Archiv für März 2011

Gerüchteküche Internet – Aufstieg und Fall eines Gerüchts

Auf der Website der Nazihoolband „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ tauchte ein Foto auf das H.P. Baxxter, Frontsänger der Band Scooter, im Kreise der Nazihoolband zeigte. Oireszene veröffentlichte daraufhin einen Artikel unter Einbindung eines weiteren Fotos, was angeblich H.P. Baxxter mit einem T-Shirt der NSBM Band Burzum zeigte. Mittlerweile ist klar, das zweite Foto ist eine klare Fälschung, das Original entstand bei der Unterzeichnung im Goldene Buch der Stadt Leer:

Zudem legt eine Stellungnahme bei Facebook klar, dass das erste Foto im Flugzeug entstanden ist, und H.P. Baxxter sich wohl nicht bewusst war, mit wem er sich da ablichten lässt. Hier die Stellungnahme die auf Facebook aufgetaucht ist:

Liebe Redaktion von Oire Szene,

soeben wurden wir auf euren heute online gestellten Blog (Anm. d. Red.: vermutlich ist Blog Post gemeint) aufmerksam gemacht. http://oireszene.blogsport.de/

Hiermit möchte ich betonen, dass weder die Band Scooter noch der Frontmann H.P. Baxxter jeglichen Kontakt oder auch Vorliebe zur Rechten Szene pflegt.

Die von euch genannte Band „Kategorie C“ haben Scooter per Zufall im Flugzeug getroffen und nur deswegen einem Foto zugestimmt, da sie keine Ahnung hatten, dass es sich hierbei um eine Nazihooliganband handelt.

Das Bild, welches H.P. Baxxter mit Ostfriesentee und einem Schriftzug auf dem Hemd zeigt, ist ganz klar eine Fotomontage.

Gerne sind Scooter zu einer Stellungnahme bezüglich dieses Vorwurfes bereit.

Ich freue mich von euch zu hören

Viele Grüße aus Hamburg
Anne*

Der Fall zeigt, dass Informationen im Internet und Medien allgemein immer kritisch hinterfragt werden müssen. Und Fotomontagen heute für fast jeden leicht zu machen sind, insbesondere wenn man nur einen kleinen Schriftzug auf eine Hemd setzen muss. Es ist gut möglich, dass es die Nazis von KC selbst sind, die dieses Gerücht lanciert haben.

Nachtrag: Die Behauptung die Nazi hätten das Gerücht evtl. lanciert nehme ich aus der Zitierung des KC Gästebuchs auf Oireszene mit der Behauptung HP hätte ein Autogramm verlangt.

Wieso sollte er ein Autogramm von jemandem verlangen, den er laut Erklärung seines Managements garnicht kennt?

So weit hergeholt, finde ich meine Vermutung daher nicht.

Schwule kann jeder gut leiden.

Schwule kann jede*r gut leiden. Vorallem als hilflose Opfer von brutaler Gewalt. Anders schaut es da natürlich aus, wenn man nicht sein Mitleid äussern kann, oder einen guten Aufhänger für das Aufhetzen gegen beispielsweise Migranten* hat, sondern man mit Homosexualität bildlich oder positiv konfrontiert wird. So war zumindestens bis jetzt meine Theorie. Homophob will heute so gut niemand mehr sein, aber damit zu tun haben will auch fast niemand was. So wird das küssende Paar in der Fussgängerzone z.B schon zum Problem.

Das Ganze wollte ich nun aber doch mal experimentell testen. Auf meiner letzten Reise aus Berlin besorgte ich mir ein Haufen dieser Aufkleber. Und klebte ein paar davon an die Wände einer Lokalität in der zahlreiche Schmierereien und Aufkleber die Wände zieren. So ein Laden in dem das Publikum hauptsächlich links und natürlich nicht homophob ist, so wie das Kafe Marat. Binnen einer Woche waren die Aufkleber restlos entfernt. Ein Schicksaal, dass irgendwelchen kruden Fussball, Antispe und K-Gruppen Aufkleber nicht teilten.

Arschlöcher für die Revolution!

Ein vermutlich aus Lateinamerika stammendes Photo eines Graffito:

Bedeutet übersetzt wohl soviel wie: „Ich bin nicht schwul, ich bin eine Schwuchtel und werde zusammen mit Lesben und Transexuellen Revolution machen“

Wobei Marikon auch Arschloch heisst. Das würde der Passiven Aktion sicher gefallen.

War Gandhi Rassist?

