Schimpf und Schande: Anti-Anti-Siko und die Reaktion des „internationalistischen Blocks“

Wie bereits berichtet wurde (schlamassel | luzi-m), kam es bei der diesjährigen Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz zu einer Auseinandersetzung zwischen Teilnehmer*innen des sogenannten „internationalistischen Blocks“ und einer kleineren Gruppe aus „15-20 Kommunisten(sic!) mit Flyern, Israel&Antifa Fahnen“. Dabei, so ist sogar auf der Seite der SDAJ München zu lesen, sei es als Reaktion auf die Gruppe israelsolidarischer Antifas zu mehr als peinlichen „antisemitische Slogans wie ‚Israel zurück ins Meer‘“ aus dem internationalistischen Block gekommen. Es lassen sich sicher bedenkliche Parallelen ziehen zu den kürzlich bekannt gewordenen Vorfällen bei den Blockaden gegen den Nazi-Aufmarsch in Dresden:

„In der Nähe einer Blockade wurde eine kleine Gruppe angegriffen und ihr eine Israelflagge abgenommen“ und so berichtet einer der Angegriffenen „[…] ich wurde von mehreren Leuten angegriffen und auf dem Boden liegend getreten“.

Solche Vorfälle sind nicht nur bedauerlich, sondern es ist schockierend wie sehr hier einige „Linke“ durch das bloße zeigen der israelischen Fahne nicht nur ihrem latenten Antisemitismus freien Lauf lassen, sondern auch vor massiver Gewalt nicht zurückschrecken. Ein bedenkliches Phänomen der „antiimperialistischen Linken“ das im Falle des Rappers Makss Damage (zeitweise Mitglied der SDAJ Gütersloh) zeigt, wo der Weg hinführen kann.
Allerdings gilt es für mich auch Kritik an der Gruppe die „Protest gegen SiKo-Proteste“ zeigen wollte, zu üben. Mir liegt das Flugblatt leider nicht vor, aber ich wunderte mich schon sehr dass weder auf linksunten noch in den weiteren Berichten von besagter Gruppe Kritik an der Einladung des iranischen Außenministers Ali Akbar Salehi artikuliert wurde. Bereits letztes Jahr nahm der iranische Außenminister, damals war das noch Manuchehr Mottaki, an der Sicherheitskonferenz teil. Besonders pikant ist die Einladung von Ali Akbar Salehi aber auch, weil für ihn eigentlich ein Einreiseverbot in die EU vorliegt:

Im Jahr 2007 hat die EU ein Abkommen verfasst, in welchem genau festgelegt wurde, wie die EU – Mitgliedsländer sich gegenüber dem Iran verhalten sollen und welche Richtlinien und Maßnahmen gegen den Iran vorgesehen sind. Im Artikel 4, Absatz a) kann nachgelesen werden, dass gewissen Personen aus dem Iran die Einreise in die EU verwehrt werden soll und veröffentlichte eine Liste der bestimmten Personen

http://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2010/august/tradoc_146395.pdf

Ali Akbar Saheli wurde am 17.11.2009 in die Liste aktualisiert und darf offiziell nicht in die EU – Länder einreisen.

http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2009:303:0064:0069:EN:PDF

Konsequentweise hätte man die Kritik an der Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz mit einer Kritik an der Sicherheitskonferenz und auch an den Rüstungs- und Überwachungstechnologielieferungen deutscher Firmen in den Iran, wie z.B. von Nokia Siemens Networks oder Rohde & Schwarz und vielen weiteren, erweitern müssen. Falls es auf dem Flugblatt um eine solche Kritik ging, ist diese wohl in der „Nachbereitung“ vollkommen untergegangen.

Immerhin bieten die Nachbereitung inklusiver der qualitativ hochwertigen Indy-Kommentare einen interessanten Einblick in die autonome Linke Szene und die sich teilweise recht start unterscheidende Gewichtung verschiedener Themen, wie Sexismus, Antisemitismus, Männlichkeit (Wer hat jetzt wen so richtig hart verdroschen?).

Wer „den Antideutschen“ mal richtig aufs Maul hauen will, ist wohl auf sprachlicher Ebene schon im falschen/richtigen Lager.


9 Antworten auf “Schimpf und Schande: Anti-Anti-Siko und die Reaktion des „internationalistischen Blocks“”


  1. 1 egal 03. März 2011 um 20:09 Uhr

    „… verschiedener Themen, wie Sexismus, Antisemitismus, Männlichkeit (Wer hat jetzt wen so richtig hart verdroschen?).“

    Einige Kommentare auf linksunten sind in der Tat daneben was das angeht. Auch die:

    „Wenig später versuchten Personen, von denen mindestens eine am ersten Übergriff beteiligt waren, erneut die Fahne zu erlangen, konnten verloren nach einigen Gesichtstreffern allerdings die Lust und ließen von den Angegriffenen ab.“

    „on den vier Angreifer ( die aus Stuttgart stammen) wurden 2 regelrecht durch die Caféauslagen geprügelt, hierbei kamem Knüppelfahnen und eine Flasche zum Einsatz.

