Archiv für Oktober 2010

Gender Salon

Ab November startet die zweite Runde des Gender Salons in der Glockenbackwerkstatt. Auch diesmal sind wieder einige Interessante Vorträge dabei.

Im November geht es endlich weiter! Immer am letzten Mittwoch im Monat präsentiert der Lehrstuhl Prof. Paula-Irene Villa (Soziologie/ Gender Studies, LMU München) zum zweiten Mal die Veranstaltungsreihe „Gender Salon“, die mit unterschiedlicher inhaltlicher Schwerpunktsetzung die Verbindungen von Geschlecht(erverhältnissen), Popkultur und Wissenschaft diskutiert.

Ort und Zeit:
Glockenbachwerkstatt, Konzertsaal (Blumenstr. 7, 80331 München) 20h, Eintritt 3 €

Programm:

24.11. Astrid Lipinsky: Wanderarbeiterinnen in China. Von der neuen Fließbandgeneration und von Zweitkarrieren im Privathaushalt

26.01. Bettina Knaup: Strategien der Un/Sichtbarkeit in feministisch-queerer Performancekunst (Infos folgen)

23.02. Volker Woltersdorff: Qualverwandtschaften? (BD)SM als queere Praxis (Infos folgen)

30.03. Ada Borkenhagen: Designer Vagina – Kosmetische Genitalchirurgie als „Normalisierungspraktik“
(Infos folgen)

27.04. Julie Miess: Monsterheldinnen. Horrorautorinnen und ihre Geschöpfe (Infos folgen)

25.05. „It makes no difference, if you’re a boy or a girl“ (Madonna) oder hat Musik ein Geschlecht?
Talking heads: Britta (Cripper/ Trash Metal), Sookee (Hip Hop), N.N. (Klassik) (Infos folgen)

Alles weitere auf der Seite des Soziologie Instituts.

Bleib am Leben…

Zur Überbrückung bis Teil2 meiner „fighting heteronormativity“-Reihe hier veröffentlicht wird, ein ergreifendes Video aus den USA. Der Kontext ist, dass sich in den letzten Wochen zahlreiche LGBT-Jugendliche umgebracht haben, weil sie in der Schule von ihren Mitschüler*innen angegriffen/gemobbt wurden.

Bleib am Leben bis es besser wird oder du zurück schlagen kannst!

Videos

Weiss zwar noch nicht so recht was ich davon halten soll, aber irgendwie hilft es vieleicht manchen sich vorzustellen, wie es ist wenn die eigene Sexualität von der der Mehrheitsbevölkerung abweicht.

Und noch ein Kampagnenvideo aus den USA. Fuck Hate!

Fighting heteronormativity: Teil1 Coming Out und Sichtbarkeit

Es muss ungefähr fünf Jahre her sein, dass ich einen Kampf aufnahm, in den ich ohne es zu wissen schon seit Jahren verwickelt war. In dem Alter in dem ich damals war hatten einige meiner Brüder* und Schwestern* diesen schon verloren.

[Doch wer sind wir? Auf welches Kollektiv bezieht sich das Wort „Wir“ das in diesem Text immer wieder auftauchen wird. Nun das zu definieren ist schon schwierig, gemeint sind damit alle die nicht in das heteronormative Weltbild passen. Dennoch fehlt uns eine kollektive Identität. Die heteronormative Gesellschaft hat versucht uns in verschiedene Kategorien zu stecken von der hier Beispielhaft einige genannt werden sollen: Lesben, Schwule, Intersexuelle, Trans* und viele weitere. Dennoch sind wir damit nicht alle greifbar. Was uns alle verbindet ist nur, dass wir nicht die erwartete Geschlechtsidentität, sexuelle Identität oder Geschlechterrolle einnehmen oder besitzen die uns aufgrund unseres zugeordneten biologischen Geschlechts zugesprochen wird. Und obwohl der Versuch uns unter dem Label Queer oder Pervers zu subsumieren nicht immer klappt, weiss doch Jede*r wer wir sind. Ich will mir damit garnicht anmaßen im folgenden Text für uns alle zu sprechen, dieser Text stammt aus der Feder eines Schwulen*. Ich komme dennoch nicht darum an einigen stellen von „Wir“ zu sprechen, deswegen habe ich grob umrissen wer damit gemeint ist.]

