Archiv der Kategorie 'Heteronormativität'

Don‘t get raped instead of don‘t rape!

Die leidige Denkmal-frage!

In München soll ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Schwulen gebaut werden. So berichten Süddeutsche und Queer.de. Natürlich kann so ein Denkmal nicht gebaut werden ohne auf die Diskussionen um das Berliner Homo-Mahnmal Bezug zu nehmen. Zu den Kontroversen, wer denn nun wirklich verfolgt wurde, habe ich ja auch schon diesen Artikel zum Mahnmal und seiner sexistischen Ausgestaltung sowie auch einen anderen Artikel zu Lesben im Nationalsozialsmus geschrieben. Um erst garnicht wieder in dieses Diskussion zu kommen heisst es dann auch:

Niederbühl erklärte gemeinsam mit der grünen Fraktionschefin Lydia Dietrich, dass die Verfolgung von Schwulen im Zentrum des Münchener Mahmals stehen werden, Lesben würden jedoch nicht ausgeklammert werden.

Man hat das Problem also ganz einfach gelöst: Lesben werden einfach nicht erwähnt und müssen sich damit zufrieden geben, dass es in der Erklärung heisst, sie sollen nicht ausgeklammert werden. Wie sich das bei gleichzeitiger Nichterwähnung gestalten soll bleibt allerdings fraglich. Es zeigt sich also das alte Problem des schwulen Sexismus, wie er sich auch schon bei der Kontroverse um die einmalige Umnennung des Christopher Street Days in München gezeigt hat.

Internationaler Tag gegen Homophobie

Am 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie. Der Tag erinnert damit an ein historisches Ereignis, dass am 17. Mai 1990 stattgefunden hat: An diesem Tag wurde Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation (ICD 10) gestrichen. In Deutschland kommt noch hinzu, dass das Datum „17.5″ auf den Paragraphen 175 verweist, mit dem Schwule in Deutschland bis 1994 kriminalisiert wurden. Die Verurteilungen nach Paragraph 175 sind übrigens bis heute nicht revidiert. Erst kürzlich wurde ein Antrag, auch die Verurteilungen nach 1945 zu revidieren, abgelehnt .

Schwule kann jeder gut leiden.

Schwule kann jede*r gut leiden. Vorallem als hilflose Opfer von brutaler Gewalt. Anders schaut es da natürlich aus, wenn man nicht sein Mitleid äussern kann, oder einen guten Aufhänger für das Aufhetzen gegen beispielsweise Migranten* hat, sondern man mit Homosexualität bildlich oder positiv konfrontiert wird. So war zumindestens bis jetzt meine Theorie. Homophob will heute so gut niemand mehr sein, aber damit zu tun haben will auch fast niemand was. So wird das küssende Paar in der Fussgängerzone z.B schon zum Problem.

Das Ganze wollte ich nun aber doch mal experimentell testen. Auf meiner letzten Reise aus Berlin besorgte ich mir ein Haufen dieser Aufkleber. Und klebte ein paar davon an die Wände einer Lokalität in der zahlreiche Schmierereien und Aufkleber die Wände zieren. So ein Laden in dem das Publikum hauptsächlich links und natürlich nicht homophob ist, so wie das Kafe Marat. Binnen einer Woche waren die Aufkleber restlos entfernt. Ein Schicksaal, dass irgendwelchen kruden Fussball, Antispe und K-Gruppen Aufkleber nicht teilten.

Arschlöcher für die Revolution!

Ein vermutlich aus Lateinamerika stammendes Photo eines Graffito:

Bedeutet übersetzt wohl soviel wie: „Ich bin nicht schwul, ich bin eine Schwuchtel und werde zusammen mit Lesben und Transexuellen Revolution machen“

Wobei Marikon auch Arschloch heisst. Das würde der Passiven Aktion sicher gefallen.

comics and illustrationen von Kim Funk

Vor einiger Zeit hatte ich schon mal einen kritischen Comic zur „It gets better“-Kampagne gepostet. Jetzt hab ich auch die Künstlerin* Kim Funk dazu gefunden. Hier zwei Comics von ihr*:

„Scheiss Emanzen!“ – Zur Kontroverse um den Christina Street Day

In München herrscht wie in vielen anderen Städten ein eklatantes Missverhältnis zwischen lesbischer und schwuler Szene. Während es beispielsweise in München etliche Bars, Kneipen, Clubs, Vereine für Schwule gibt, können Lesben nur auf weit weniger Angebot dieser Art zurückgreifen. Das spiegelt nicht nur ökonomische Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern wieder, sondern auch wer sichtbarer in dieser Gesellschaft ist. So haben auch die Schwulen (weissen/mittelstands) Männer* in der sogenannten Community den größten politischen und kulturellen Einfluss.
Weil man um dieses Missverhältnis auch in der münchner rosa Einheitspartei (Rosa Liste) weiss, entschied man sich dafür den Christopher Street Day dieses Jahr in Christina Street Day umzunennen.

Wir haben letztes Jahr im Münchener Stadtrat beschlossen, einen Schwerpunkt auf Lesben zu richten, um deren Sichtbarkeit zu erhöhen. Dann hatten wir die Idee, dass wir zum CSD etwas provokativer auftreten müssen, um das der Öffentlichkeit klar zu machen. So kam der Name Christina Street Day mit dem Motto „Gemeinsam für uns alle“ zustande.

