Archiv für November 2010

Selbstverteidigung ist wichtig!

fighting heteronormativity Teil III: Angst

Im Laufe meines schwulen Lebens war ich mit den unterschiedlichsten Formen von Homophobie und Heterosexismus konfrontiert. Doch es gibt einen gemeinsamen Kernpunkt: Heteronormativität und Angst sind eng miteinander verbunden. Die Vorfälle in denen LGBT Menschen ermordet oder massiv verletzt werden sollen in dir die Angst hervorrufen, Angst die dich daran hindern soll überall sichtbar, als abseitig der Heternormativität herumzulaufen. Diese Angst sorgt dafür, dass der Raum in dem du dich frei bewegen kannst enger wird. Diese Angst drückt dich ins Ghetto und in die Unsichtbarkeit. Doch diese Angst vor gewaltsamen Übergriffen ist nur die oberste Spitze des Eisbergs. Wo immer du sichtbar als z.B Schwuler auftritts musst du Angst vor Konsequenzen haben, du machst die angreiffbar. Deswegen hat man den Impuls sich nur dort offen zu zeigen wo man sich sicher fühlt. Und das ist im Zweifelsfall eben nur ein kleiner Bereich deines Lebens. Auf der Arbeit und der Strasse wirst du dir manchmal die Unsichtbarkeit wünschen. So konstruiert sich die Sicherheit der Heteronormativität. Wer nicht Sichtbar ist der existiert einfach nicht mehr.

So richtig bewusst ist mir das das erste mal geworden, als ich in Belgrad auf dem Queer Beograd Festival war (als hunderte von Faschos nach dem Festival und seinen Teilnehmer*innen suchten) . Dabei ist es genau diese Angst, die einen daran hindert auf einer Party (die nicht explizit schwul oder sonstwas ist) jemand anzusprechen. Nun ist Angst ja durchaus etwas, was einen davon abhalten soll riskante Sachen zu machen. Sie hat ihren Sinn, es ist nämlich wirklich so, dass es gefährlich sein kann jemand anzumachen von dem man nichtmal weiss ob er schwul oder homophob ist. Interessanterweise spielt aber Angst auch auf der anderen Seite (der homophoben/heterosexistischen) eine wichtige Rolle. Das ist dann die Angst vor den eigenen queeren Vorlieben. Deswegen hab ich einfach mal den Versuch gemacht meine Angst zu ignorieren. Und siehe da, es funktioniert. Durch ein sicheres Auftretten denken die anderen Leute nämlich du hättest noch jemand im Rücken, der/die dir im Zweifelsfall hilft, im Bestfall wissen sie dann auch garnicht mehr wer auf der Party den jetzt zu den Normalen gehört und wer zu den Perversen.

Anmerkung. In Zukunft gehts hier dreckiger zu

In Zukunft gehts hier dreckiger zu … (forsche gerade im heterosexuellen Sektor).

(K)ein Bärendienst für LGBTs

Auf schlamassel erscheinen regelmäßig interessante Beiträge, weswegen der Blog auch hier verlinkt ist. Besonders schön die Beiträge die den Antisemitismus der LINKEN auch oder vor allem in München beleuchtet. Ein netter antideutscher Blog, der aber nicht in antimuslimischen Rassismus verfällt, wie so viele Vertreter dieser Gattung.
Der Artikel „Bärendienst für LGBTs“ entsteht wohl also auch im Spannungsfeld der virtuellen und imaginären Pole der radikalen Linken: AntiD & AntiImp. Als Anlass nimmt „schlamassel“ eine Veranstaltung im Kafe Marat mit Georg Klauda, die ich wärmstens empfehlen kann:

Am 8.12. ab 21:00
im Kafe Marat
Vortrag von Georg Klauda
„Homophober Moslem, toleranter Westen?“

Nun zur Kritik am besagten Artikel:
Die Grundannahme Klauda wolle in seinem Vortrag ausdrücken, dass „es sich im Westen noch homophober lebt, als im Iran“ und er so den „Spieß drehen“ will, ist falsch.
Wie der Titel schon besagt, geht es um eine kritische Auseinandersetzung inwieweit westlicher Kolonialismus und Einflussnahme Homophobie erzeugt hat und um einen geschichtlichen Rückblick, der eine aus heutiger Sicht verkehrte Welt offenbart. Während im „Orient“ gleichgeschlechtliche Liebe möglich war, herrschte in Europa eine strikte Sexualmoral. Schlamassel interpretiert hier die Sehnsucht nach einer „fabelhaften vormodernen islamischen Welt“ hinein, die ich so bei Klauda nicht erkennen kann.

