Archiv für April 2010

Die Postantideutschen sind wieder da.

Manch einer wird sie vieleicht schon vermisst haben oder sich gefragt haben, was ist eigentlich aus denen geworden? Aber jetzt sind sie wieder da, die Postantideutschen melden sich zurück. Vorerst nur mit einem Wordpressblog: Gruppe Monaco. Aber da kündigen sie schonmal an „Wir versprechen: Wir werden von uns hören lassen.“. Und sie wissen auch schon genau was sie ins Fadenkreuz nehmen wollen, genannt werden da zum Beispiel :“die Vergewaltigerhatz des „Antisexistischen Aktionsbündnisses“…“ ausserdem will man den antikapitalistischen, antirassistischen und antisexistischen Konsens der Linken Szene Münchens brechen bzw. nicht reproduzieren und am wichtigsten man will „den Islam als Feind jeglicher Emanzipation denunziert“. Vieleicht schaut das ja diesmal anders aus, als die üblichen Fahnenspielchen am Rande irgendwelcher Demos von denen sich ohnehin nur noch Sdajler provoziert fühlen. Aber lassen wir uns überraschen, die Justus Wertmullah Jugend ist auf jedenfall erstmal zurück!
Im übrigen fast schon satirisch, dass die Gruppe den Szenesumpf in München kritisiert und doch auch wieder nur einen Text zu diesem Sumpf schreibt und dabei selbst darin versickert, anstatt mal eine materialistische Kritik an den Verhältnissen zu formulieren, will sie dann doch lieber auch in der „alimentierte Subkultur“ mitmischen und auch ein bischen „radical chic“ sein.

Urban Legends – Großstadtmythen

Als postmoderne Form der Märchen existieren im Zeitalter von Twitter, Facebook und Instantmessaging Großstadtmythen auch Urban Legends genannt. Verbreiteten sich Märchen im Mittelalter nur sehr langsam, so entstehen diese Geschichten heute sehr viel schneller. Genährt durch Angst verbreiten sich diese Geschichten schnell weiter. Der Wissenschaftsjournalist Bernd Hader geht diesen Geschichten in seinem neuen Buch „Das Lexikon der Großstadtmythen“ auf den Grund und zeigt gewisse Stereotype Geschichten auf die immer wieder erzählt werden, wie z.B. das verschwundene Kind im Supermarkt/IKEA/usw. Da sich diese Geschichten aus den Ängsten der Menschen generieren verbreiten sich auch immer wieder rassistische bzw. xenophobe Großstadtmythen. Ein Beispiel dafür wäre z.B. die Geschichte von einem reichen Araber der in München seinen Geldbeutel verliert, eine Passantin weisst ihn darauf hin. Als er ihr Geld anbietet, so als Finderlohn, lehnt sie ab. Da beugt sich der „Fremde“ vor und flüstert ihr ins Ohr, sie solle sich dieses Jahr vom Oktoberfest fernhalten. Gestützt durch den allgemeinen Sicherheitswahn finden sich relativ schnell viele Menschen die diese Geschichte als über einen Freund erlebt weitererzählen.
Erstaunlich an den Großstadtmythen ist dass sie sich in einer großen Detailfreude weitererzählt wiederfinden, und je öfter eine erfundene Geschichte erzählt wurde, und je bekannter sie wird, desto glaubwürdiger erscheint sie dem Hörer. Umsowichtiger ist es FOAF tales (Friend of a friend tales) immer als Schwachsinn zu entlarven.

Nimm’s mit Humor.

Ich hatte mir ja schon vor längerem vorgenommen nichts mehr zu Jürgen Elsässer zu schreiben, da man sich mit diesem Querfrontler inhaltlich nicht mehr ausseinandersetzen muss/sollte. Deswegen schreibe ich jetzt auch nichts über die neueren homophoben Ausfälle auf seinem blog, sondern stelle hier nur folgendes Zitat vor, dass man vieleicht mal auf einen Aufkleber drucken sollte.

“Was keiner mehr hören will: Ein paar Watschn waren vor 20, 30 Jahren in der Erziehung normal. Ich hab auch vom Lehrer welche bekommen, und es hat mir nicht geschadet.” – Jürgen Elsässer

P.S:

CIA-RedCell Shoring up Afghan war support in Western Europe

Um keine doppelte Arbeit zu machen, verweise ich euch einfach mal auf einen sehr ausführlichen Artikel zu dem von WikiLeaks veröffentlichten Sonder-Memorandum der CIA Red Cell zum Thema „Shoring up Afghan war support in Western Europe“ in dem eine PR Strategie entwickelt werden soll, wie die europäischen Bündnispartner des Afghanistaneinsatzes ihre Bevölkerung auf Linie halten sollen.

Auf Wikileaks findet sich übrigens auch das Video welches zur Aufklärung der Ermordung zweier Reuters Journalisten wesentlich beigetragen hat, und das auf juristischem Wege an Reuters nicht herausgegeben wurde.