Thomas Niederbühl im queer.de Interview

Die Reaktion aus der schwulen Szene lies dann auch nicht lange auf sich warten. Ein Sturm der Entrüstung fegte durch die Community. Für viele schwule Männer* mal wieder eine gute Gelegenheit ihrem Antifeminismus und ihrer Frauenfeindlichkeit freien Lauf zu lassen. Gerade die Alten haben immer noch nicht verwirkt, dass die feministische Bewegung der CSD-Anfangszeit sich nicht bedingungslos mit den schwulen Männern* solidarisieren wollte. Die Reaktionen von heute illustrieren, warum das damals wie heute garnicht so blöd ist.
Schnell war auch eine Unterschriftenaktion gestartet und eine Facebookgruppe gegründet. Aktionismus den man sich von der trägen Wohlfühlszene an manch anderer Stelle wahrlich wünschen würde.

Ein weiteres und dabei nicht weniger klassisches Argument vieler Schwuler ist, dass das Bild von Schwulen als effeminierte Männer* in der Öffentlichkeit dadurch noch weiter verstärkt werden würde. Ärgerte sich manch einer doch über die blöden Drag-queens, die Jahr für Jahr in der Berichterstattung über den CSD dafür sorgen, dass der schwule Mann* nicht als der konservative langweilige Spießer rüberkommt der er eigentlich ist.

Womit wir zum albernsten Argument gegen die Umbenennung kommen. Das Argument damit würde Geschichtsklitterung betrieben. Ein beliebtes Argument, das immer dann zum Einsatz kommt wenn Lesben es wagen die männliche* Hegemonie in der Community anzugreiffen. Sei es bei der Kontroverse um das sogenannte Homomahnmal oder eben jetzt bei der Umbenennung des Christopher Street Days. So pochen die Umnennungsgegner* darauf, dass der Stonewall Aufstand nun mal eben in der Christopher Street seinen Ursprung gefunden hat und nicht in der Christina Street. Nicht soviel geschichtliche Detailschärfe herrscht dabei, dass es auch nicht gutbürgerliche Schwule waren die sich tagelange Straßenschlachten mit den Bullen lieferten, sondern von der Gesellschaft mehrfach ausgeschlossene migrantische* Tunten und Draq-queens. Diese hätten, wie manch einer zugeben muss sich über die Effeminierung der Christopher Street gefreut.

Immerhin hat die Umnennung eines ihrer Ziele schon erreicht: „Irritation, Aufmerksamkeit und Diskussion schaffen“. Sollen die schwulen Männer* doch von einer Instrumentalisierung des CSDs von einer lesbischen Minderheit schwadronieren. Vieleicht wird ihnen ja auch irgendwann mal klar, dass die Wurzel der sexuellen Unterdrückung, in der sich aus der Heteronormativität speisenden Vorstellung von Geschlechtern liegt. Der CSD ist eben keine schwulen Parade sondern die Parade aller die aus der Heteronormativität herausfallen, weil sie nicht in die beklemmende Enge der an sie gesetzten Erwartungen passen.

Stonewall was a riot! Der Kampf um Befreiung ist nicht teilbar!

Nachtrag: Mittlerweile scheinen die Organisatoren in der Diskussion eingeknickt zu sein:
Nach Kontroverse um „Christina Street Day“: Münchner CSD bleib „Christopher Street Day“ ( CSD München | Rosa Liste München )

Es endet mit einer Hommage.

Eine kleine Hommage an Münchenpervers, die ja leider schon lange ihren Blog verrotten lässt. So folge auch ich in die Blogpause. Ich erspare euch dafür auch Reflexionen über die Sinnlosigkeit des blogschreibens.
So wie die Sache momentan aussieht, ergibt sich ohnehin keine anständige Perspektive auf Befreiung pervers-queerer. Denn so bitter es ist, die bürgerliche kapitalistische Gesellschaft gewährt sexuellen Minderheiten zumindestens ein fahles soziales Ghetto, während ein Umsturz des Bestehenden, für eben diese meist nur Verfolgung und Tod gebracht hat. Es bleibt also zuerst einmal die Aufgabe sich zwischen Heteronormativität, die für uns nunmal die Hölle ist und schwulem Selbsthass irgendwie einzurichten. Für die bürgerliche Gesellschaft des neuen Jahrtausends sind wir ja ohnehin äusserst nutzliche IdiotInnen, mal um als Speerspitze gegen andere Minderheiten eingesetzt zu werden, mal um das eigene Distinktionsbedürfnis zu stillen. Die moderne hegemoniale Männlichkeit in den urbanen Zentren des Westens ist ohnehin anti-homophob aber deswegen noch lange nicht anti-heterosexistisch noch anti-schwulenfeindlich.

Sollte mir in Zukunft mal wieder was brauchbares im Kampf gegen die Heteronormativität einfallen, melde ich mich zurück. Frohes kämpfen weiterhin, uns bleibt ja ohnehin keine Alternative dazu.

A Gay Vietnam Veteran.

Holdings hands or guns?