Archiv für Januar 2011

Neonazi verklagt LMU

In den Medien ist zu vernehmen das die LMU einem „erheblich vorbestraften Neonazi“ die Immatrikulation verweigert hatte, dabei dürfte es sich um Björn-Christopher Balbin handeln, der 2008 Kandidat für die Landtagswahl in Bayern der NPD war:

Björn-Christopher „Nacho“ Balbin, einst Mitglied beim neonazistischen „Freizeitverein Isar 96 e.V.“ und beim rechten 1860-“Fanclub“ „Blaue Legion“, nahm im Januar 2001 an der „Geburtstagsparty“ von Neonazianführer Martin Wiese und Danubia-Burschenschafter Rainer Mehr in der Gaststätte „Burg Trausnitz“ teil. Von der Party aus überfielen die anwesenden Neonazis einen Passanten und verletzten ihn lebensgefährlich. Junge Männer mit türkischer Staatsbürgerschaft kamen dem Opfer aus einem gegenüberliegenden Lokal zu Hilfe, sonst hätte Artemios T. den Angriff wohl nicht überlebt. Dafür wurden die Helfer ebenfalls von den Neonazis angegriffen und massiv verletzt, u. a. durch Balbins Tritte gegen einen Helfer mit Gehbehinderung.

Der gelernte Gärtner Balbin wurde im August 2001 wegen dem Angriff vor der „Burg Trausnitz“ zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 4 Monaten verurteilt. Nach dem Urteil ordnete das Gericht seine Unterbringung im psychiatrischen Bezirkskrankenhaus Haar an. Bis Dezember 2005 wurde Björn-Christopher Balbin unter der Haarer Adresse von der neonazistischen „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“ (HNG) betreut.

Schon seit einiger Zeit beteiligt sich Balbin wieder an neonazistischen Aktionen und ist in verschiedenen Grüppchen aktiv, u. a. im NPD-Kreisverband, bei der zum überregionalen neonazistischen Zusammenschluss „Sache des Volkes“ gehörenden Münchner „Solidarismus“-Gruppe oder bei der NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA). Für die BIA kandidierte Balbin im März 2008 auf Listenplatz 15 – erfolglos – zur Münchner Kommunalwahl.1

Die LMU hat vor dem Verwaltungsgericht allerdings erstmal verloren und Balbin darf an der LMU seine Immatrikulation für Jura vornehmen.

„Neben der befürchteten Störung des Studienbetriebs gibt es auch andere Gründe, weswegen die Uni eine Immatrikulation versagen könnte. Dies regelt eine Satzung vom 28. Juni 2006. Darin heißt es zum Beispiel: Die Immatrikulation kann versagt werden, wenn ein Bewerber an einer Krankheit leidet, „die die Gesundheit der anderen Studierenden ernstlich gefährden würde“. „2

  1. http://www.aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1590:20-juni-2009&catid=41:parteien-und-organisationen&Itemid=151 [zurück]
  2. http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen-zentrum/neonazi-verklagt-universitaet-tz-1087083.html [zurück]

Rechtsextreme Veranstaltung im Gasteig

Rechtsextreme Veranstaltung im GasteigDas im Gasteig eine Veranstaltung der Redaktion des extrem rechten Magazins Sezession, das vom „Institut für Staatspolitik“ herausgegeben wird, das laut Verfassungsschutz NRW (2002) „aus dem engsten JF-Umfeld gegründet wurde“, stattfinden konnte, hat sicher der*die eine oder andere mitbekommen, auf schlamassel gibt es dazu jetzt „ein parteiisches Protokoll des Abends“: Ausweitung der Arschgeigen-Zone

Holdings hands or guns?

i fight like a girl

Quelle:guerilla girls

Don‘t ask don‘t tell Abschaffungs-Comic

In den USA wurde ja die Abschaffung der „Don‘t ask don‘t tell“-Regelung im Millitär beschlossen. Was wohl soviel heisst, wie dass Schwule und Lesben (irgendwann mal) offen zu ihrer Sexualität stehen können und gleichzeitig im US-amerikanischen Millitär dienen können. Dazu mal ein paar Comics von Bors.

Das Dilemma der schwulen Emanzipation

Wenn man sich über die besten Strategien und Taktiken zur Überwindung der Homophobie/Heterosexismus Gedanken macht, wird man schnell auf ein ganz bestimmtes Dilemma stossen. Dieses Dilemma hat etwas mit zwei unterschiedlichen Wegen zur eigenen sexuellen Freiheit zu tun: Auf der einen Seite die klassische Emanzipationsbewegung, deren zentraler Gedanke das kollektive Handeln aufgrund einer gemeinsamen Identität ist, auf der anderen Seite die Idee, die der Queer Theory entlehnt ist, dass Emanzipation erst dann möglich wird wenn partikuläre Identitäten zerschlagen sind und einer Nicht-identität weichen. Nun gibt es an beiden Strategien/Konzepten verständliche Kritik…