Wie auf Queer.de zu lesen ist, zeige die neue Biographie über Mahatma Gandhi „Great Soul: Mahatma Gandhi and His Struggle with India„von Pulitzer-Preisträger Joseph Lelyveld dass dieser rassistische Ansichten vertreten haben könnte:

Politisch habe Gandhi vor allem das Interesse gehabt, für sich selbst Werbung zu machen. Deshalb sei er politischen Moden hinterhergelaufen, sei aber „politisch inkompetent“ geblieben, so Lelyveld. Viel gefährlicher für das Andenken an Gandhi könnte die Behauptung werden, der friedensliebende Revolutionär sei ein Rassist gewesen. So habe Gandhi geschrieben: „Wir wurden in ein Gefängnis gesteckt, das für Kaffer reserviert war“. „Kaffer“ ist ein rassistischer Ausdruck für schwarze Afrikaner. „Wir konnten nicht verstehen, warum wir nicht als Weiß eingestuft wurden. Auf dem selben Stand zu stehen wire die Eingeborenen war zu viel für uns. Kaffer sind immer unzivilisiert“, so Gandhi laut Lelyveld in einem Brief an Kallenbach.

comics and illustrationen von Kim Funk

Vor einiger Zeit hatte ich schon mal einen kritischen Comic zur „It gets better“-Kampagne gepostet. Jetzt hab ich auch die Künstlerin* Kim Funk dazu gefunden. Hier zwei Comics von ihr*:

Säkularisierung jetzt!

Kreuz bleibt!

Antifa heisst Kriegsgrabschändung

Wie die Bullen berichteten: Antifa heisst Kriegsgrabschändung:


Quelle:http://www.merkur-online.de/lokales/muenchen-west/grabschaender-mangelnder-ortskenntnis-1166049.html

„Scheiss Emanzen!“ – Zur Kontroverse um den Christina Street Day

In München herrscht wie in vielen anderen Städten ein eklatantes Missverhältnis zwischen lesbischer und schwuler Szene. Während es beispielsweise in München etliche Bars, Kneipen, Clubs, Vereine für Schwule gibt, können Lesben nur auf weit weniger Angebot dieser Art zurückgreifen. Das spiegelt nicht nur ökonomische Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern wieder, sondern auch wer sichtbarer in dieser Gesellschaft ist. So haben auch die Schwulen (weissen/mittelstands) Männer* in der sogenannten Community den größten politischen und kulturellen Einfluss.
Weil man um dieses Missverhältnis auch in der münchner rosa Einheitspartei (Rosa Liste) weiss, entschied man sich dafür den Christopher Street Day dieses Jahr in Christina Street Day umzunennen.

Wir haben letztes Jahr im Münchener Stadtrat beschlossen, einen Schwerpunkt auf Lesben zu richten, um deren Sichtbarkeit zu erhöhen. Dann hatten wir die Idee, dass wir zum CSD etwas provokativer auftreten müssen, um das der Öffentlichkeit klar zu machen. So kam der Name Christina Street Day mit dem Motto „Gemeinsam für uns alle“ zustande.

Thomas Niederbühl im queer.de Interview

Die Reaktion aus der schwulen Szene lies dann auch nicht lange auf sich warten. Ein Sturm der Entrüstung fegte durch die Community. Für viele schwule Männer* mal wieder eine gute Gelegenheit ihrem Antifeminismus und ihrer Frauenfeindlichkeit freien Lauf zu lassen. Gerade die Alten haben immer noch nicht verwirkt, dass die feministische Bewegung der CSD-Anfangszeit sich nicht bedingungslos mit den schwulen Männern* solidarisieren wollte. Die Reaktionen von heute illustrieren, warum das damals wie heute garnicht so blöd ist.
Schnell war auch eine Unterschriftenaktion gestartet und eine Facebookgruppe gegründet. Aktionismus den man sich von der trägen Wohlfühlszene an manch anderer Stelle wahrlich wünschen würde.

Ein weiteres und dabei nicht weniger klassisches Argument vieler Schwuler ist, dass das Bild von Schwulen als effeminierte Männer* in der Öffentlichkeit dadurch noch weiter verstärkt werden würde. Ärgerte sich manch einer doch über die blöden Drag-queens, die Jahr für Jahr in der Berichterstattung über den CSD dafür sorgen, dass der schwule Mann* nicht als der konservative langweilige Spießer rüberkommt der er eigentlich ist.

Womit wir zum albernsten Argument gegen die Umbenennung kommen. Das Argument damit würde Geschichtsklitterung betrieben. Ein beliebtes Argument, das immer dann zum Einsatz kommt wenn Lesben es wagen die männliche* Hegemonie in der Community anzugreiffen. Sei es bei der Kontroverse um das sogenannte Homomahnmal oder eben jetzt bei der Umbenennung des Christopher Street Days. So pochen die Umnennungsgegner* darauf, dass der Stonewall Aufstand nun mal eben in der Christopher Street seinen Ursprung gefunden hat und nicht in der Christina Street. Nicht soviel geschichtliche Detailschärfe herrscht dabei, dass es auch nicht gutbürgerliche Schwule waren die sich tagelange Straßenschlachten mit den Bullen lieferten, sondern von der Gesellschaft mehrfach ausgeschlossene migrantische* Tunten und Draq-queens. Diese hätten, wie manch einer zugeben muss sich über die Effeminierung der Christopher Street gefreut.

