Archiv für Dezember 2010

Man rules.

Ballerbreite

Ist zwar auch nicht mehr ganz neu, aber einfach zu herrlich:


via Reflexion

Queerer than you!

Kritik an der „It gets better“ campaign.

Nach einer Serie von Selbstmorden schwuler Schüler* und Studenten* wurde in den Vereinigten Staaten die „It gets better“ Campaign initiiert.

In September 2010, syndicated columnist and author Dan Savage created a YouTube video with his partner Terry to inspire hope for young people facing harassment. In response to a number of students taking their own lives after being bullied in school, they wanted to create a personal way for supporters everywhere to tell LGBT youth that, yes, it does indeed get better.

Two months later, the It Gets Better Project ™ has turned into a worldwide movement, inspiring over 5000 user-created videos and over 15 million views. To date, the project has received submissions from celebrities, organizations, activists, politicians and media personalities, including President Barack Obama, Secretary of State Hillary Clinton, Rep. Nancy Pelosi, Adam Lambert, Anne Hathaway, Colin Farrell, Matthew Morrison of „Glee“, Joe Jonas, Joel Madden, Ke$ha, Sarah Silverman, Tim Gunn, Ellen DeGeneres, Suze Orman, the staffs of The Gap, Google and Facebook, the Broadway community, and many more. For us, every video changes a life. It doesn’t matter who makes it. Quelle: Homepage

Interessanterweise hab ich dazu jetzt ein kritisches Bild gefunden, welches ich hier mal veröffentlichen will.

Dazu gibt es einige Userkommentare auf tumblr.

this thing pisses me off. The It Gets Better campaign is pretty damn awesome, and I don’t see too many other people trying to make a fucking difference. “Made with white privilege”, yeah, cause I’m sure all gay minorities lives are terrible FOREVER! This is such stupid bullshit…

The point is, asshole, that it doesn’t get better for everyone, and saying that it does erases a lot of people’s experiences.It’s ignorant at best.

It doesn’t matter that peoples lives get better in the FUTURE. The point is that it needs to get better NOW, not in the magical, unspecified FUTURE. The fact is that though I love Dan, and this was made with a good idea, it’s not what we need, and honestly, it’s a too little, too late.(Quelle)

An anderer Stelle kommt auch Kritik an der Marginalisierung von Trans* Menschen auf:

I wonder if we could throw some of his transphobic comments in there?(Quelle)

Die Kritik an den Videos(der Kampagne) ist also, dass diese mal wieder zu sehr aus schwuler weisser* Sicht, eine subjektive Verbesserung der allgemeinen Situation von Queers voraussagt/heraufbeschwört, von der sie als bessergestellte Minderheit bis jetzt am meisten profitiert haben.

Schwulsein auf Italienisch

Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt

Nachdem hier schon vor dem Vortrag kontrovers diskutiert wurde, jetzt ein kleiner Rückblick auf die Veranstaltung von gestern:
Das Interesse an dem Vortrag ist erstaunlich hoch, dafür das es sich um ein relativ exotische Thema handelt. Schließlich sind sowohl Betrachtungen zu Geschlechterrollen als auch Orientalismus kein allzu populäres Thema in der Linken.
Georg Klauda sagt gleich zu Beginn, dass es in seinem Vortrag nicht um das Verhältnis von Islam und Homosexualität geht. Sein Thema ist vor allem der Orientalismus bzw. Okzidentalismus der bei der Betrachtung „islamischer“ bzw. „westlicher“ Gesellschaften wirkt und wie es schließlich zu einer Übernahme der Konzeption Hetero/Homo in islamischen Ländern kam.
Dazu möchte ich zunächst erst einmal den Begriff Orientalismus erläutern (wer den Begriff schon kennt, oder einfach nur mehr über den Vortrag von Georg Klauda erfahren möchte, kann diesen Teil auch überspringen):