Es wird weiter behauptet: „Der Vortrag Klaudas trägt wenig dazu bei, das Wesen des antimuslimischen Rassismus zu entschlüsseln“, und auch hier muss ich dagegen halten. Der ach so homophobe Moslem ist schließlich ein wichtiger Stereotyp im deutschen antimuslimisch-rassistischen Diskurs. Das fügt sich wunderbar ein in eine rassistische Vorstellung von der islamische Welt im Allgemeinen als archaische und primitive Männergesellschaft.

Ansonsten kann ich den Ausführungen natürlich auch weitestgehend zustimmen, die Situation im Westen, Osten, Norden und Süden bleibt angespannt für Menschen die in der einen oder anderen Weise nicht in die repressiven Normen passen.

consentual sex.

A Declaration of the Independence of Cyberspace

Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather.

We have no elected government, nor are we likely to have one, so I address you with no greater authority than that with which liberty itself always speaks. I declare the global social space we are building to be naturally independent of the tyrannies you seek to impose on us. You have no moral right to rule us nor do you possess any methods of enforcement we have true reason to fear.

Governments derive their just powers from the consent of the governed. You have neither solicited nor received ours. We did not invite you. You do not know us, nor do you know our world. Cyberspace does not lie within your borders. Do not think that you can build it, as though it were a public construction project. You cannot. It is an act of nature and it grows itself through our collective actions.

[…]

You claim there are problems among us that you need to solve. You use this claim as an excuse to invade our precincts. Many of these problems don‘t exist. Where there are real conflicts, where there are wrongs, we will identify them and address them by our means. We are forming our own Social Contract . This governance will arise according to the conditions of our world, not yours. Our world is different.

Cyberspace consists of transactions, relationships, and thought itself, arrayed like a standing wave in the web of our communications. Ours is a world that is both everywhere and nowhere, but it is not where bodies live.

We are creating a world that all may enter without privilege or prejudice accorded by race, economic power, military force, or station of birth.

We are creating a world where anyone, anywhere may express his or her beliefs, no matter how singular, without fear of being coerced into silence or conformity.

Your legal concepts of property, expression, identity, movement, and context do not apply to us. They are based on matter, There is no matter here.

Our identities have no bodies, so, unlike you, we cannot obtain order by physical coercion. […]

You are terrified of your own children, since they are natives in a world where you will always be immigrants. Because you fear them, you entrust your bureaucracies with the parental responsibilities you are too cowardly to confront yourselves. In our world, all the sentiments and expressions of humanity, from the debasing to the angelic, are parts of a seamless whole, the global conversation of bits. We cannot separate the air that chokes from the air upon which wings beat.

In China, Germany, France, Russia, Singapore, Italy and the United States, you are trying to ward off the virus of liberty by erecting guard posts at the frontiers of Cyberspace. These may keep out the contagion for a small time, but they will not work in a world that will soon be blanketed in bit-bearing media.

Your increasingly obsolete information industries would perpetuate themselves by proposing laws, in America and elsewhere, that claim to
own speech itself throughout the world. These laws would declare ideas to be another industrial product, no more noble than pig iron. In our world, whatever the human mind may create can be reproduced and distributed infinitely at no cost. The global conveyance of thought no longer requires your factories to accomplish.

These increasingly hostile and colonial measures place us in the same position as those previous lovers of freedom and self-determination who had to reject the authorities of distant, uninformed powers. We must declare our virtual selves immune to your sovereignty, even as we continue to consent to your rule over our bodies. We will spread ourselves across the Planet so that no one can arrest our thoughts.

