Archiv für Mai 2010

Ein dreckiger Rückblick auf den Eurovision Song Contest 2010

Die Nation im Freudentaumel, die deutsche Teilnehmerin beim ESC gewinnt mit großen Vorsprung. Da lässt es sich auch ein Ministerpräsident nicht nehmen, die Gewinnerin am Flughafen zu empfangen, und richtet dabei gleich noch ein Gruß der Kanzlerin aus. Die Fahnensaison zur kommenden WM ist also mal wieder eingeläutet und so findet dieses eigentlich total unpolitische Medienspektakel auch auf Indymedia und Alt*rm. seine Reaktionen. Während auf Indymedia ein Hitlergruß von Stefan Raab ausgemacht wird, findet man auf Alt*rm. heraus das der Opa von Lena (besagter Gewinnerin des Contests) ein Bilderberger gewesen sei und der Sieg von diesen Schatteneliten natürlich nur arrangiert wurde damit die armen kleinen Deutschen weiter den Euro retten. Oder halt, wollten die den Euro nicht kaputt machen? Puh, jetzt bin ich aber echt verwirrt.

P.S.: Bleibt noch zu erwähnen, dass auf diversen Internetseiten in den Kommentarspalten natürlich wieder mal antisemitische Kommentare auftauchten (u.a. auf Twitter, Facebook, Web.de, GMX usw.). Getreu dem Zitat von Zwi Rex „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen“, fanden viele Kommentartor*innen es unmöglich das aus Israel keine Punkte für Deutschland kamen, was natürlich mal wieder ein Komplot sein sollte.


P.P.S.:

Zombie Kapitalismus

Inspiriert durch den Aufruf zum an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Block auf der bun­des­wei­ten Kri­sen­de­mo am 12. Juni in Berlin und einem geistreichen Text zum Thema Zombies drängt sich mir unaufhaltsam der Begriff Zombie Kapitalismus auf. Der Zombie repräsentiert einen Gegenstand(sic!) der weder lebt noch tot ist und versucht den Lebenden das Fleisch vom Körper zu nagen, kurzum eine Analogie auf den Kapitalismus der ebenfalls keine lebende Entität ist, und uns sinnbildlich das Fleisch vom Körper nagt, indem er unsere Arbeitskraft aufzunehmen versucht, und in vielen Fällen natürlich auch tödliche Folgen hat.

Der Untote ist nicht nur die Negation der Schöpfung. Es geht vor allem um eine Negation des bürgerlichen Konzepts der Persönlichkeit. In den besten Zombie-Filmen sind die Untoten der McGuffin, der vor allem dazu dient zu dokumentieren, wie menschliche Gemeinschaften funktionieren oder genauer gesagt: nicht funktionieren. Der Untote spaltet den Menschen in das, was nicht leben kann, weil es auf Gewalt und Dummheit, auf Militarismus und Konsum, kurz auf die Art von Kapitalismus setzt, die wir uns derzeit leisten, und in das, was nicht sterben will. Und er spaltet das Menschen-Bild. Immer wieder tritt da das Innere nach Außen. Dabei kommt manches Unappetitliches und Gefährliches zum Vorschein. Eine Seele, ein Bewusstsein, eine Transzendenz ist nicht darunter.1

Hinzu kommt eine kapitalistische Globalisierung, die nicht versucht die Herrschaft über die Welt zu erlangen, sondern die Welt in eine kapitalistische untote Welt zu verwandeln, in der vorallem die Gesetze des Marktes herrschen, aber ohne es zu wollen, denn der Wille ist den Lebendigen vorbehalten.

Das Untote bricht ganz buchstäblich in das Bewegungsbild hinein; im Gegensatz zum üblichen Schurken, Gespenst oder Public Enemy kämpft es nicht nur im Bild, sondern auch um das Bild. Zombies, als Krone der Untoten-Schöpfung, wollen nicht nur dich, ja, genau dich, sondern sie wollen alles; sie wollen, wenn man das überhaupt noch Wollen nennen kann, nicht die Herrschaft in der Welt der Lebenden, sondern die Welt in einen untoten Ort verwandeln. Sie können das nur, weil wir ahnen, dass diese Welt das Untote schon in sich hat. 1

Warum dieser Vergleich? Warum ein komplexes Thema auf diese schräge Art und Weise behandeln?
-> Um zu verdeutlichen dass der Kapitalismus für den Menschen auch etwas unfassbares hat. Was leider auch dazu führt das bestimmte Menschen versuchen dieses abstrakte System durch Antisemitismus usw. dem lebenden Menschen zuzuordnen, es zu personalisieren.