Orientalismus
Orientalismus bezeichnete ursprünglich die im 19. Jahrhundert entstandene wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Studium der Menschen des Nahen Orients, ihrer Religion und ihrer Sprache beschäftigt. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich der Begriff vor allem als Kategorie der Malerei durch und wurde alsbald in ganz Europa benutzt, um Kunstwerke über die islamische Welt zu bezeichnen1.
Im Bereich der Literaturwissenschaft gibt Said dem Begriff eine neue Bedeutung, durch die Veröffentlichung seiner polemisch wirkenden Studie „Orientalism“ (dt. Orientalismus) im Jahr 1978, die bis zum heutigen Tage an Aktualität nichts verloren hat. Im Folgenden werde ich auf die Geschichte der Orientalismusforschung eingehen, und erläutern wie es zu dieser bahnbrechenden Studie gekommen ist, die mehr als 30 Jahre nach ihrem erscheinen immer noch Bezugstext für aktuelle Studien ist.

Geschichte der Orientalismusforschung
Ein breites wissenschaftliches Interesse am Phänomen des Orientalismus gab es in Europa bis zu den 80ziger Jahren des 20. Jahrhunderts kaum. Außer in einigen randständigen Positionen wurde die „Geschichte und Systematik europäischer Be- und Verarbeitung des Orients“ nicht „vor dem größeren kulturgeschichtlichen Hintergrund europäischer Orientrezeption und Einflussnahme“ untersucht. Mit den 80ziger Jahren des 20. Jahrhunderts ändert sich das entscheidend. Der erste Faktor dafür ist das „post-colonial-movement, jene intellektuelle und künstlerische Bewegung in den Ländern Asiens und Afrikas, die sich an die lange Phase militärischer und politischer Dekolonisierung seit dem den des 2. Weltkriegs anschloss“. So sind es vor allem in Europa und USA geborene oder ausgebildete Wissenschaftler aus den ehemaligen Kolonien, wie z.B. Edward Said und Homi K. Bhabha, die eine „breite Auseinandersetzung der westlichen Staaten mit ihrer kolonialen Vergangenheit und hegemonialen Gegenwart“ angestoßen haben. Der zweite Faktor ist das gesteigerte Interesse am „Orient“ in vielen Ländern durch die ebenfalls zu dieser Zeit einsetzende „Auseinandersetzung um Multikulturalismus und andere Konzepte des Zusammenlebens verschiedener Ethnien und Kulturen“, sowie durch die verstärkten politischen Veränderungen im Nahen und Mittleren Osten, z.B. die iranische Revolution 1979 und dem Beginn der ersten Intifada 1981. Im Zuge dessen ist erstmals vom sogenannten „islamischen Fundamentalismus“ die Rede und das geht wiederum mit einem öffentlichen Ruf nach mehr „Orient-Experten“ einher. „Alle diese Faktoren hatten – in den verschiedenen westlichen Staaten in je unterschiedlichem Maße – zur Folge, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Nahen und Mittleren Osten selbst sowie die west-östlichen Kontakte in Geschichte und Gegenwart eine politische Dimension erhielten, die man bis dahin in Arbeiten zum Thema vergeblich suchte. Ein Nachdenken über Zusammenhänge westlicher Orient-Rezeption mit Kolonialismus und Imperialismus setzte ein;“2

Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Paradigmenwechsel, der in den 70ziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine sprachphilosophische und epistemologische Wende für die Geistes- und Sozialwissenschaften bedeutet und unter dem Begriff „ […] ‚linguistic turn’ in allen einschlägigen Handbüchern lemmatisiert ist“. Unter diesem Begriff werden jene Theorien erfasst, „die sich gegen die Vorstellung von Sprache als Repräsentations- und Darstellungsinstrument von Wirklichkeit richteten und statt dessen die wirklichkeitskonstitutiven und pragmatischen Potentiale sprachlicher Äußerungen in den Blick nahmen“. Diese Neustrukturierung findet im besonders starken Maße auch bei den gender studies (Geschlechter- und Frauenforschung) und der Orientalismus Forschung statt, da hier der „linguistic turn“ auf die politische und imperialismus-kritische post-colonial-movement trifft. Die Frage nach Darstellung, Repräsentation und Ordnung der Dinge treten in den Vordergrund, sowie die Frage nach den Auswirkungen dieser Darstellungs-, Repräsentations- und Ordnungsverfahren auf die soziale Wirklichkeit. Ein überwiegender Teil der Studien stammt aus dem Bereich der Literaturwissenschaft, da diese Wissenschaft sich per se schon mit sprachlicher Konstruktion beschäftigt hat, so veröffentlicht der Literaturwissenschaftler Edward Said 1978 seine Studie „Orientalism“, „deren Erscheinen […] sich rückblickend als terminus a quo einer bis heute anhaltenden Tradition wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit europäischen Orient-Konzepten erweist“ und außerdem eine „Globalisierung und Quasi-Institutionalisierung der Diskussion um die Orientalistik“ verursachte. Said, „dessen Familie aus Palästina stammt, war selbst Protagonist der postkolonialen Bewegung. Und er verband in Orientalism auf eine für die Wissenschaftslandschaft der späten siebziger Jahre signifikante Weise Antiimperialismus und marxistisch-leninistisch Ideologiekritik mit Fragmenten der Theorien Michel Foucaults und Antonio Gramscis zu einer Neulektüre orientalistischer Literatur von der Antike bis in die Gegenwart. Durch Saids Prisma betrachtet, verloren nicht nur politische Reden, sondern auch literarische und wissenschaftliche Bearbeitungen des Orients ihre ästhetische oder epistemologische Unschuld und erschienen als Stützen oder sogar als Protagonisten des westlichen Kolonialismus und Imperialismus. Der Erfolg der Studie war bahnbrechend, ihre wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung ist kaum zu überschätzen, und bis heute gilt Orientalism nicht allein als Initial-, sondern nach wie vor als wichtigster Bezugstext der neueren Orientalismusforschung“3.

Orientalismus nach Edward W. Said
Orientalismus bezeichnet bei Said eine im späten 18. Jahrhundert beginnende Umgangsweise mit dem sogenannten Orient als Gegenkonzept zu Europa oder wie es Said bezeichnet: Der nur unscharf bezeichnete Orient als „contrasting image, idea, personality, expierience“4. Orientalismus entsteht durch die wechselseitige Beziehung des Studium der Orientalistik, einer epistemologischen und ontologischen Unterscheidung von „Orient“ und „Okzident“ und der im 18. Jahrhundert beginnenden westlichen Dominierung des „Orients“, was in seiner Gesamtheit dazu führt das der „Orient“ nicht mehr unvoreingenommen wahrgenommen werden kann5.

„Dieses Netz von Interessen aufzudecken sowie die identitätsstärkende Funktion des Orientalismus für die europäische Kultur durch die Abgrenzung zum ‚Orient‘ nachzuweisen, ist das erklärte Ziel seiner Studie“. Seine Studie führt zur Gründung der postcolonial studies die einen Wandel der Perspektive vom Kolonialisator hin zur Perspektive des Kolonialisierten vollzieht, um „neue Einsichten zu gewinnen“6.
Nach Hauser wird Orientalismus „meist im Sinne von westl.-kolonialen Diskursen verwandt, von falschen, diskriminierenden Vorstellungswelten in Verbindung mit polit. Ungleichheit und Abhängigkeitsverhältnissen“7.
Orientalismus bezeichnet also die intellektuelle Autorität über das Orientbild in der westlichen Kultur: Eine im Diskurs über den „Orient“ vorherrschende abwertende Meinung über den „Orient“8.

