Archiv für September 2010

Sarrazin, die SPD und deutsche Leitkultur

Der unsägliche Begriff der „deutschen Leitkultur“, der früher gerne von CDU/CSU Politiker*innen verwenden wurde und seit 2007 auch im Parteiprogramm der beiden Partein steht, findet gerade bei der SPD eine erneute Wiedergeburt. So äusserte der Parteivorsitzende der SPD Sigmar Gabriel: „Sarrazin missachtet die (deutsche) Leitkultur“. Was genau eine deutsche Leitkultur eigentlich sein soll, bleibt unklar. Detailierte Äusserungen der Politiker*innen die diesen Begriff verwenden deuten darauf hin, das damit eigentlich nichts anderes gemeint ist, als Gesetzmässigkeiten die im Grundgesetz verankert sind. Die CDU/CSU versteht Leitkultur als ein „aus der Sprache, Geschichte und Tradition der deutschen Kulturnation und den christlich-abendländischen Werten“ bestehenden zwangsbindenden Verhaltenskatalog für alle in der BRD lebenden Menschen.

Und so versucht die SPD wohl den auch in ihrer Partei vorherrschenden Sozial- und Kulturrassismus zu befriedigen und als Wählerpotential zu nutzen, dazu bedient man sich auch aus dem Wörterrepertoire der CDU/CSU um auch Wähler des rechten Spektrums zu gewinnen.

Der SPD‘ler Klaus von Dohnanyi steht schon bereit seinen Parteifreund Sarrazin in einem vermutlich sowieso nicht anstehenden Parteiausschlussverfahren zu verteidigen. Das in Sarrazins Buch nationalsozialisitischer Rassenwahn rekreiert wird, stört die SPD dabei wenig, Gabriel betont in diversen Fernsehtalkrunden, dass man sich die „Kritik“ von Sarrazin wenn man diese fragwürdigen Teile weglassen würden, durchaus anschauen müsste.

Indes zeigt sich das die ach-so-wissenschaftlichen Äusserungen von Sarrazin viele gravierende Fehler enthalten. So verwechselt Sarrazin „Korrelationen mit Prozentangaben“. Alle seine genannten Statistiken sind daher also nicht nur tendenziös sondern auch noch falsch überinterpretiert:

Sarrazin schreibt in seinem Buch mehrmals, zum Beispiel auf S. 93: „Unter seriösen Wissenschaftlern besteht heute zudem kein Zweifel mehr, dass die menschliche Intelligenz zu 50 bis 80 Prozent erblich ist.“

In der in einer Fußnote angegeben Quelle jedoch steht: „Die hohen Langzeitstabilitäten in der Intelligenzleistung, die bereits in der frühen Kindheit um r = .50 betragen und ab der späten Kindheit auf über r = .80 ansteigen, sprechen für das Vorliegen eines stabilen Persönlichkeitsmerkmals“

r ist jedoch keine Angabe für Prozent bei r handelt es sich um die Korrelation nach Spearman.

Eine Korrelation nach Spearman von r = .50 bedeutet aber, dass ein Merkmal zu 25 Prozent (!) nicht 50 Prozent durch eine Variable zu erklären ist. Der IQ (beziehungsweise richtiger noch: Die Varianz im IQ) ist also selbst nach Sarrazins Quellen nicht zu 50 bis 80, sondern zu 25 bis 64 Prozent erblich.1

In welchem Zustand sich die deutsche Gesellschaft befindet lässt sich sehr gut daran ablesen, dass eine unwissenschaftlich, fehlerhafte, rassenbiologische und von sozial- und kulturrassistischer Eugenik triefende Publikation auf Platz 1 diverser Verkaufscharts steht und auch noch eine mediale Promotiontour in diversen Fernsehsendern und Printmedien spendiert bekommt.

Daher auch hier nochmal der Aufruf zu den Protesten gegen den Auftritt Thilo Sarazzins in der münchner Reithalle am 29.09.2010. Kommt ab 19 Uhr zur Kundgebung in der Infanteriestraße (Tram 12 oder Bus 53: Ausstieg Infanteriestraße).

No Rascist Mania

  1. http://dishwasher.blogsport.de/2010/09/24/sarrazin-nicht-in-der-lage-korrelation-zu-interpretieren/ [zurück]

Vertreter der Meinungsfreiheit entsetzt!

Sarrazin spielt „Wer bin ich?“ auf zdf_neo:

Sarrazin bei Stuckrad – Das Original (Anm. d. Red.: Und diese Bezeichnung stammt nicht von mir, sondern ist in den Gehirnen, der Mediengenies von ZDF.de, entsprungen)

Gdzie jest krzyz?

„Polens Führung hat nach monatelangem Streit das Holzkreuz zum Gedenken an den tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski entfernen lassen. Das Kreuz sei am frühen Morgen in die Kapelle des Präsidentenpalastes verlegt worden, teilte die Präsidialkanzlei. Die Auseinandersetzung habe „gegen die Autorität des Staates und der Kirche verstoßen“.

[…]

Bei einem Flugzeugabsturz in Russland waren am 10. April der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski, dessen Frau Maria und 94 andere prominente Politiker, Militärs und Geistliche gestorben. Kurz nach dem Unglück stellten Pfadfinder vor dem Präsidentenpalast in Warschau das hölzerne Kreuz zum Zeichen der Trauer auf. Der Zwillingsbruder des Toten, Jaroslaw Kaczynski, und seine Anhänger nutzten den Ort für Demonstrationen gegen das Anfang Juli gewählte liberal-konservative Staatsoberhaupt Bronislaw Komorowski. In der vergangenen Woche veranstalteten die National-Konservativen dort einen Fackelzug.“1

Gdzie jest krzyz – wo ist das Kreuz“ hat das Zeug zum Sommerhit in Polen. Die Nummer hat es bis in die angesagtesten Klubs und Diskotheken des Landes gebracht. Ein gewisser DJ Hek unterlegt in diesem Remix das Gegröle der Kreuz-Verteidiger vor dem Präsidentenpalast mit reichlich Drums und Beats. „Wo ist das Kreuz?“ heißt der Refrain, intoniert von einem Seniorenchor christlicher Fundamentalisten.“2

  1. http://www.tagesschau.de/ausland/kaczynskikreuz100.html [zurück]
  2. http://www.tagesschau.de/ausland/kreuz114.html [zurück]

PI-Newser in Münchner Fussgängerzone gebasht!

Aber leider nur verbal:
Interviewer ist Michael Stürzenberger ehemaliger Pressprecher der CSU in München und Leiter der PI-Gruppe München, der hier von zwei „Kopftuchmädchen“ ohne Kopftuch nieder diskutiert wird: