Archiv für Dezember 2009

Homomahnmal und der Sexsimus

Ende diesen Jahres soll der Film, der im Mahnmal das den im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen gewidmet ist wechseln. Das ganz passiert nachdem es Diskussionen gab, wieso dort nur ein küssendes Männer* Pärchen zu sehen ist. Nachzulesen bei der EMMA. Doch das können einige schwule* Männer* so nicht aktzeptieren. Beispielhaft dafür ist ein Artikel auf Queer.de mit dem Titel „Geschichtsklitterung auf leisen Sohlen“. Der Author* ist entrüstet, dass im kommenden Jahr im Homomahnmal ein lesbischer Kuss zu sehen sein wird. So heisst es in der Ausschreibung für den zukünftigen Film mit Verweis auf die Diskussion lediglich

Angesichts der Widmung des Denkmals sind für den zweiten Film Beiträge willkommen, die
geeignet sind, ein Zeichen gegen die Ausgrenzung von Lesben in der Gegenwart zu setzen.

Seite 3, letzter Satz der Ausschreibung.
Schon seit längerem schäumen einige schwule Typen*, dass nun in dem Denkmahl der „Homosexuellen Opfer des NS Regimes“ auch Frauen* aufgenommen werden sollen. Auch der Author* verhehlt nicht, dass für ihn* Homosexuelle, Männer sind. Frauen wären ja garnicht so richtig verfolgt gewesen. Es war doch nur so „… dass Lesben ihrer Zeitschriftenlektüre verlustig gingen“ (Queer.de Artikel) während homosexuelle Männer* ermordet wurden.
Wie so offt scheint der Author* den Unterschied zwischen offizieller Gesetzgebung (da war nur männliche Homosexualität verboten) mit der Wirklichkeit zu verwechseln. So kamen Lesben eben nicht mit Rosa Winkel ins KZ sondern eben als assoziale, jüd*innen und politische Gegner*innen. Im NS Staat hatten Frauen* nämlich hauptsächlich die Aufgabe neues Menschenmaterial für den Krieg zu produzieren (und nebenbei noch in der Kriegsproduktion zu schaffen). Wer da rausfiel hatte auf jedenfall Probleme. So zu tun als hätten Lesben da unbehelligt normale Beziehungen führen können ist dreist und ekelhaft zu gleich. Genauso könnte man den homosexuellen Männern* raten sich doch einfach in einer Scheinbeziehung gemütlich zwischen zuparken.
Aber es geht um mehr, als nur den Opferstatus. Als wäre es nicht schon schlimm genug das die Juden auf der anderen Seite der Strasse ein viel grösseres Mahnmal haben und dann auch noch mehr Opfer (schwuler Antisemitismus), wollen jetzt auch noch die Frauen* ein Stück vom Opferstatus abhaben.
Da kann sich der schwule Mann mal wieder in seinem Sexismus suhlen. Das zeigt sich auch schön an den Kommentaren unter dem Artikel:

- Diese ewige Vereinnahmung aller Opfergruppen durch die Feministinnen ist einfach unerträglich!

- Dass jetzt in dem Mahnmal, dass an die schwulen Nazi-Opfer erinnern soll, auf Druck der Frauenbewegung und Merkel-Fans wie Alice Schwarzer, lesbische Frauen dargestellt werden sollen, ist eine Pervertierung des Mahnmal-Gedankens und eine Verhöhnung der Opfer!!

- mich nervt das inzwischen. lesben tummeln sich gerne in schwulenbars, weil sie da nicht angebaggert werden, aber wehe wir wollen mal ins frauencafe.

Um nur mal ein Paar zu nennen. Wenn ich so ein Schrott lesen muss würde ich am liebsten kotzen.
Aber so ist das eben wenn man fleissig an seinem Opferstatus arbeitet. So entstehen dann auch Seiten wie die unter dem Queer.de Artikel verlinkten: „Wider die Legendenbildung“. Die von dem Author* des Artikels erstellt wurde. Hier heisst es:

1. die Legende vom schwulen Nazi, […] und 3. die Legende einer Lesbenverfolgung.

Da tut sich dann noch ein weiterer Aspekt schwuler* Erinnerungskultur auf. Die Verleugnung das es schwule* Nazis gab. Damit man sich den Opferstatus sicher kann und sich nicht kritisch mit dem Mitwirken am NS Regime ausseinandersetzen muss. Denn schwule Nazis darf es nicht geben. Es gibt und gab sie aber. Auch heute ist man in der Schwulen Szene blind gegenüber nationalsozialistischen und anderen reaktionären Schwulen. Immerhin nennt der Author* bei seinen Legenden auch die Legende des „Homocausts“.

Offensive gegen Linksradikale

Zurzeit hat der angebliche „Linke Terror“ ja wieder Hochkonjunktur in der Presselandschaft. Und nicht nur dort. Die Bundesregierung will sich jetzt auch vermehrt dem sogenannten linken Extremismus widmen und stellt dabei mal flux Rechtsextremisten mit Linksradikalen auf die selbe Ebene. Das wirft dann so Stilblüten wie den „Andi Comic gegen Linksextremismus“. So sorgte der Comic zwar erstmal hauptsächlich für amüsierte Reaktionen in der radikalen Linken. Dennoch kommt da was auf die Linke Szene zu. Und das Ganze läuft europaweit. Da werden in Kopenhagen beim „Klima“gipfel COP15 bis zu 1000 Menschen völlig willkürlich festgenommen (aufgrund extra geschaffener Gesetze), da schlagen in Griechenland Bullen Seite an Seite mit Neonazis auf Demonstrant*innen ein, da werden Häuser und Freiräume wie Christiania geräumt/von Bullen besetzt. Alles in allem zeigt sich immer mehr, dass man nicht mehr ohne Repressionen demonstrieren kann. Doch unter der Oberfläche brodelt es gehörig und so kanalisiert sich Wut im anzünden von Autos, und die Täter*innen sind dabei nicht unbedingt linke Aktivist*innen sondern auch ganz normale* Jugendliche.

bana ne?

Radio Interview zum Thema Sexismus in der Linken

Diesen Mittwoch war ich bei Radio Lora im Interview, zum Thema „Sexismus in der Linken“. Erfreulicherweise hat die Authorin* das Interview bei den Freien Radios hochgeladen. Größtenteils ist es ein sehr persönliches Interview, deswegen liegt der Schwerpunkt mehr auf Homophobie.