dann ging es natürlich auch darum wo man als Heterotyp* schonmal als schwul beschimpft wurde.
Tief blicken lies dann auch noch die Situation, dass sich eine Zuspätgekommene* trotz schweigendem Anschauen aller im Kreis, ganz selbstverständlich dazusetzte. Was meiner Meinung nach die Normalität männlicher* Dominanz in Plenas ganz gut darstellte. Leider hab ich natürlich verplant nacher nachzufragen was das für ein Gefühl war und ob ihr* das überhaupt aufgefallen ist, dass da nur Typen* sahsen, sonst könnte ich meine Interpretation besser untermauern.

Danach gabs dann noch ein gemeinsames Abschlussgespräch, das ich aber wegen Erschöpfung nur noch teilweise mitbekommen habe. Die danach verteilten Reader fanden, für meine Begriffe bischen weniger Absatz als ich erwartet hatte, viele dachten wohl aufgrund der Dicke, sie müssten dafür was bezahlen.

Alles in allem aber ein Klasse Vortrag. Das Thema Sexismus hielt sich auch die kommenden Tage noch hartnäckig in den Gesprächen.

Die restliche Zeit habe ich dann aber kaum mehr Vorträge und Workshops geschafft. Die Diskussionsveranstaltungen waren teilweise wenig interessant, oder scheiterten an den jeweiligen Beissreflexen. Zumindestens den Vortrag von TOP Berlin hab ich noch fast komplett gesehen und fand ihn garnicht schlecht. Aber auf einem Jugendcamp darf man auch nicht allzuviel neues erwarten. Viele Teilnehmer*innen stammten aus irgendwelchen Käffern in Bayern und Umgebung. Manche von ihnen gerade einmal anpolitisiert. Deswegen kam es zu lustigen und weniger lustigen Ereignissen. Lustig war, dass jemand wohl nach einer kurzen Erklärung, was bzw. wer das Queerkafe im Kafe Marat macht, „Menschen die abseitig von heterosexuellen Rollenerwartungen leben wollen“[oder so ähnlich/mir wurde das nur erzählt] , die Frage stellte: „also mit Tieren…?!“. Weniger lustig war hingegen, dass ich ungefähr fünf mal dabei war, als völlig unverkrampft das Wort schwul als Synonym für Scheisse verwendet wurde und blödsinnige Diskussionen die aufzeigten, dass die meisten eben erst kürzlich politisiert wurden. Nichts desto trotz hatte ich einige interessante Gespräche. Bin ich froh, dass ich normal keine Jugendarbeit machen muss. Danke an dieser Stelle an die Leute die sich den Stress geben.

Am Sonntag in der Früh an den Anschluss der Party, beschloss ich dann nicht noch einen Tag im scheiss Zelt zu pennen, sondern mich gleich mit dem Fahrrad Richtung München aufzumachen. Leider hab ich einige gutgemeinte Warnungen nicht ernstgenommen und musste dann gefühlte 50 km mit dem Rad zurückfahren. Was aber im Endeffekt ziemlich lustig war. Alles in allem ein lustiges Wochenende an dem man gemerkt hat was man an München doch so hat. Gespeist wurde übrigens auch grossartig, weil das Kafe Marat fürs Essen zuständig war. Dürften 10 Kilo Knoblauch und 20 Flaschen Olivenöl verkocht worden sein ;)! Und Humus zum Frühstück ist auch grossartig.