„Said versucht modellhaft den westl., kolonialen Diskurs über andere Kulturen zu beschreiben, wie er sich in akad., lit. und administrativen Texten und Praktiken darstellt. Diskurs kann dabei in Anlehnung an Foucault als ein Netzwerk von Texten, Dokumenten, Praktiken und Disziplinen beschrieben werden, in dem spezifische Objekte und Formen des Wissens produziert werden und der Rahmen möglicher Äußerungen bestimmt wird. Said konzentriert seine Unt. des O. auf die islamisch-arab. Welt im frz. und britischen Diskurs seit dem 18.Jhd. und im jüngeren US-amerikanischen Diskurs“9.
vermeintlicher Sonderfall deutschsprachiger Orientalismus
Ein deutschsprachiger Orientalismus wird bei Said explizit ausgeschlossen, was mit der philologischen Ausrichtung der Orientalistik im Deutschland des 19. und teilweise 20. Jahrhunderts und dem Fehlen deutscher Kolonien im „Orient“ begründet wird.
Das ist aber eine Falscheinschätzung da „nicht nur Frankreich und Grossbritannien, sondern auch Deutschland Kolonien mit bedeutenden muslimischen Bevölkerungsanteilen in Afrika erworben hatten, nämlich Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika. Österreich-Ungarn, aber auch Deutschland hatten zudem beträchtliche Einflusszonen im osmanischen Reich und anderen islamischen Ländern wie Marokko, Ägypten oder Iran kultiviert […]. Und diese kolonialen, bzw. imperialen Interessen fanden durchaus ihren Widerhall in den Schriften der Wissenschaftler“. Außerdem entwickelte sich die wissenschaftliche Disziplin der Orientalistik in den Ländern Deutschland und Österreich ähnlich wie in Frankreich und Großbritannien. So gab es bis zum ersten Weltkrieg kaum Texte zum zeitgenössischen Islam. Das ist also ein Punkt an Saids Kritik die nicht stimmig ist. Außerdem ist in nicht-akademischen deutschsprachigen Texten des 19. Jahrhunderts ein große öffentliche Wirksamkeit von orientalistischen Konzepten zu bemerken. Einige Beispiele dafür sind „Hegels Anmerkungen über den ‚Mohammadanismus‘ in seinen ‚Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie‘, […] Schlegels ‚über die Sprache und Weisheit der Indier‘, Goethes ‚West-östlicher Diwan‘ und Rückerts poetischer Übersetzung des Koran bis hin zu Mozarts Oper ‚Entführung aus dem Serail‘“. Weitere öffentlichkeitswirksame orientalistische Klischees begegnen uns in den Werken von Karl May die im Orient oder in Afrika spielen oder etwa in der orientalistischen Mode des 19. Jahrhunderts. Aber auch der akademische Zweig brachte einige Wissenschaftler hervor die nicht nur auf philologische Weise den „Orient“ untersuchten, sondern „eine gegenwartsbezogene Forschung zum Islam in den deutschen und österreichisch-ungarischen Kolonien und Einflusszonen forderten und betrieben und daraus die Forderung ableiteten, eine neue, sozialwissenschaftlich orientierte Islamwissenschaft zu entwickeln“. Was schließlich 1908 zur Gründung des Lehrstuhl für die „Geschichte und Kulturen des Orients“ am „Deutschen Kolonial-Institut“ in Hamburg führt. Carl Heinrich Becker der den neueingerichteten Lehrstuhl inne hatte, verfasste schließlich 1909 im Auftrag der deutschen Regierung den Text „Ist der Islam eine Gefahr für unsere Kolonien“. In seinem Text „Staat und Mission in der Islamfrage“ der 1910 erschien, „wo er zudem erste Ideen bezüglich einer spezifisch deutschen „Islampolitik“ in den Kolonien entwickelte, die wiederum direkt von französischen Überlegungen in dieser Richtung beeinflusst waren. […] [Und] unter anderem schlug Becker vor, nach britischem Vorbild die Autorität der einheimischen Herrscher zu stärken“. Ein eindeutiger Beweis für die kolonialen Interessen und dessen Beziehungen zur akademischen Disziplin der Orientalistik in Deutschland und eine Parallelität zum nach Said mustergültigen französischen und britischen Orientalismus10.