Die Emanzipationsbewegung verhilft zwar einer unterdrückten Gruppe, wie z.B den Schwulen zu einer starken eigenen Identität und schafft so eine Gemeinschaft, die sich gegen ihre Unterdrückung solidarisch wehren kann, anstatt vereinzelter Individuen, die hoffnungslos untergehen. Aber Identität birgt auch immer die große Gefahr der Ausgrenzung. So ist in einer Schwulen Bewegung selbstredend nur Platz für Schwule, dabei überschneiden sich deren Interessen zum Beispiel teilweise mit denen von Lesben, Trans*menschen, MSMs, Bisexuellen und je nach Blickwinkel weiteren Bündnispartnerinnen. Diese haben jedoch keinen Platz in der Schwulen Bewegung und werden aus dieser sogar ausgegrenzt. Desweiteren merkt man schnell, dass die gemeinsame sexuelle Identität nicht unbedingt eine wirkliche Gemeinsamkeit darstellt. So gibt es unter Umständen Unterdrückungsformen zwischen denen, die die gleiche sexuelle Identität teilen. Diese können z.B sexistisch, rassistisch oder ökonomisch sein. Einfach ausgedrückt: Habe ich nicht mehr mit einer*m Lohnabhängigen gemeinsam, als mit einem schwulen Kapitalisten? Oder was hilft einem schwulen Migranten eine durch und durch weisse mittelständische Schwulenbewegung? Hier stösst die Forderung nach unbedingter Solidarität mit den Neigungsgenossen schnell an ihre Grenzen. Und es kommen noch weitere Probleme dazu: mit steigender Sichtbarkeit stetzt man sich auch vermehrten Angriffen aus. So ist es natürlich einfacher eine Bombe in einen schwulen Club zu schmeissen, wenn man was gegen Schwule hat, als wenn Schwule und andere Menschen gemeinsam feiern. Oder wenn jemand vorhat Schwule zusammen zuschlagen, ist es für ihn natürlich gut Schwule geben sich auf offener Strasse auch als solche zu erkennen. Ein weiterer negativ Effekt ist, dass mit der zunehmenden Sichtbarkeit von Schwulen in der Gesellschaft: Homosexualität viel greifbarer wird und damit konkreter, jetzt stellt sich die Frage: „Bin ich auch schwul?“ viel Früher. So gibt es Studien die aufzeigen, dass in den letzten Jahrzenten homosexuelle Kontakte unter Jugendlichen zurück gehen. Auf der anderen Seite ist mir natürlich klar, dass ich heute nicht so frei mein Sexualität leben könnte hätte/gäbe es keine Schwulen Bewegung (gegeben).

Soweit zur Schwulen Bewegung/Identität und deren Nachteile. Als Kind der 90er habe ich aber noch Zugriff auf ein anderes Kozept der sexuellen Befreiung: Die Ablehnung hermetischer geschlechtlicher Identitäten durch die Queer Theory. Auch diese ist in ihrer Begründung erstmal schlüssig: Wo die Heteronormativität mit ihrem Konzept von sich diametral entgegengesetzten Geschlechtern, die sich in ihrer sexuellen Anziehung aufeinander beziehen, zerschlagen ist, ist eine (sexuelle und geschlechtliche) Underdrückung nicht denkbar und die Vernichtung des Sexismuses gibt es gratis oben drauf. Soweit so schlüssig. Jetzt stellt sich aber die Frage, wie dekonstruiere ich die Geschlechter und bin gleichzeitig auf dem Weg zu einer nicht-heteronormativen Gesellschaft in der Lage konkrete und sicher noch länger bestehende Unterdrückungen, aufgrund eben dieses Geschlechts, weiterhin zu benennen. Mahne ich die Underdrückung von Schwulen an, kann man mir ja wohl kaum vorwerfen ich würde meine Unterdrückung durch den Rückgriff auf ein geschlechtliches Konzept erst begründen. Das gleich gilt selbstverständlich für Frauen. Den ohne Identität gibt es eben auch nichts was benannt und bekämpft werden kann. Die Identität habe ich ja auch nur weil, sie mir durch die Verhältnisse aufgedrückt wird. Dennoch ist es natürlich so, dass sollange ich an der Identität (z.B Schwul) festhalte, damit an der Konstruktion von Geschlecht mitarbeite. im bestfall konstruiere ich nur an einer alternativen Form von Männlichkeit, sie wird aber auf jedenfall eine marginale Form von Männlichkeit bleiben. Im schlechtesten Fall erhalte ich die Kategorien Mann/Frau und heterosexuell/homosexuell und ihre unterschiedliche Wertung in der Gesellschaft.
So bleibt mir also nichts übrig, als Schwul zu sein und gleichzeitig aus queerer Perspektive diese Identität abzulehnen, so führen mich beide Handlungsweisen trotzdem nicht zur ersehnten eigenen Befreiung. Das ist das Dilemma mit dem ich zu kämpfen habe.