Immerhin hat die Umnennung eines ihrer Ziele schon erreicht: „Irritation, Aufmerksamkeit und Diskussion schaffen“. Sollen die schwulen Männer* doch von einer Instrumentalisierung des CSDs von einer lesbischen Minderheit schwadronieren. Vieleicht wird ihnen ja auch irgendwann mal klar, dass die Wurzel der sexuellen Unterdrückung, in der sich aus der Heteronormativität speisenden Vorstellung von Geschlechtern liegt. Der CSD ist eben keine schwulen Parade sondern die Parade aller die aus der Heteronormativität herausfallen, weil sie nicht in die beklemmende Enge der an sie gesetzten Erwartungen passen.

Stonewall was a riot! Der Kampf um Befreiung ist nicht teilbar!

Nachtrag: Mittlerweile scheinen die Organisatoren in der Diskussion eingeknickt zu sein:
Nach Kontroverse um „Christina Street Day“: Münchner CSD bleib „Christopher Street Day“ ( CSD München | Rosa Liste München )

Jagdrausch

„Dieser Geifer und dieser Jagdrausch der politischen Gegner macht Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land.“ So etwas habe er seit 1945 so nicht mehr erlebt.“

Schimpf und Schande: Anti-Anti-Siko und die Reaktion des „internationalistischen Blocks“

Wie bereits berichtet wurde (schlamassel | luzi-m), kam es bei der diesjährigen Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz zu einer Auseinandersetzung zwischen Teilnehmer*innen des sogenannten „internationalistischen Blocks“ und einer kleineren Gruppe aus „15-20 Kommunisten(sic!) mit Flyern, Israel&Antifa Fahnen“. Dabei, so ist sogar auf der Seite der SDAJ München zu lesen, sei es als Reaktion auf die Gruppe israelsolidarischer Antifas zu mehr als peinlichen „antisemitische Slogans wie ‚Israel zurück ins Meer‘“ aus dem internationalistischen Block gekommen. Es lassen sich sicher bedenkliche Parallelen ziehen zu den kürzlich bekannt gewordenen Vorfällen bei den Blockaden gegen den Nazi-Aufmarsch in Dresden:

„In der Nähe einer Blockade wurde eine kleine Gruppe angegriffen und ihr eine Israelflagge abgenommen“ und so berichtet einer der Angegriffenen „[…] ich wurde von mehreren Leuten angegriffen und auf dem Boden liegend getreten“.

Solche Vorfälle sind nicht nur bedauerlich, sondern es ist schockierend wie sehr hier einige „Linke“ durch das bloße zeigen der israelischen Fahne nicht nur ihrem latenten Antisemitismus freien Lauf lassen, sondern auch vor massiver Gewalt nicht zurückschrecken. Ein bedenkliches Phänomen der „antiimperialistischen Linken“ das im Falle des Rappers Makss Damage (zeitweise Mitglied der SDAJ Gütersloh) zeigt, wo der Weg hinführen kann.
Allerdings gilt es für mich auch Kritik an der Gruppe die „Protest gegen SiKo-Proteste“ zeigen wollte, zu üben. Mir liegt das Flugblatt leider nicht vor, aber ich wunderte mich schon sehr dass weder auf linksunten noch in den weiteren Berichten von besagter Gruppe Kritik an der Einladung des iranischen Außenministers Ali Akbar Salehi artikuliert wurde. Bereits letztes Jahr nahm der iranische Außenminister, damals war das noch Manuchehr Mottaki, an der Sicherheitskonferenz teil. Besonders pikant ist die Einladung von Ali Akbar Salehi aber auch, weil für ihn eigentlich ein Einreiseverbot in die EU vorliegt:

Im Jahr 2007 hat die EU ein Abkommen verfasst, in welchem genau festgelegt wurde, wie die EU – Mitgliedsländer sich gegenüber dem Iran verhalten sollen und welche Richtlinien und Maßnahmen gegen den Iran vorgesehen sind. Im Artikel 4, Absatz a) kann nachgelesen werden, dass gewissen Personen aus dem Iran die Einreise in die EU verwehrt werden soll und veröffentlichte eine Liste der bestimmten Personen

http://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2010/august/tradoc_146395.pdf

Ali Akbar Saheli wurde am 17.11.2009 in die Liste aktualisiert und darf offiziell nicht in die EU – Länder einreisen.

http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2009:303:0064:0069:EN:PDF

Konsequentweise hätte man die Kritik an der Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz mit einer Kritik an der Sicherheitskonferenz und auch an den Rüstungs- und Überwachungstechnologielieferungen deutscher Firmen in den Iran, wie z.B. von Nokia Siemens Networks oder Rohde & Schwarz und vielen weiteren, erweitern müssen. Falls es auf dem Flugblatt um eine solche Kritik ging, ist diese wohl in der „Nachbereitung“ vollkommen untergegangen.

Immerhin bieten die Nachbereitung inklusiver der qualitativ hochwertigen Indy-Kommentare einen interessanten Einblick in die autonome Linke Szene und die sich teilweise recht start unterscheidende Gewichtung verschiedener Themen, wie Sexismus, Antisemitismus, Männlichkeit (Wer hat jetzt wen so richtig hart verdroschen?).

Wer „den Antideutschen“ mal richtig aufs Maul hauen will, ist wohl auf sprachlicher Ebene schon im falschen/richtigen Lager.