Nach Friedmann Büttner können der deutschen Orientalistik zwar nicht die selben engen Verbindungen zum Kolonialismus nachgesagt werden, wie dem französischen oder englischen, aber das herrschende politische Klima hat das Fach auch bestimmt.
Die philologisch-historische Ausrichtung der deutschen Orientalistik sieht er als nicht hinreichend durch seine Entstehungsgeschichte erklärt. (S.112)
Baber Johansen weist ins einem Artikel nach „dass die Orientalistik im Falle Deutschlands den orientalistischen Diskurs nicht prägend beeinflussen konnte“, er stellt aber dar „dass das Fach durchaus von Zeit zu Zeit den Zielen des [orientalistischen] Diskurses dienlich war. (S.115)
Bis zum Ende des 19. Jahrhundert war es seiner Ansicht nach, sei vor allem die deutsche Geschichtswissenschaft die „führende ideologische Autorität des orientalistischen Diskurses“ gewesen. Erst dann wurde die philologisch geprägte Orientalistik Teil des Diskurses. (S.115)
Die Gründung des Lehrstuhl für die „Geschichte und Kulturen des Orients“ am „Deutschen Kolonial-Institut“ in Hamburg durch C.H. Becker sieht Johansen „dann durchaus im Zusammenhang mit der kolonialen Expansion Europas“. (S.115) Auch Fritz Steppat nennt in seinem Artikel „Der Beitrag der deutschen Orientalistik zum Verständnis des Islam“ C.H. Becker als Beispiel dafür „das zeige dass seine Wissenschaft Werkzeug deutscher Kolonialpolitik gewesen sei“.(S.116)
Abschließend lässt sich sagen, dass Johansen ein Beitrag der deutschen Wissenschaft zum herrschenden orientalistischen Diskurs sieht, aber der deutschen Orientalistik einen nur „niedrigen Stellenwert einräumt“. (S.115)11

Weiterentwicklung und Kritik des Said‘chen Orientalismus
Saids Studie „Orientalism“ ist viel diskutiert und beachtet worden, nichts desto trotz gibt es natürlich auch zahlreiche Kritik an seinen Ausführungen, sowie Weiterentwicklungen seiner These.

Alle folgenden Texte der Orientalismusforschung nehmen aber Bezug auf Saids Studie, außerdem fußen nach Andrea Polaschegg alle Folgestudien auf zwei Grundannahmen, die nur unterschiedlich akzentuiert werden:

1. Der Orient als westliche Erfindung oder Konstruktion – „The Orient was almost a European invention“12
2. Das imaginäre Orientbild steht in kausaler Beziehung zu den herrschenden politischen, militärischen und ökonomischen Machtverhältnissen13

Seit dem Jahr 1978 entwickelt sich die Orientalismus Forschung beständig fort. Dabei fällt auf, dass sich die Beschäftigung mit dem Orientalismus in zwei Bereiche teilt. Einerseits gibt es zahlreiche Werke die sich mit dem Orientalismus einzelner Autorinnen und Autoren des 19. Jahrhunderts beschäftigen, andererseits gibt es Werke die den Orientalismus nicht anhand einzelner Autorinnen und Autoren zu verstehen versuchen, sondern als „[…] ein gesamteuropäisches, bzw. gesamtwestliches und zudem als ein interdiskursives Phänomen, nämlich als eine bestimmte Weise des darstellenden Umgangs mit dem Orient, die sich aus dem Zusammenspiel gesellschaftlicher, wissenschaftlicher, politischer, ökonomischer und ästhetischer Kräfte im neuzeitlichen Europa herausgebildet hat […]“, sehen. Nach Said werden vor allem Frankreich und Großbritannien, „deren repräsentativer Charakter für alle europäischen Gesellschaften die implizite und unhinterfragte Vorraussetzung jenes Forschungszweiges ist“, für diese Entwicklung verantwortlich gemacht, da diese Nationen islamische Ländern als Kolonien besaßen und deshalb, so argumentiert Said, ein besonderes Interesse daran hatten, das Bild des „Orients“ zu erkennen, zu bestimmten und zu konstruieren um ihre Herrschaft zu behaupten und zu waren.