  1. http://www.getidan.de/filmgeschichte/georg_seesslen/10341/undead-the-hate-thing [zurück]

Menschenrechtsverletzungen in Deutschland

Laut dem Jahresbericht 2010 von Amnesty International kam es in 159 Staaten zu Menschenrechtsverletzungen. Ohne jetzt explizit auf eine Kritik am Konzept der Menschenrechte einzugehen, sei darauf hingwiesen, dass Deutschland selbst dieser bürgerlichen Vorstellung von Menschenrechten nicht gerecht wird, denn auch Deutschland steht auf der Liste der Staaten mit Menschenrechtsverletzungen. So heisst es schon in einem Text aus dem Jahr 2008:

Wie in den Vorjahren gingen die deutschen Behörden auch 2008 nicht entschieden gegen Menschenrechtsverletzungen vor, die im Rahmen des von den USA angeführten „Kriegs gegen den Terror“ begangen wurden. Dies betraf auch die Rolle der Behörden bei geheimen rechtswidrigen Gefangenenüberstellungen in andere Länder. Bei geplanten Abschiebungen von Personen in Länder, in denen diesen schwere Menschenrechtsverletzungen drohten, berief sich Deutschland weiterhin auf „diplomatische Zusicherungen“ der betreffenden Staaten und verstieß damit gegen seine Verpflichtungen im Rahmen des Völkerrechts. Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus wurden nach wie vor ihre wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte vorenthalten. (Stand: 31.12.2008)

STOP DEPORTATION!Besonders interessant ist der Punkt das (nicht nur) „illegalen“ Migrant*Innen nach wie vor essentielle Rechte vorenthalten werden, vorallem medizinische Versorgung, Bewegungsfreiheit und Bildungsangebote, obwohl diese Rechte eigentlich per Menschenrechtskatalog festgehalten sind. Von abscheulichen Abschiebungen in Folterstaaten garnicht zu sprechen!

Bereits Anfang 2009 beurteilte der UN-Menschenrechtsrat die Menschenrechtssituation in Deutschland als mangelhaft. Amnesty International warf der Regierung in Berlin damals vor den Bericht nachträglich geschönt zu haben. Mein Fazit: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Den Deutschen sind die Menschenrechtsverletzungen relativ egal, schließlich gibt es soviele böse Staaten auf die man viel besser mit dem Finger zeigen kann als Deutschland, eine gängige deutsche Praxis nicht nur beim Thema Menschenrechtsverletzungen.

Wer kennt diese widerliche Fahne?

fahnääDie Polizei Heidenheim bitte um ihre Mithilfe, wer kennt diese widerliche Fahne? Sachdienliche Hinweise bitte an die Soko „Flagge“.

Punk und Homosexualität.

In der Plastic-Bomb #70 gab es vor kurzem ein sogenanntes „Anders-Leben-Special“ zum Thema „Punk und Homosexualität“. Dafür wurden Interview Partner*innen gesucht, unter anderem wurde ich da angeschrieben. Nun gibts die Interviews auch Online zum Nachlesen. Ein guter Zeitpunkt, dass ich da auch meinen Senf dazu abgebe.
Erstmal fällt auf, dass Lesben überhaupt nicht vorkommen. Der korrekte Titel wäre also schwule Punks gewesen. Das wirft schonmal ein klares Bild auf die Punkszene, was deren männliche* Dominierung angeht.
Ansonsten geht es dann in den Interviews um so Themen wie Homophobie, Vernetzungsmöglichkeiten von schwulen Punks und den Punk-lifestyle. Da gibt es wenig überraschendes: nämlich, dass es Homophobie in der Punkszene gibt. Da heisst es dann auch ganz richtig:

die durchschnittliche punkszene ist nicht mehr und nicht weniger homophil oder homophob wie die durchschnittsgesellschaft.

