Archiv der Kategorie 'Internationale Themen'

Moschee am Ground Zero

cordoba initiativeAm Ground Zero in NY soll angeblich eine Moschee gebaut werden und ich liefere euch dazu mal die unrepräsentativen Kommentare der ach-so antirassistischen deutschen Gesellschaft auf Tagesschau.de.

Ein User weiss zu berichten: „Integration ja, Moschee am Ground Zero, Nein!“, als würden zukünftig die deutschen Kommentatoren der Tagesschau entscheiden ob in NY eine Moschee gebaut wird. „Nirgends wo auf der Welt werden so viele Mega-Moscheen gebaut wie im Westen.“, weiss ein anderer User.
Aber auch mit konstruktiven Vorschlägen steht der Deutsche mit Rat und Tat zur Seite: „Na, dann bauen wir mal eine schöne, große, serbisch-orthodoxe Kirche auf die Massengräber von Srebrenica“. Der Vergleich von Ground Zero und Srebrenica ist natürlich auch sehr angebracht, danke an den User „kniefall“ (!!).

Aber das ist natürlich noch lang nicht alles, für „DaviS“ ein klarer Beweis, DIE verhöhnen uns: „Der Ort, der Name und der Zeitpunkt .. ich kann es einfach nicht glauben, .. dumm sind sie nicht, das steht aus der Frage .. die Wissen einfach, wie man von innen heraus erobert und zudem auch noch, den Gegner verhöhnt – und vor allem – ohne das dieser es merkt, bzw eher merken will, sie nutzen jedes Gesetz so schamlos aus und die Ohnmacht mit der wir ihnen entgegen treten ..“. Da hat er natürlich total Recht, wieso wird ein Projekt das sich dem Motto „Improving Muslim-West Relations“ verschrieben hat gerade da gebaut? Ist doch wirklich verrückt, und dann noch dazu genau am 11. September 2011. Das kann ja wohl kein Zufall sein!?!? Aber auch der Name wird natürlich beanstandet: „Erinnern wir uns: Cordoba 1011, das erste Pogrom gegen die jüdischen Einwohner auf europäischem Boden. Und wer hat’s gemacht???“ – Die Moslems natürlich!

In Wirklichkeit entsteht dort nicht nur eine Moschee sondern:

The site will contain tremendous amounts of resources that otherwise would not exist in Lower Manhattan; a 500-seat auditorium, swimming pool, art exhibition spaces, bookstores, restaurants – all these services would form a cultural nexus for a region of New York City that, as it continues to grow, requires the sort of hub that Cordoba House will provide.

Uii ein Schwimmbad, was der böse Moslem damit wohl wieder plant, soll ganz NY geflutet werden!?

Still lovin‘ Judith Butler

Das Interview mit Judith Butler in der Jungle World trifft für mich mal auf den Nerv vieler Fragen, die mich in letzter Zeit beschäftigt haben. Interessante Aspekte dieses Interviews sind vor allem Butler’s Position zu Hizbollah und Hamas, das Thema Islamophobie, die Differenz von Antizionismus und Antisemitismus und nicht zuletzt ihre Thesen zum Homonationalismus der sich gemein macht mit Rassismus als Legitimation für Sicherheitswahn und „westlichen Werten“.

Einige Auszüge aus dem Interview zu:

Butler’s Position zu Hizbollah und Hamas:

Während eines Teach-Ins zum Krieg zwischen Israel und Libanon in Berkeley haben Sie gesagt: »Es ist außerordentlich wichtig, Hamas und Hizbollah als soziale Bewegungen zu begreifen, die progressiv und links, die Teil einer globalen Linken sind.« Was macht die Hamas in Ihren Augen progressiv?

Diese schrecklich missverstandene Aussage wurde dazu benutzt, mich in Zeitungen und auf Websites zu diskreditieren. Auch einige Mitglieder des CSD haben darauf Bezug genommen, um mich zu diskreditieren, damit der Gehalt meiner Kritik ignoriert werden kann. Denn wenn ich wirklich »pro-Hamas« wäre, wäre ich als Gesellschaftskritikerin nicht mehr glaubhaft. Doch diese Kritik ist niederträchtig, sie beruht nicht auf Fakten und lässt meine öffentlich geäußerte Haltung zu diesen Themen außer Acht. Hier meine Erklärung zu diesem Zitat:

Als Antwort auf eine Frage aus dem Auditorium habe ich gesagt, dass – deskriptiv gesehen – diese Bewegungen in der Linken zu verorten sind, doch wie bei jeder Bewegung muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sie unterstützt oder nicht. Ich habe keine der genannten Bewegungen jemals unterstützt, und mein eigenes Engagement gegen Gewalt macht es unmöglich, das zu tun. Man könnte viel darüber sagen, wie diese Bewegungen entstanden sind und was ihre Ziele sind. Das würde bedeuten, sie als Bewegungen gegen Kolonialismus und Imperialismus zu verstehen. Jede Analyse müsste auch die gesellschaftlichen Dimensionen und den Ort der Gewalt im Kampf dieser Gruppen mit einbeziehen. Ich selbst habe mich deutlich gegen Gewalt ausgesprochen und in meinem Buch »Raster des Krieges« für reflexive, nicht gewalttätige Formen argumentiert. Ich habe also eine Meinung dazu, wie diese Bewegungen beschrieben und analysiert werden sollten, aber ich arbeite nicht mit ihnen zusammen und habe mich niemals für diese Bewegungen ausgesprochen.

Sie betonen, Ihre Ablehnung von Gewalt mache es unmöglich, diese Bewegungen zu unterstützen. Was ist mit dem Antisemitismus dieser Gruppen? Und noch einmal: Was macht die Hamas in Ihren Augen progressiv?

Ich verstehe, dass es in Deutschland schwer ist, zwischen einer Kritik beispielsweise der israelischen Besatzung und Antisemitismus zu unterscheiden. Wenn Hamas und Hizbollah antisemitische Positionen vertreten, dann sind sie unbedingt abzulehnen. Doch man muss genau analysieren, ob in der Kritik Israels Antisemitismus im Spiel ist oder nicht. Die Vorstellung, dass jede Kritik an Israel antisemitisch ist, lehne ich ab. Ich glaube, das ist eine reflexhafte Antwort, und zwar eine, die sich der Verantwortung entzieht, die Situation tatsächlich zu beurteilen. Denn es gibt im Judentum selbst eine starke »kritische« Tradition. Der einzige Grund, warum ich glaube, dass, deskriptiv gesehen, diese Gruppen unter die Kategorie »links« gehören, ist, weil sie gegen Kolonialismus und Imperialismus kämpfen. Für Hugo Chávez könnte dasselbe gesagt werden, und es ist richtig, über seine Politik zu diskutieren und zu entscheiden, ob man sie unterstützt oder nicht. Im Bezug auf Hamas und Hizbollah bedeutet das, zu diskutieren, ob ein gewalttätiger Widerstand akzeptabel ist, und ich selbst habe mich entschieden, gewaltlosen Widerstand zu unterstützen.

Für Menschen ausserhalb akademischer Bearbeitung erscheint es vielleicht grotesk die Hamas oder Hizbollah deskriptiv als links zu bezeichnen. Es ist aber durchaus ein Zeichen wie bestimmte Diskurse sich eben in der Postmoderne gewandelt haben. Antiimperialismus als links zu verstehen ist schwierig, vor allem da sich heutzutage auch viele Spinner und Rechte auf diesen Begriff beziehen.

Islamophobie:

Sie sprechen auch von islamophober Diskriminierung. Wie unterscheiden Sie Islamophobie von Rassismus? Oder anders gefragt: Warum ist der Begriff Islamophobie notwendig?

