Archiv für Februar 2010

Diskussion über Reggae in Berlin

In Berlin gabs wohl auch so eine Diskussionsveranstaltung, wie hier zum Thema Reggae. Die Argumente waren grösstenteils die selben, immerhin sahs auf dem Podium auch jemand der Kritik geäussert hat und im Gegensatz zu München wurde da auch mal ein Konzert von einem homophoben Sänger* abgesagt.
Bericht zur Veranstaltung gibts hier.

Fordern und Fördern unterhalb des Existenzminimums?

Ahoi Polloi

Alter Wein in neuen Schläuchen fliesst derzeit durch die deutsche Medienlandschaft. In Dresden protestiert die bürgerliche Volksgemeinschaft gegen Neo-Nazis und gedenkt den „Opfern“ der/s alliierten Bombenangriffe(s). Hierbei vollzieht man eine Glanzleistung an Umdeutung der Geschichte. Der Deutsche im Allgemeinen wird reingewaschen von seiner Mitschuld am Terror und Krieg der Nazis, es wird uns ein Bild präsentiert vom guten deutschen Zivilisten der unterjocht von den Nazis nun auch noch von den Alliierten bombadiert wird. Ohne wirklich eine Blockade der Neo-Nazis herbeigeführt zu haben, wird die Menschenkette medial gefeiert. Nicht umsonst schreiben einige Nazis auf Thiazi, man solle doch nächstes mal lieber gleich zur bürgerlichen Gedenkveranstaltung gehen und nichts „eigenes“ anmelden und dann mit dem betroffenen Deutschen direkt ins Gespräch kommen. Anknüpfungspunkte zwischen BRDistischem Täter-zu-Opfer-Gedenken und neonazistischem Trauermarsch gibt es freilich jede Menge.

Auch in der aktuellen Hartz IV Diskussion finden sich eine ähnliche Struktur. Was früher noch Reichsarbeitsdienst hieß wird heute etwas abgewandelt als „Fordern und Fördern“ gefordert. Ausgang der ganzen Diskussion stellte eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass am 9. Februar 2010 feststellte „dass die Vorschriften des SGB II, die die Regelleistung für Erwachsene und Kinder betreffen, nicht den verfassungsrechtlichen Anspruch auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums aus Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 GG erfüllen“. Erstaunlicherweise war die erste Reaktion vieler Politiker, erstmal ein Korrektur von Hartz IV zu fordern, die noch erstaunlicherweise durchaus auch eine Senkung sein könne. So verkündtete der Bundestagsabgeordnete Martin Lindner nach dem Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts gibt es in der FDP Überlegungen, die Regelsätze zu senken. Arbeitsministerin von der Leyen informiert sich schonmal in den Niederlanden über ein Projekt bei dem Langzeitarbeitslose nur noch Geld vom Staat erhalten, wenn sie regelmässig in spezielle Fitness Studios o.ä. gehen. Dort wolle man die Arbeitslosen „aufbauen“ und sie überzeugen dass sie durchaus etwas leisten können. Diese Zynik und unmenschliche Hetze die Hartz IV Empänger*Innen und eigentlich auch jedem arbeitenden Menschen entgegengebracht wird, kann eigentlich nur noch durch eine Karrikatur ausgedrückt werden.

Balsam für die gequälte Psyche bietet also der Humor, deswegen will ich euch auch noch folgendes empfehlen:

Westerwelles Feldzug gegen den Sozialstaat


Guido Westerwelle mit Stempel "Falsch"
Der Staat steht vor dem Ruin: Faule Hartz IV-Empfänger liegen uns auf der Tasche und alle, die noch arbeiten, sind Deppen. So die Polemik des Guido Westerwelle. Doch was sind die Fakten? [Videoquer]

Und dass die entsprechenden Politiker die jetzt noch Senkungen fordern u.ä. auch nicht blöd sind, sondern solche Aussagen natürlich gezielt lancieren erklärt uns dieser Clip:

„Hartz IV ist kein Spaß“

Politpsychologe Thomas Kliche Über das „Phänomen Westerwelle“ unterhält sich Christoph Süß mit dem Politpsychologen Thomas Kliche. Meint Guido Westerwelle das, was er in letzter Zeit so geäußert hat, tatsächlich ernst? Ja, sagt Thomas Kliche.[Videoquer]

Backstage blamiert sich.