Nun zum gestrigen Vortrag:

Der Vortrag beginnt mit einigen üblen homophoben Zitaten von Robert Nixon die von den Tonbändern im Oval Office stammen, die nach und nach veröffentlicht wurden.
Dem entgegen stellt Klauda Aussagen von Mohammad Reza Pahlavi, die gegenteiliger nicht sein könnten. Diese Gegenüberstellung ist die Einleitung zum ersten Teil des Vortrags: Toleranter Westen, homophober Osten?
Nun nennt Klauda Gesellschaften die für die Verfolgung von Homosexuellen auf der Welt stehen: Uganda, Namibia und Karibik.
Alles keine „westlichen“ Länder, was die Frage ergibt ob die sog. „westliche“ Gesellschaft progressiver ist?

Historisch lässt sich feststellen das der Orient als Projektionsfläche für homoerotische Fantasien von westlichen Schriftstellern und schreibenden Reisenden dient, einfach weil es möglich war, im Gegensatz zum Europa wo zur selben Zeit Texte erscheinen die sich abwertend mit Homosexualität auseinandersetzen.

Auch in der osmanischen bzw. türkischen Literatur finden sich zahlreiche Beispiele für mannmännliche Erotikschilderungen.


Rifa‘a al-Tahtawi (* 1801 / † 1873)

Aber auch in die andere Richtung findet eine Beobachtung statt, so schreibt Rifa‘a al-Tahtawi (* 1801 / † 1873) einen Bericht über seinen Pariser Aufenthalt und die französischen Gepflogenheiten.
Europa erkennt seinen Einfluss auf die Oberschicht des Osmanischen Reichs, und die islamischen Gesellschaften beginnen mit einer Art „Vertuschung“ von Homosexualität, die schließlich zu offener Abneigung wird. Die neuen Eliten verarbeiten den Scham der alten Elite und verfassen Texte gegen Homosexualität. Homosexuelle werden nun als fremd und westlich wahrgenommen, obwohl es vorher keine Konzeption „Homosexueller“ gab und es als normal angesehen wurde, das homosexuelle männliche Beziehungen und Kontakte stattfanden. Damit ist die Heteronormalisierung vollzogen.

Die Transformation der erotischen Beziehungen unter Männern vom System der Freundschaft zu dem der Sexualität verändert die eigene Lebenswelt auf bedrohliche Weise. Sie markiert den panischen Beginn einer Sortierung von Menschen nach ihrer sexuellen Orientierung. Damit ist der Zwang verbunden, über sich und seine sexuellen Handlungen eine »Hermeneutik des Begehrens« (M. Foucault) auszuüben und notfalls zu bekennen: »ich bin anders«. Schuld und Abwehr, Abspaltung und Projektion sind die Begriffe, aus denen sich das terroristische Klima von Verdächtigungen und drakonischen Strafen erklären lässt.14

Klauda weißt auch auf eine Parallele zwischen „westlicher“ und „östlicher“ Homophobie hin, denn beide haben auch eine antisemitische Komponente, die Juden als „Zersetzer der sexuellen Moral“ diffamiert.

Klauda kritisiert das Homophobie im „Orient“ in westlichen Publikationen stets unter Voraussetzung eines homosexuellen Identitätsmodell beschrieben wird.

Obwohl reichlich Kritik an Homophobie egal in welcher Gesellschaft oder welchem Staat gefordert ist, darf man doch nicht in eine Dichotomie verfallen, in der der „westlichen“ Welt der Status einer Fortschrittsgesellschaft zugeschrieben wird, da man so die „gewaltsame Genealogie der westlichen Gesellschaft“ ausklammert, und nur „den Islam“ in Abgrenzung zur vermeintlich „eigenen westlichen“ Kultur kritisiert.

So erschien beispielsweise auf Queer.de ein Artikel über die Einbürgerungstests in den Niederlanden, der das Bild eines sich küssenden homosexuellen Paares zeigt, das mit der Bildunterschrift „Ein ungewohntes Bild für Einwanderer aus dem Osten und Afrika“ garniert ist. Klauda kritisiert das damit verdrängt wird, das dieses Bild auch in der deutschen Gesellschaft nicht schon lange „gewohnt“ ist. Er beschreibt die Reaktion ostdeutscher Jugendlicher die nach der sog. „Wiedervereinigung“ irritiert durch die vermeintlich schwule Interaktion männlicher türkischer Einwanderer in Kreuzberg, das Viertel meiden.

