Judith Butler lehnt Zivilcourage-Preis des Berliner CSD ab!

Diesen Samstag wollten die Berliner CSD Organisator*innen Judith Butler einen Preis für Zivilcourage verleihen. Diese lehnte den Preis jedoch ab. Bei der TAZ heisst es dazu:

Die Veranstaltung sei ihr zu kommerziell ausgerichtet und richte sich nicht genügend gegen Probleme wie Rassismus und doppelte Diskriminierung von beispielsweise Migranten, die homosexuell oder transsexuell empfinden.

Man dürfe sich nicht vor den Karren von Organisationen spannen lassen, die im Namen einer queeren Gemeinde Kriege führten und Bündnisse eingingen, in denen Rassismus sowie Antisemitismus geduldet würden, so Butler weiter.

Ausdrücklich Lob bekamen von Butler Gruppen, die eine Art alternativen Christopher Street Day jedes Jahr in Kreuzberg organisieren. In dieser Berliner Subkultur werde sich noch mit den großen Fragen von Krieg und Frieden und sexueller Identität in einer modernen Gesellschaft auseinandergesetzt. Der alternative, sogenannte Transgeniale CSD findet in diesem Jahr nicht parallel zum großen CSD statt, sondern am 26. Juni.

Die Organisator*innen des CSD reagierten zerknirscht und riefen den applaudierenden Menschen zu: „Ihr seid nicht die Mehrheit!“.

Das ganze kann man sich auch auf Youtube anschauen:

Schöne Aktion!

Nachtrag:


6 Antworten auf “Judith Butler lehnt Zivilcourage-Preis des Berliner CSD ab!”


  1. 1 medium 21. Juni 2010 um 10:42 Uhr

    Großartig auch wie die Moderation am Schluss nicht nur scheitert, mit der Situation umzugehen, sondern mit der Aussage „Ihr seid hier nicht die Mehrheit“ (wer ist „ihr“?) auch noch Butlers Thesen irgendwie stimmig untermauert.

  2. 2 Bernd Mueller 21. Juni 2010 um 11:52 Uhr

    Mit „ihr“ ist vermutlich die Gruppe der Menschen gemeint, die für die Entscheidung von Butler applaudierte.

  3. 3 medium 21. Juni 2010 um 12:38 Uhr

    Das war mir schon klar. Aber ich finds irgendwie passend/unterhaltsam nach diesem Butler-Statement ein „ihr“ gegen eine „wir“–“Mehrheit“ zu konstruieren.

  4. 4 Bernd Mueller 21. Juni 2010 um 13:50 Uhr

    Da hast du natürlich vollkommen recht!

  5. 5 achwiegutdassniemandweiß 22. Juni 2010 um 0:51 Uhr

    so ganz sicher bin ich mir nicht, ob mensch butlers absage so rundum bejubeln kann…

    lesenswert dazu fand ich:

    http://theoriealspraxis.blogsport.de/2010/06/20/eine-radikale-geste-mit-schalem-nebengeschmack/

  6. 6 Administrator 22. Juni 2010 um 11:02 Uhr

    Nunja, für nen normalen CSD, ist so eine Aussage auf der Bühne erstmal was erfreuliches. Gerade weil die Berliner Schwulenszene stark mit nem Rassismus Problem zu kämpfen hat. Weil man eben die leichte Erklärung (Täter wegen Migrationshintergrund) der Medien allzu leicht fertig übernommen hat.

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