Ich glaube nicht, dass ich mit diesem Gefühl der Notwendigkeit allein bin. Der Begriff zirkuliert bereits eine Weile. Möglicherweise müssen wir über Rassismus nachdenken als etwas, das wir in allen seinen Formen ablehnen. In diesem Sinne schließt Rassismus den Rassismus gegen Schwarze, Antisemitismus, antiarabischen Rassismus oder Rassismus gegen Menschen in Ostindien ein, um nur ein paar zu nennen. Wenn wir jede Form des Rassismus ablehnen wollen, dann müssen wir auch wissen, wie diese Rassismen funktionieren, und das tun sie auf sehr unterschiedliche Weise. In diesem Sinne ist das gesellschaftliche und kulturelle Funktionieren des Antisemitismus nicht dasselbe wie der Rassismus gegen Schwarze. Der Begriff »Islamophobie« versucht also die Möglichkeit zu bieten, darüber nachzudenken, wie »der Islam« zur Quelle von Angst und Panik wird, wie schnell Stereotype entstehen und zirkulieren und wie wenig dabei über den Islam und seine verschiedenen Formen jeweils gewusst wird. Es ist eine spezifische kulturelle Form der »Panik«. Es ist wichtig, dass unsere Positionen auf Wissen beruhen, und es braucht Geduld, um diese neuen Rassismen, ihre Erscheinungsformen und Verbreitung zu verstehen. Nur dann können wir sie effektiv bekämpfen, und das ist unbedingt notwendig.

Es wird oft behauptet der Begriff Islamophobie sei ein Kampfbegriff iranischer Mullahs so in diesem Artikel:

[…] Dieser Begriff hat eine Geschichte, die man kennen sollte, bevor man ihn leichtfertig benutzt. Das Wort wurde zum ersten Mal 1979 von den iranischen Mullahs verwendet, die jene Frauen, die sich weigerten, den Schleier zu tragen, zu »schlechten Muslimen« degradierten, indem sie sie bezichtigten, »islamophob« zu sein. Der Begriff ist dann in der Rushdie-Affäre reaktiviert worden, und zwar von Londoner islamistischen Vereinigungen wie Al Muhajiroun oder der Islamic Human Rights Commission, deren Statuten vorsehen, »die Informationen über den Missbrauch der Rechte Gottes zu sammeln«. Tatsächlich fällt der Kampf gegen die »Islamophobie« in diese Kategorie, da er alle Angriffe auf die fundamentalistische Moral umfasst (Homosexualität, Ehebruch, Blasphemie usw.). Die ersten Opfer der »Islamophobie« sind in ihren Augen die Taliban, während die von diesen Gruppen am häufigsten genannten »islamophoben« Täter Salman Rushdie oder Taslima Nasreen heißen. Anstatt irgendeinen Rassismus zu bezeichnen, dient das Wort in Wirklichkeit dazu, diejenigen zu disqualifizieren, die sich den Fundamentalisten widersetzen, und das sind zuerst die Feministinnen und die liberalen Moslems. […]
(http://www.klick-nach-rechts.de/ticker/2003/12/islamophobie.htm)

oder auch in einem Artikel auf der Website von Klaus Blees:

Islamophobia Watch, eine britische Website, die für sich beansprucht, den “Krieg gegen den Islam” zu dokumentieren, charakterisiert “Islamophobie” als „rassistisches Instrument des westlichen Imperialismus“. In Großbritannien nahm die Popularisierung dieses Etiketts auch ihren Ausgangspunkt. Von dort hat es 1996 eine “Kommission für britische Muslime und Islamophobie” im wahrsten Sinne des Wortes in die Welt gesetzt. Ursprünge finden sich jedoch schon früher, insbesondere beim iranischen Mullahregime, das seit 1979 Frauen, die sich dem Verschleierungszwang widersetzten, entsprechend brandmarkte.

Georg Klauda hält dazu richtig in seinem Artikel „Mit Islamophobie contra Homophobie?“ in arranca! entgegen:

Der Begriff „Islamophobie“ soll im Jahr 1979 von den iranischen Mullahs geprägt worden sein, um Frauen zu denunzieren, die sich weigerten, den Schleier zu tragen.