Auf diesem Blog hab ich ja schön öffters das Backstage und sein Booking von homophoben, sexistischen und rassistischen Bands und Künstler* thematisiert. Das Thema „Hassmusik“, wurde erst kürzlich im Rathaus bei einem Hearing besprochen. Besonders das Backstage steht ja schon seit längerem unter dem Druck, dass es immer wieder Kritik an ihrem Booking gibt. Nun sollte am Freitag, den 19.2 die Band T.O.K auftretten, eine Band die ihren weltweiten Durchbruch mit dem homophoben Song „Chi Chi Man“ hatten. Natürlich gab es deswegen Beschwerden beim Backstage, genauso wie bei den Auftritten von den ebenfalls homophoben Künstlern* Sizzla und Bountykiller. Normalerweise lamentiert das Backstage dann sollange rum bis der Auftritt vorbei ist, als Ablenkungsmanöver wählt man Erklärungen der Bands, in denen sie sich generell von allem Distanzieren von dem man sich distanzieren kann, oder man holt sich jemanden von der Rosa Liste und stellt ihn vor dem Auftritt kurz mal auf die Bühne, oder man gibt sich interessiert am Austausch und veranstaltet Diskussionveranstaltungen. Da die Münchner SPD eine Charta gegen „Hassmusik“ fordert, stand das Backstage um Georg Stöcker wohl nochmal mehr unter Druck. So entschied man sich im Backstage zu folgender PR-Finte: Kurz nach den ersten Beschwerden gegen das T.O.K Konzert im Januar 2010, wurde vom Backstage die Initiative Stop Murder Music München im Februar 2010 ins Leben gerufen. Zusätzlich setzte man vor dem T.O.K Konzert eine Diskussionveranstaltung an, eingeladen wurden aber erstmal nur die Presse per Pressemitteilung, erst einen Tag vorher standen genaue Informationen zu dieser Diskussionveranstaltung im Internet. Man hatte also offensichtlich geplant, neben Leuten aus dem Backstage Umfeld hauptsächlich die Presse als Publikum zu haben. Die Veranstaltung stand dann unter dem Titel “HASS-HETZE-HITZIG-HOMO?”. Bereits der Titel deutet an wie die Veranstaltung ausgehen sollte. Aufs Podium hatte man sich dann Reggae und Backstage Fans geholt, Kritiker des Backstage und homophober Reggae Sänger* wollte man bei der Diskussion offensichtlich nicht auf dem Podium haben. Eingeladen hatte man sich: Philip (Backstage/Reaggae Party), Moderator Noe Noah (Bayern 2 Zündfunk), Florian Sperk (Grünen Jugend Bayern), Rolf Radny (Tourmanager von T.O.K).
Jeder von denen hatte da so seine Funktion auf dem Podium. Noe Noah vertrat den kulturrelativistischen Ansatz, Florian Sperk berief sich auf die Meinungsfreiheit, Rolf Radny versuchte sich da mehr in allgemeiner Relativierung der Homophobie von der Band. Die einzelnen Positionen und die besten Sätze gibts bei Medium zum nachlesen. Doch es kam anders, spontan fanden sich einige um die Veranstaltung zu nutzen, dem Backstage mal ein bischen auf den Zahn zu fühlen und die PR-Veranstaltung doch noch in Richtung Diskussion zu drücken. Es wurde auch ein Flugblatt verteilt, das man bei Radio Lora lesen kann. Im Laufe der Veranstaltung gerieten die Podiumsteilnehmer zunehmend in die Defensive (und so stieg die zahl der Leute die noch auf das Podium geholt wurden an). Dabei zeigte sich jedoch ganz klar: im Backstage weiss man offensichtlich nicht was Homophobie ist, da wird am Höhepunkt der Veranstaltung, Bounty Killer zitiert, wie er auf der Backstage Bühne sagt: „Ich rufe nicht zum Mord an Schwulen auf aber ich mag sie einfach nicht“ und das soll dann Beweisen, dass Bounty Killer nicht homophob ist. Da winden sich fünf Leute auf der Bühne und relativieren durchgehend Homophobie und versuchen sich rauszureden und steigern sich dabei in immer peinlichere Ausreden, irgendwann wird dann über schwule Praktiken im Bett geredet und auch auf der Bühne fallen die ersten Masken, jetzt würde am liebsten auch jemand sagen „ich mag Schwule nicht“, dann ist die Veranstaltung zuende und das Backstage hat sich bis auf die Knochen blamiert.

Mal wieder das Backstage…

Nachdem mittlerweile jede noch so dubiose Band im Backstage spielen darf, ist man dort bemüht seinen alternatives Image nicht zu verlieren. Deswegen findet diesen Freitag im Backstage eine Diskussion zum Thema „Homophobie im Reggae“ statt. Danach spielt dann T.O.K, die zumindestens versprochen haben das sie auf lukrativen Tours durch den Westen, nix homophobes mehr singen. Wie das in der Praxis ausschaut ist ja hinreichend bekannt.