Quelle

Das kombiniert mit männlicher* Dominanz im Publikum und auf der Bühne, mit Mackertum und Männlichkeitsfetish lässt die Situation dann manchmal sogar noch hinter die gesellschaftliche Situation zurück fallen.

Ausserdem ist mir noch aufgefallen, dass ich knapp über die hälfte der Interviewten zumindestens vom Sehen kenne. Das mag jetzt Zufall sein, aber es wirft zumindestens schonmal ein schlechtes Licht auf die blosse Anzahl der schwulen Punks, all zu viele scheint es da nicht zu geben? Das ist natürlich Quatsch, viel mehr geht es da um etwas anderes, nämlich fehlende Sichtbarkeit. Und das ist der interessanteste Part, der Interviews: wie gehen die Leute mit ihrer Sexualität um. In einigen Interviews wird bagatellisiert, welchen wichtigen Einfluss die Sexualität auf das Leben des einzelnen hat. Weil man ist ja eigentlich, viel mehr Punk, wie Schwul und die Musik ist ja auch soviel wichtiger. Da stellt sich mir doch die Frage ob das nicht auch viel über die Punkszene aussagt, wenn sich Leute so von ihrem Schwul sein abgrenzen müssen. Das ist der vorauseilende Gehorsam gegen das homophobe Vorurteil, „Schwule definieren sich immer ganz stark über ihre Sexualität und müssen die jedem aufdrücken“ (während die Heter*as das natürlich, auch mal ganz locker nicht erwähnen können dank Heteronormativität). Deswegen fehlt es in den Interviews dann natürlich auch nicht an dem absoluten Klemmschwester Klassiker, nämlich das ausheulen darüber wie kommerziell und oberflächlich doch die Schwuleszene (oder gar die Schwulen an sich) sei und wie man damit ja so garnichts zu tun hat oder haben will.

Ich frage mich ja ernsthaft, wie sich das Sexleben eines Schwulen Punks gestaltet, der sich ausschliesslich in der Punkszene bewegt, wenn er Glück hat gibts noch einen einzigen anderen, ansonsten schauts wohl eher schlecht aus. Aber, dass frage ich mich natürlich nicht wirklich, da ich selbst mal ausschliesslich in der Punkszene unterwegs war, weiss ich wie das läuft. Sex hat man einfach mit eine von den etlichen Klemmschwestern (Im Sprachgebrauch von Schwulen ist die „Klemmschwester“ ein Mann*, der ein verklemmtes Auftreten hat, eigentlich schwul ist und das nicht zugibt oder selber noch nicht weiß), die halt einfach lieber als heterosexuell gelten, man will ja seine Männlichkeit nicht aufs Spiel setzen.

Queer als Ausrede für Übergriff.

Folgende Geschichte zeigt mal wieder schön, wie man queer falsch verstehen kann. In der Tat ist mit der starken Verbreitung der Queer Theory in den letzten Jahren bei vielen nicht viel hängen geblieben, ausser verkürzte Inhaltsfetzen, der Queer Theory. Ähnliche Plattitüden, wie die unten im Text beschriebenen, werden auch gegen Schwule/Lesben/Trans* hervorgebracht, wenn sie mal wieder zu sehr auf ihre „Identität“ und Sichtbarkeit pochen.

Statement der be-cunt crew zu einem Übergriff im ficken3000:

Sexualisierter Übergriff bei “Pork”

