Archiv für Februar 2012

Der „Maßnahmenkatalog zur Abwehr von AIDS“

Am 25. Februar 1987 wurde der „Maßnahmenkatalog zur Abwehr von AIDS“ beschlossen. Zum „Jahrestag“ ein interessantes Interview: „Die schwule Infrastruktur zerschlagen“:

Wie war die Stimmung innerhalb der schwulen Szene angesichts dieser Aktionen?

Vael: Es herrschte eine große Verunsicherung und bei vielen auch nackte Angst. Geschürt wurde sie durch ständige Razzien in Kneipen, Parks, Saunen und an anderen schwulen Treffpunkten.

Wie wurden diese Razzien denn begründet?

Vael: Offiziell ging man dann Hinweisen auf Drogen nach oder kontrollierte, ob sich Minderjährige im Lokal aufhielten. Es war allerdings schon komisch, dass es bei diesen angeblichen Drogenrazzien nie Taschenkontrollen gab, sondern nur die Personalien aufgenommen wurden. Und selbst ich, der ich damals nun sichtlich schon über 18 Jahre alt war, musste meinen Ausweis zeigen, um zu belegen, dass ich nicht minderjährig bin. Es ging allein um Schikane. Ich erinnere mich an eine Razzia in einem Lokal, in dem zu dem Zeitpunkt auch HIV-infizierte Bekannte von mir saßen. Die bekamen einen fürchterlichen Schreck und dachten: „Die suchen nach uns und holen uns jetzt ab.“ Dieser Vorfall war bezeichnend für die Atmosphäre und Stimmung, die damals innerhalb der schwulen Szene herrschte.

Samstag 11.02.2012 Anti-ACTA Demo in München

Am morgigen Samstag findet auch in München wie in vielen anderen Städten eine Anti-ACTA Demonstration statt.

Seit gestern mobilisieren auch Münchner Nazis auf die Demo. Vielleicht noch ein weiterer Grund auf die Demo zu gehen.

Sei noch erwähnt dass sich auf der Anti-ACTA Demoseite leider wieder auch jene an die antisemitische Propaganda der Nazis erinnernde Krake findet.

Und zwar in dieser Form:

Alle Infos zur Demo:

Demo-Seite

Siko – Zeit alte Traditionen zu brechen…

Zur diesjährigen Demonstration gegen die Siko (Sicherheitskonferenz in München) formulierte die Gruppe Akut ein kritisches Flugblatt, welches auf der Demonstration verteilt wurde. Eine Kritik, die durchaus motiviert war von den Vorfällen der letzten Jahre. Immer wieder kam es zu teils krassen antisemitischen Ausfällen von denen ich ja auch letztes Jahr schon berichtet habe. Immer mehr Aktivist*innen wollten und konnten in so einer Demonstration nicht mehr mitlaufen. Da in München die Anti-Siko Demo aber seit je her eine der grossen Mobilisierungsveranstaltungen ist, wo viele junge Leute erstmals politisiert werden, hielt man an der Tradition einer gemeinsamen Großdemonstration fest. Jahre lang ingorierte man alle möglichen Spinner*innen/Religiöse Freaks/Weltverschörer*innen und Steinzeitkommunist*innen, weil man der Meinung war, dass die positiven Aspekte überwiegen. Doch das Verhältniss kippte langsam und so zogen sich vermehrt Aktivist*innen aus der Demonstration und ihrer Vorbereitung zurück. Auch die Kritik an der Veranstaltung nahm weiter zu. Dies zeigt sich auch an der aufgeheizten Stimmung in der Szeneinternen Diskussion. So ruderte Luzi-M nach Protesten zurück, als ein Artikel bei Luzi-M die Frage aufwarf, ob jedes millitärisches Vorgehen generell abgelehnt werden muss. Der starke Druck und die harschen Worte mit denen Luzi-M dabei angegriffen wurden verdeutlicht die angespannte Stimmung vor der Siko. Auf der Mobilisierungsveranstaltung, war man sich dann auch nicht zu blöd sogenannten Antideutschen Störrern schon mal Gewalt anzudrohen, noch dazu mit Verweis auf die gewaltsamen Ausfälle des vergangenen Jahres.
Daraufhin entschieden sich einige Aktivist*innen Kritik an der Demo zu äußern. Dabei fiel der Text der Gruppe Akut sogar vergleichsweise moderat aus. Die Reaktionen darauf waren hingegen wieder ziemlich harsch. Vermutlich weil sich dem Protest gegen die Sikodemonstration Antideutsche aus Ulm und von der Gruppe Monaco anschlossen. Dennoch verwundern die krassen Reaktionen. Durchaus mag an dem in Kürze geschriebenen Flugblatt etwas zu kritisieren sein. Dennoch dürften die meisten Aktivist*innen das was dort drin steht unterschreiben können. Wer sich hier in der Sikodemonstrationsorga generell als Antisemit*in beschimpft vor kommt hat offensichtlich das Flugblatt nicht verstanden. Viel mehr sollte das Flugblatt der Gruppe Akut dazu aufrufen, sich von alten Traditionen zu trennen. Die abnehmende Beteiligung autonomer und linksradikaler Aktivist*innen hatte durchaus seinen Grund darin, dass Viele keine Lust mehr haben, neben den Flaggen von authoritären Diktaturen zu laufen und irgendwelche antisemitischen Ausfälle ertragen zu müssen. Die restlichen vernünftigen Aktivist*innen in der Demonstrationsorganisation müssen einsehen, dass es Zeit wird diese Traditionsveranstaltung fallen zu lassen.