Im Zusammenhang mit der Veranstaltung fragt sich Medium:

Und wer setzt sich bei so einer Veranstaltung noch mit aufs Podium, um dann einem Stocker und seinem Publikum damit auch noch das Gütesiegel „kritische Auseinandersetzung“ zu schenken?

Ich hätte ja normalerweise auf die Rosa Liste getippt. Doch scheinbar haben sich Backstagechef (Stocker) und Die Rosa Liste bei einem Hearing zur sogenannten Hassmusik überworfen.(Kritik zu dem Hearing bei München Pervers) Auf der Rosa Liste Seite ist auch zu lesen was der Stocker so an Bürgermeister und co. vor der Veranstaltung geschrieben hat:

„Wir legen hiermit rein vorsorglich im Vorfeld dieser Veranstaltung ausdrücklichen Protest gegen diese ein! Wir müssen befürchten, dass dieses Hearing nicht nur in unseren Augen äußerst undemokratisch und vor allem unrechtsstaatlich verlaufen – sondern hier erstmal ein einseitiges und absolut verfälschtes Bild ganzer Jugendkultur- und Musikszenen dargestellt wird. Es wurde da weder das für diesen Sachverhalt eigentlich kompetente Kulturreferat einbezogen noch betroffene VeranstalterInnen und VerterInnen der Musikszenen, die hier in der drastischen Kritik stehen. Vielmehr kommen bei diesem überwiegend VerteterInnen, von bestimmten eher „fundamentalistisch“ agierenden Verbänden zu Wort, die unserer Ansicht nicht einmal die Mehrheit der Meinung ihres eigenen Klientels vertreten.“

Man darf also gespannt sein wer sich diesmal als Feigenblatt hergiebt oder handelt es sich gar um eine Veranstaltung bei der die „betroffene VeranstalterInnen und VerterInnen der Musikszenen, die hier in der drastischen Kritik stehen“ mal unter sich diskuttieren. So als Gegenveranstaltung zum dem Hearing der Stadt.
Alle weiteren Informationen bei Medium.

Münchner Nazis in Dresden

Kaum jemandem wird entgangen sein, was letzte Woche in Dresden passiert ist. Mittlerweile gibts Texte diverser Antifagruppen zur Kritik des Dresdengedenkens und des Dresden-Nazifrei-Konzepts. Ein paar davon sprechen wichtige Kritiken aus. Trotzdem war es natürlich richtig und grossartig den Naziaufmarsch in Dresden zu verhindern.

Jetzt aber zum eigentlichen, Münchner Neonazis waren natürlich auch im Kessel von Dresden gefangen. Dazu habe ich folgendes Bild von Recherche Nord gefunden:

Und dazu noch zwei amüsante Videos, wo man sie gegen ihre eigenen Ordner drücken sieht. Hier ab 0:30 und hier ab 0:30. Es gab noch ein schöneres, das wurde mittlerweile aber leider gelöscht.

Gays against Guido.

Gerade läuft ja die grosse Hartz4 Debatte, ausgelöst durch ein Bundesverfassungsgerichtsurteil, wird jetzt wieder darüber gestritten wie es den nun weiter gehen soll mit Hartz4. Dabei geht die Palette der Lösungsvorschläge auf Seiten der CDU/FDP/CSU, von Hartz4 senken bis den Namen zu ändern.
Besonders Guido Westerwelle läuft da zurzeit Amok gegen Hartz4-Empfänger*innen. Lustigerweise hört man da immer wieder das Wort „Leistungsgerechtigkeit“ und so falsch liegt Guido Westerwelle da auch nicht, wenn er „fordert“ das jemand der arbeitet davon (zumindestens) gut leben soll. Wie man dann aber von da aus, dazu kommt, dass Hartz4-Empfänger*innen weniger Geld bekommen sollen, damit die billiglohn Arbeiter*innen ihr weniger Geld als mehr empfinden ist mir schleierhaft.

In den letzten Monaten gabs ja für Guido Westerwelle immer mal wieder verbal auf die Fresse, ärgerlicherweise regelmässig mit homophoben Untertönen. Jetzt habe ich die Aktion „Gays gegen Guido“ endeckt, zu der Kunstaktion gibts ein Artikel mit dem Küstler*. Mal abgesehen von dem Begriff des „Neo-Individualliberalismus“, der sich mir noch nicht so ganz erschlossen hat, finde ich die Aussagen gar nicht mal so schlecht. Gefunden hab ich das ganze bei unrast wild.cat.