We will create a civilization of the Mind in Cyberspace. May it be more humane and fair than the world your governments have made before.

Davos, Switzerland
February 8, 1996

Wer sich jetzt denkt, was ist das für ein technoliberaler Schwachsinn, dem sei gesagt, dass ich kein Liberaler bin, aber diesen Text (unter Verwendung der von mir gemachten Auslassungen ;) durchaus sehr gut finde.

mal wieder Fussball und Homosexualität

Aus dem Abseits – Ein Film über Homosexualität im Amateurfußball from Dino B on Vimeo.

fighting heteronormativity Teil II: Freunde, Verbündete und Feinde

Bist du dir des Kampfes gegen die Heteronormativität erstmal bewusst, stellt sich die Frage nach Verbündeten. So schaue ich in mein Umfeld und frage mich: wer ist auf meiner Seite und wer nicht? Üblicherweise wird mir gegenüber niemand zugeben, dass er eigentlich was gegen Schwule hat. Es scheint eine Art gesellschaftlicher Zwang zu sein, sich mit den Menschen in seiner Umgebung irgendwie zu arrangieren. So gibt es also neben den identitär gefestigten Heterosexisten und Homophoben, einige die diese Einstellungen in sich tragen ohne sich dessen bewusst zu sein. Nur wo soll ich da die Linie ziehen? Irgendwie hat ja jede*r gewisse heterosexistische oder homophobe Einstellungen in sich aufgenommen.

Ich habe mich also für folgende Handhabung entschieden. Als Verbündete kann ich nur ansehen, wer ein wirkliches Verständis für diesen Kampf aufbringt. Und es zeigt sich immer wieder, dass die Wurzel des Problems in der binären Vorstellung der Geschlechter liegt. Jede*r der nicht ohne die Kategorien männlich/weiblich denken kann, wird für mich nicht mehr als bürgerliche Toleranz aufbringen. Toleranz heisst: ich bin anders, darf mich aber über gnädige Toleranz freuen, wenn ich mich soweit es mir möglich ist an die gängige Norm anpasse und nicht auffalle. In meinen Fall heisst das, ich soll männlich wirken (bloss nicht tuntig!) und am besten nicht zu oft erwähnen das ich schwul bin. Das steht nicht ohne Zufall im Gegensatz zur im ersten Teil erwähnten Sichtbarkeit. Einer meiner besten Waffen im Kampf gegen die Heteronormativität bin ich aber nicht bereit abzulegen. Sichtbarkeit heisst auch in einem Raum zu sitzen und die ganze Zeit die Heteronormativität in Frage zu stellen nur durch meine blosse Anwesenheit. Und so wird das Thema wie magisch immer wieder auf den Punkt Homosexualität und Geschlechterrollen zurück kommen. In den Köpfen der heterotypen muss der Fehler im System irgendwie bearbeitet werden.
Ein echter Verbündete*r hingegen lebt mit der Gewissheit, dass deine sexuelle Freiheit auch die seine*/ihre* ist. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein. Vieleicht will diese Person auch nicht in das starre Model eines Geschlechts gepresst werden, vielleicht hat die Person auch keine Lust auf die erscheckend enge Welt der heterosexistisch geformten Sexualität, in der alles abnormal ist was von der monogamen genitalen Heterosexualität abweicht. Dennoch der Horror der Heteronormativität wird auch heissen, dass du mit Menschen zu tun hast, die an einem Tag mit dir zusammen bei einem Bier sitzen und am nächsten Tag auf dem Konzert ihrer homophoben Lieblingsband sind. Bist du als äusserer Zwang nicht da, ist es ihnen nämlich einfach egal. Es betrifft sie ja nicht. Denken sie zumindestens.

Was sagt uns Disney?

Infoladen im Kafe Marat durchsucht.

Schon wieder wurde der Infoladen im Kafe Marat durchsucht.

„Wir werden uns von dieser kontinuierlichen Repression, die seit Monaten gegen uns gefahren wird, nicht einschüchtern lassen. Unsere solidarischen Grüße gehen an die betroffenen Infoläden in den anderen Städten.“