Im homosexuellen deutschen Diskurs über den homophoben Moslem findet eine Ausblendung der „eigenen“ Gesellschaft statt, der übersieht die deutsche Situation von Homosexuellen. Klauda führt als Beweis für eine verschärfte Heteronormativität in Deutschland eine Statistik an nach der gleichgeschlechtlichen Kontakten unter Befragten von 18% auf 2% gesunken sei. Es wird ebenfalls hervorgehoben, dass Rassismus in Deutschland auch unter Liberalen zunimmt, was ebenfalls ein Effekt des Diskurses über vermeintlich rückständige Moslems ist.
In der nun folgenden Diskussion die ich mir aber nicht in ganzer Fülle zu Gemühte gezogen habe, wird nochmal betont das Kritik an Homophobie sicher nicht verkehrt ist, aber diese Kritik darf nicht aus einer überheblichen kulturalistischen oder rassistischen Position erfolgen, weil sie sonst als Rassismus bezeichnet werden muss. Und es wird hervorgehoben das es zwar eine sich steigernde Heteronormalisierung in z.B. Deutschland gibt, die Möglichkeiten homosexueller Emanzipation aber natürlich trotzdem gestiegen sind.

  1. HÜDEPOHL, Yvonne-Gabrielle, Das Bild des Orients und sein Auftritt in den Künsten. Ein Beitrag zum Exotismus des 19. Jahrhunderts, Microfiche-Ausgabe. Berlin 1989. S.77 [zurück]
  2. POLASCHEGG, Andrea, Der andere Orientalismus, Berlin 2005. S.10 ff. [zurück]
  3. Ebd., S.11 – 17 [zurück]
  4. SAID, Edward, Orientalism, London 2003. S1f. [zurück]
  5. STEMMLER, Susanne, Topografien des Blicks, Bielefeld 2004. S25-26 [zurück]
  6. Ebd. [zurück]
  7. HAUSER, Stefan, Orientalismus (RWG) in: Der Neue Pauly. Brill Online. Bayerische Staatsbibliothek Muenchen. 20 Dezember 2008 [zurück]
  8. SCHLIEKER, Katrin, Frauenreisen in den Orient zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Berlin 2003. S.37ff. [zurück]
  9. HAUSER, Stefan, Orientalismus (RWG) in: Der Neue Pauly. Brill Online. Bayerische Staatsbibliothek Muenchen. 20 Dezember 2008 [zurück]
  10. LOIMEIER, Roman, Edward Said und der Deutschsprachige Orientalismus: eine kritische Würdigung IN: Wiener Zeitschrift für kritische Afrikastudien, Nr. 2, Wien 2001. [zurück]
  11. KURZ, Isolde: Vom Umgang mit dem anderen. Würzburg 2000, S.112 ff. [zurück]
  12. SAID, Edward, Orientalism, London 2003. S.1 [zurück]
  13. POLASCHEGG, Andrea, Der andere Orientalismus, Berlin 2005. [zurück]
  14. http://www.trend.infopartisan.net/trd0304/t160304.html [zurück]

Hey hetero!

Hey Hetero! is a public art project collaboration between artist Deborah Kelly and photographer Tina Fiveash. The project’s six pieces have appeared in 30 illuminated public advertising spaces in Sydney streets, a CBD billboard, magazines, newspapers, bus ads, Avant Cards, galleries, and online.

Hey Hetero! returns the gaze at heterosexuality: the priveleged sexuality which makes gay, lesbian, bisexual and transgender movements both possible and necessary. In the form of simulated mainstream ‚advertisements‘, the artwork invites heterosexuality into public discourse.
Note: No heterosexuals were harmed in the creation of this project.

Quelle:Hey hetero!

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Weltaidstag.