Als Veranstalterinnen der FrauenLesbenTrans*-Sexparty “be_cunt” im Ficken 3000° sehen wir uns in der Verantwortung über einen sexualisierten Übergriff in diesem Raum zu informieren. Dieser passierte im April 2010 auf der sich selbst als “queer” bezeichnenden Tanz- und Sexparty “Pork”, die ebenfalls im Ficken 3000 statt findet.
Der derzeit alleinige Veranstalter der Party riss einer alleine auf der Tanzfläche tanzenden Frau gegen ihren Willen ihr T-Shirt vom Oberkörper. Außer ihren beiden Begleiterinnen griff niemand ein, obwohl es einige andere Gäste mitbekommen hatten.
Die Begleiterinnen stellten den Veranstalter zur Rede, woraufhin er versuchte sie als prüde darzustellen. Er behauptete, sie hätten Probleme mit ihren Körpern, wenn sie sich nicht die Klamotten vom Leib reißen lassen wollen. Er mache das immer und für ihn sei das ein Mittel seine Party aufzupeppen.
Wir erfuhren später direkt von den anwesenden Frauen von dem Vorfall. Da wir im selben Club eine Party machen, sahen wir uns in der Verantwortung, der Sache nachzugehen. Wir gingen zu einer der darauf folgenden Partys und sprachen den Veranstalter auf die Situation an. Eine Klärung war nicht möglich, stattdessen bekamen wir folgende Reaktionen: Er reiße den Leuten immer die Klamotten vom Körper. Gender sei für ihn egal, wir seien alle Tiere und somit alle gleich. Frauen sollten nicht immer so tun, als würden sie von der ganzen Welt unterdrückt, Frauen versklavten sich selber, wenn sie nicht so “frei” wären, ihre “Titten” zu zeigen. Wir sollten allen unseren “feministischen Freundinnen, die ihre Titten nicht zeigen wollen, sagen, dass sie nicht zu Pork kommen sollen”.
Zu erwähnen ist noch, dass nirgendwo – weder im Internet, noch auf Flyern – angekündigt wird, dass es zu solchen Übergriffen kommen kann.

Was geschehen ist begreifen wir eindeutig als sexualisierten Übergriff, die Aussagen des Veranstalters sind schlicht sexistisch. Zudem zeigt sich exemplarisch, wie es öfter in Teilen der queeren Szene vorkommt, dass winzige Brocken queerer Theorie aufgeschnappt, aus dem Zusammenhang gerissen und dazu genutzt werden, sexistisches, übergriffiges Verhalten zu rechtfertigen.
Für uns ist klar:
Gender ist konstruiert, aber nicht “egal”. Es ist ein wirkmächtiges Konzept und das Patriarchat existiert leider (immer noch).
Sexpartys sind toll, wenn alle Spaß haben und sie einen geschützten Raum für alle bieten. Und die absolute Mindestregel muss gegenseitiger Respekt und Einvernehmlichkeit sein.

Wir – als Veranstalterinnen von “be_cunt” – distanzieren uns ausdrücklich von einem solchen Verhalten. Wir legen bei unserer Party großen Wert auf einen respektvollen, antisexistischen Umgang miteinander. Da es leider viel zu wenig antisexistische Sexpartys gibt, die Möglichkeiten solche zu organisieren begrenzt sind und wir diese Partys wichtig finden, werden wir in dem Raum bleiben und versuchen, weiterhin eine Party zu veranstalten, auf der sich alle wohl und sicher fühlen können.

Kirchentag

via titanic

8. Mai – Tag der Befreiung vom Faschismus

Da haben die Nazis eine saubere Bauchlandung hinbekommen. Der wie 25-Mann* wirkende Aufzug am 8. Mai in Fürstenried-West musste bereits nach wenigen hundert Metern wieder umkehren. Wegen der Ankündigung einer Spontandemo wurden dann weitestgehend alle Nazis noch in die Ettstraße zur Nachbehandlung gefahren und auswärtige Nazis konnten laut eigenen Berichten erst gegen 1 Uhr die Heimreise wieder antreten, während Antifaschist*Innen an zahlreichen Orten in der Stadt die Befreiung vom Faschismus feierten.

Ein Artikel auf Luzi-M fasst die Mobilisierung davor gut zusammen, der Artikel auf linksunten.indymedia.org die Blockadeaktionen.

Studiengebühren abschaffen

Katalysiert durch die Wahlschlappe der CDU in NRW sieht das Bündnis aus Studentischen Vertretungen der LMU, der
TUM, der Hochschule München und unibrennt, die Studiengebühren wackeln, da jetzt nur noch drei Bundesländer an den Studiengebühren festhalten (Bayern, BaWü und Niedersachsen).

Deswegen findet heute 10. Mai um 14 Uhr vor der LMU am Geschwister-Scholl-Platz eine Blitzdemonstration gegen Studiengebühren statt.

Route und Inhalt der Demo findet ihr auf studiengebuehrenbayern.de.