Deutschland Vizeweltmeister der Zensur

Google veröffentlichte unlängst die Löschanfragen von Regierungen von Inhalten bei Google und YouTube („Government requests directed to Google and YouTube“). Deutschland befindet sich auf der „Hitliste“ auf Platz 2 hinter Brasilien. China, der Favorit für den Titel „Weltmeister der Zensur“, kann leider nicht am Wettbewerb teilnehmen, da „Chinese officials consider censorship demands as state secrets, so […] [Google] cannot disclose that information at this time.1

Aber Google wäre nicht Google, wenn es die bereitgestellten Informationen nicht gleich wieder relativieren würde, so findet sich auf einer Unterseite folgender Passus:

These numbers represent the number of requests we received from government entities for the removal of content or the disclosure of user data from July 1, 2009-December 31, 2009. There are limits to what this data can tell us. Some requests seek the removal of multiple pieces of content, or seek data for more than one account. There may also be multiple requests that ask for the removal of the same piece of content, or data for the same account. Because of the complexity of these requests, the numbers we are sharing do not reflect the total amount of content that we are asked to remove, nor the total number of accounts subject to data disclosure requests by governmental agencies. Also, this initial report doesn’t indicate whether Google complied with or challenged any request for user information, although we do provide percentages about our compliance with requests to remove content. We haven’t yet found a way to provide more detail about our compliance with user data requests in a useful way, but we plan to in the future. 2

Übrigens wurde mittlerweile bekannt, dass die Google-Street-View Autos nicht nur die Umgebung fotographieren sondern auch alle WLAN Netzwerk kartographieren, was sich großer Kritik durch Datenschutzer ausgesetzt sieht. Allerdings wird verschwiegen das es diverse Anbieter gibt, die bereits Positioning-Systeme anbieten, die anhand privater und öffentlicher WLAN Netzwerke in der Umgebung die jeweilige Position feststellen3.

  1. http://www.google.com/governmentrequests/ [zurück]
  2. http://www.google.com/governmentrequests/faq.html [zurück]
  3. http://www.itwissen.info/definition/lexikon/WiFi-positioning-system-WPS.html[zurück]

Mal wieder Faschos im Glockebachviertel

Vor zwei Jahren berichtete ich hier über einen Angriff von Nazis auf Gäste des Schwulen Kommunikationszentrums (Sub) in der Müllerstrasse. Auch davor war schon bekannt, dass direkt neben dem Sub in einer Wohnung von Condrobs (Projekt für Drogensüchtige) die Freundin von Phillip Hasselbach wohnte. Interesse daran entwickelte sich aber nicht etwa nach dem Angriff der Faschos, sondern erst im Zuge des Medienechos zum Fall Manichl. Im Zuge dieses Medienechos wurde die Freundin von Phillip Hasselbach dann auch in eine andere Wohnung verlegt.

Letzte Woche wurden 3 Nazikader von Antifas geoutet. Darunter wieder Phillip Hasselbach und siehe da, der wohnt jetzt im Glockenbachviertel keine 100 Meter vom oben erwähnten Sub entfernt. Vieleicht interessiert sich ja diesmal jemand dafür, bevor wieder besoffene Faschos durchs Viertel ziehen.

Erster CSD des Jahres angegriffen.

In Lörrach fand letzten Samstag der erste ChristopherStreetDay des Jahres 2010 statt. Wie auf Queer.de zu lesen ist wurde dieser von scheinbar rechten Jugendlichen angegriffen. Dazu heisst es: (Quelle)

… gab es nur einen „kleinen Zwischenfall“, als rechte Jugendliche in der Grabenstraße Eier auf Paradeteilnehmer warfen. Nach Polizeiangaben führten die mutmaßlichen Täter auch „Maskierungsmittel“ mit sich und waren mit Pfefferspray, Tränengas und einem Hammerstiel bewaffnet.

Auch in München werden die Nazis es sich dieses Jahr warscheinlich nicht nehmen lassen, dem CSD wieder einen Besuch abzustatten, auch wenn sie vorletztes Jahr auf die Mütze bekommen haben.
Bash Back!

Buchtipp

Viel Wirbel macht Claude Ribbe mit seinen Büchern in denen er die koloniale Geschichte Frankreichs aufarbeitet, eingeschlagen wie eine Bombe ist sein Werk „Le Crime de Napoléon“. Auf dem Cover ein Foto von Hitler am Grab der französischen nationalen Ikone. Gerade deswegen sieht sich Ribbe massiver Kritik ausgesetzt, weil vielen seiner Zeitgenossen das besagte Foto lieber im Strudel der Zeit hätten verschwinden sehen wollen.

Wer des französischen nicht mächtig ist, kann sich an die englische Ausgaben „Napoleon’s Crimes: A Blueprint for Hitler“ halten.

Hier noch die Kursbeschreibung von Amazon:

Did Napoleon provide the model for Hitler’s Final Solution? 140 years before the Holocaust, Napoleon used gas to exterminate the civil population of the Antilles, he created concentration camps in Corsica and Alba, and he re-established the slave trade, provoking the deaths of over 200,000 Africans in the French colonies. In this riveting and controversial expose, Ribbe reveals Napoleon’s shocking legacy to the atrocities of the twentieth century. 1

  1. http://www.amazon.de/Napoleons-Crimes-Blueprint-Claude-Ribbe/dp/1851685332/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1271666823&sr=8-1 [zurück]

Stonewall uprising

Bald ist meine freie Zeit wieder vorbei und dann wird hier auch wieder mehr stehen. Bis dahin schaut euch doch erstmal diesen Trailer an.

Und beim WDR gabs eine Sendung zum Thema Homophobie.