    Den Autor_innen des Beitrags wurde erzählt das die 4 Stuttgarter nicht sehr gesund aussahen als sie im Zug Richtung Heimat saßen, einen trost gibt es doch für die verprügelten: der schicke neue Bahnhof ist gewiss:)“

    Die AntiDs mit der Fahne hatten scheinbar (auch?) Spass an den Hauereien, und findes es wichtig Ihre Kritik mit dem Verweis auf die eigene Sportlichkeit zu belegen.

  2. 2 revolution 05. März 2011 um 16:11 Uhr

    was soll denn dieses wachsweiche herumlavieren?

    „Solche Vorfälle sind nicht nur bedauerlich, sondern es ist schockierend wie sehr hier einige „Linke“ durch das bloße zeigen der israelischen Fahne nicht nur ihrem latenten Antisemitismus freien Lauf lassen, sondern auch vor massiver Gewalt nicht zurückschrecken. Ein bedenkliches Phänomen der „antiimperialistischen Linken“ das im Falle des Rappers Makss Damage (zeitweise Mitglied der SDAJ Gütersloh) zeigt, wo der Weg hinführen kann.
    Allerdings gilt es für mich auch Kritik an der Gruppe die „Protest gegen SiKo-Proteste“ zeigen wollte, zu üben.“

    auf der siko laufen offensichtlich antisemiten im block mit, die selbst wenn sie sich als solche outen nicht entfernt werden, während man antideutschen auf’s maul gibt und anschließend bewertet man den block als großen erfolg. dass es dazu keine klareren stellungnahmen aus münchen gibt, wundert mich schon.

  3. 3 allophilia.blogsport.de 05. März 2011 um 17:58 Uhr

    Wie du ja selber auf deinem Blog schreibst: „Wäre zu hoffen, dass die angesprochenen Siko-Verweigerergruppen zu dem Vorfall öffentlich Stellung nehmen.“

    Ich wollte hier nicht rumlavieren sondern den Vorfall ebenfalls dokumentieren, der Autor dieses Blogs ist aber keine politische Gruppe, daher enthalte ich mich „öffentlicher Stellungnahmen“.

  4. 4 dei muada 05. März 2011 um 20:53 Uhr

    oh, das find ich gut, dass die angekündigte blogpause schon wieder vorbei ist!

  5. 5 revolution 06. März 2011 um 10:40 Uhr

    man muss keine gruppe sein, um ne klare position zu beziehen. anstatt hier deine kritik an einem nicht vorliegenden flugblatt zu artikulieren, wäre es doch wirklich ein einfaches, mal klarzustellen, dass es mit solchen leuten und strukturen, die antisemitische übergriffe offensichtlich tolerieren, keine zusammenarbeit mehr geben kann. dieser münchner burgfrieden muss doch irgendwann jetzt mal gebrochen werden.

  6. 6 Loellie 18. März 2011 um 17:15 Uhr

    Was sich heutzutage alles Froind Israels nennt …

    http://www.youtube.com/watch?v=DFQ4Ex00jSs

  7. 7 Loellie 18. März 2011 um 17:28 Uhr
  8. 8 allophilia.blogsport.de 18. März 2011 um 20:53 Uhr

    @Loellie Na und? Ist doch bekannt, ein deutsches Beispiel wären die nasofi. Obs Satire oder Kommunikationsquerilla ist, sei jetzt mal dahin gestellt, aber das sagt eigentlich mal garnichts aus. Oder was beziehst du aus der Erkenntnis das verschiedenste Gruppe sich auf Israel beziehen?

    Ich verweise an dieser Stelle gerne auf einen aktuellen Artikel auf schlamassel, der zwar ein anderes Thema hat, aber gut erklärt warum einige Rechte sich augenscheinlich hinter Israel stellen:

    Die rechten Kreise in München – vom verhinderten Bombenleger bis zum Stadtrat – haben ihren Auftrag nicht vergessen. Selbst die Wenigen, die vorgeben sich gegen Antisemitismus zu wenden, dichten Jüdinnen und Juden sowie dem jüdischen Staat eine problematische Frontstellung an. Und wenn es um das Ausleben von antimuslimischem Rassismus geht, stehen auch Letztere wieder unverbrüchlich mit Antisemitinnen und Antisemiten zusammen und halten diesen sogar ein Mikrophon hin.

  9. 9 Loellie 18. März 2011 um 22:47 Uhr

    Das ist keine Satire sondern konsequent. Die ADs sind in der BRD sowas wie das ideologische Stiefkind dessen was ich auf die USA bezogen arisch-evangelikalen Komplex nenne. Dort sind die schlimmsten Antisemiten die fanatischsten Unterstützer Israels. Wie sowas funktioniert verstehe ich trotz jahrelanger Beschäftigung mit rechtsextremen Think-Tanks zwar noch immer nicht.
    Aber ich wollte damit auch nur zum Ausdruck bringen, dass es unbedingt zu begrüssen ist, wenn Israelfahnenschwenker auf die Fresse kriegen.

    http://www.huffingtonpost.com/2011/01/13/sarah-palins-jewish-problem_n_808854.html

    Das kratzt zwar nur an der Oberfläche, vermittelt aber dennoch einen ersten Eindruck wo sie steht, die Wiege des jüdisch-christlichen Tralalas, der westlichen Werte und des AD-Tums.

    Insofern liegt die Satire bei dem Spinner der da oben auf dem Bild die Antifafahne schwenkt.

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