Damit meine ich den Kampf gegen die Heteronormativität, wenn man es positiv formulieren will. Vielmehr handelt es sich dabei nämlich nicht um einen Angriff, sondern eine Verteidigung gegen die Angriffe der Heteronormativität. Die Heteronormativität bezeichnet ein gesellschaftliches Ordnungs- und Wertesystem in dem Heterosexualität als soziale Norm gesetzt wird. Sie steht ausserdem für die Weltanschauung in der dem biologische Geschlecht eine ganz bestimmte Geschlechtsidentität, Geschlechterrolle und sexuelle Identität zugeordnet wird. Dies wirkt sich nicht nur darin aus, das jede*r erstmal für heterosexuell gehalten wird, sondern diese Vorstellung durchzieht alle nur denkbaren Ebenen der Gesellschaft und der Kultur und wirkt am Ende sogar in den Subjekten selbst. Unser Leben gleicht also einem Schlachtfeld, wobei erschwerend hinzu kommt, dass wir nicht mit Anderen einer Front gegenüberstehen sondern, dass wir (erstmal) alleine kämpfen und das an allen Fronten. Einer dieser Fronten verläuft sogar in unseren eigenen Körpern. Eine Auswirkung davon ist z.B das erhöhte Selbstmordrisiko unter homosexuellen* Jugendlichen, das bis zu zehn mal höher ist, als das von heterosexuellen* Jugendlichen. Nun hatte ich vieleicht Glück gehabt oder war einfach stark genug, um eine Kindheit und Jugend in einer Gesellschaft zu überleben, die mir andauernd einzuhämmern versuchte, dass irgendwas mit mir nicht stimmt. Tief in mir nagte die Heteronormativität. Wie lässt sich dieses Gefühl beschreiben, das dort gut abgeschirmt vor meinem Bewusstsein und dennoch immer vorhanden, bestand? Vieleicht fühlte ich mich, wie der letzte meiner Art, in einer Art ewigen Diaspora. Nun wird sich manch eine*r vieleicht fragen, wie es zu einer derart absurden Vorstellung kommen kann und damit kommen wir wieder zum Beginn meines Widerstandes gegen die Heteronormativität. So musste ich erkennen: meine erste Waffe gegen sie ist die Sichtbarkeit. Mein Coming out zeigte mir wie einfach die Heteronormativität zu erschüttern war, mit jedem Mal mit dem ich die Worte „ich bin schwul“ aussprach sah ich die Erschütterung der heteronormativen Realität in den Gesichtern meiner Gesprächspartner*innen. Wer sowas noch nicht erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, wie das ist, die Realität in einem Raum kurzzeitig zu
krümmen und mit der Zeit verbreitete sich diese von ganz alleine. Nicht ohne Grund spricht man im Zuge des Coming outs von einer Selbstermächtigung. Dennoch, Heteronormativität heisst auch, dieser Akt ruft eine Reaktion hervor. Diese reicht von Überraschung, Schock und Verwirrung bis hin zum Versuch die Sichbarkeit, in meinem Fall: eines Schwulen, im Notfall mit Gewalt zu beseitigen. Und den heteronormativen Druck in allen seinen Facetten bekommt man von seinem kompletten Umfeld zu spüren. Munter drückt man sich dagegen und hat das erste mal zurück geschlagen. In meinem Fall war ich nun also endlich ein offen-schwul Lebender oder zumindestens auf dem Weg dahin. Mit der Zeit merkte ich die Wirkung dieser Sichtbarkeit, einerseits stand ich nun als Beispiel für Andere und hatte mehr Kontrolle über mein Leben gewonnen, andererseits war ich nun direkt angreiffbar als einzelne Person. Doch mein Widerstand hatte erst begonnen. Sichtbarkeit auch Anderer* hat nämlich den Vorteil, dass man sich zusammen tun kann. So lernte ich die ersten meiner Leute kennen und endeckte dabei, dass ich nicht der einzige war der diesen Kampf führte sondern das auch schon vor mir Menschen diesen Kampf geführt hatten und diese hatten mir sogar erfreulicherweise eine Art eigene Kultur hinterlassen, mit der ich mich nun erstmal vertraut machte. Schnell traff ich Menschen, die wie ich der Meinung waren, dass man sich nicht auf die gnädige Toleranz der Heterosexuellen* oder der Hoffnung auf einem allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritt verlassen sollte. Den Kampf gegen unsere/meine Unterdrückung konnte ich nur selber führen und ich komme nicht drum herum ihn Tag täglich zu führen, die Heteronormativität macht keinen Urlaub… [Fortsetzung folgt]