Am 10. Dezember 2003 veröffentlichte die linke Wochenzeitung Jungle World ein Pamphlet der beiden französischen Journalistinnen Caroline Fourest und Fiammetta Venner, das eine Abwehrfigur enthielt, die Karriere machen sollte: Mit ihrer Behauptung, dass der Begriff „Islamophobie“ im Jahr 1979 von den iranischen Mullahs geprägt worden sei, um Frauen zu denunzieren, die sich weigerten, den Schleier zu tragen, versuchten die Autorinnen der beginnenden Auseinandersetzung um antiislamischen Rassismus einen begrifflichen Riegel vorzuschieben.

Selbst die Richtigstellung, die Bernhard Schmid eine Woche später in derselben Zeitung veröffentlichte, konnte den Siegeszug dieser kleinen Propagandalüge nicht mehr stoppen. Seit über drei Jahren wiederholen „islamkritische“ Autor_innen diesen gefälschten historischen Verweis mit einer Beharrlichkeit, als könne sie die schlichte Tatsache, dass der nach europäischen Wortbildungsregeln konstruierte Terminus „Islamophobie“ weder im Persischen noch im Arabischen existiert, überhaupt nicht erschüttern.
Tatsächlich erhielt die Vokabel, welche sich erstmalig 1922 in Etienne Dinets L’Orient vu de l’Occident belegen lässt, ihre klassische Definition durch einen Bericht des Runnymede Trust mit dem Titel Islamophobia: A Challenge for Us All (1997). Der antirassistische Think Tank aus Britannien legt darin einen bis heute tauglichen Katalog von Kriterien vor, mit denen seriöse Verwendungsweisen des Begriffs von islamistischer Propaganda unterschieden werden können. Denn natürlich wird der Begriff auch von europa-basierten fundamentalistischen Gruppen wie der englischen Hizb ut-Tahrir missbraucht, um sich den Zumutungen der Kritik zu entziehen. Doch solchen Instrumentalisierungen unterliegen auch andere solcher Begriffe, wie etwa die regelmäßige und pauschale Denunziation von Kritiker_innen der israelischen Siedlungs- und Besatzungspolitik als vermeintliche „Antisemit_innen“ beweist.
( http://www.linksnet.de/de/artikel/20852 )

Nicht nur ist dieser Begriff im persischen und arabischen garnicht vergleichbar, sondern zeigt auch die Wortbildung -phobie auf eine Parallele zu anderen Phobie-Wortkonstruktionen hin, z.B: Homophobie. Und es will niemand ehrlich behauptet dieser Kontext sei im arabischen oder persischen oder beim iranischen Regime auch gegeben.

Georg Klauda zeigt auch eine einfache wie gut nachzuvollziehende Methode auf, den Begriff Islamphobie vor der Vereinnahmung durch reaktionäre Islamist*Innen zu schützen:

Nach der Definition des Runnymede Trusts liegt Islamophobie unter anderem dann vor, wenn

1. der Islam als ein monolithischer Block betrachtet wird, der statisch und unempfänglich für Veränderungen sei;

2. er als gesondert und „anders“ gesehen wird, ohne gemeinsame Werte mit anderen Kulturen und ohne von diesen beeinflusst zu sein oder diese zu beeinflussen;

3. er als dem Westen unterlegen, barbarisch, irrational und sexistisch konstruiert wird; und

4. er ausschließlich als gewaltsam, aggressiv, bedrohlich, terroristisch und kulturkämpferisch wahrgenommen wird.
( ebenfalls http://www.linksnet.de/de/artikel/20852 )

Differenz von Antizionismus und Antisemitismus:

[…] Ich bin Teil einer wachsenden Gruppe der jüdischen Linken, die den illegitimen Einsatz staatlicher Gewalt durch Israel kritisiert und darauf insistiert, dass Israel nicht alle Juden und Jüdinnen und auch nicht alle jüdischen Werte repräsentiert. Ich weiß, dass man das in Deutschland nicht gern hört, und dafür gibt es gute Gründe […]

Innerhalb der Linken sind antisemitische Positionen keine Neuigkeit. Verstehen Sie die Kritik, dass einige Ihrer Positionen – beispielsweise hinsichtlich der Hamas – als Teil eines antisemitischen Diskurses verstanden werden können? Wie unterscheiden Sie antizionistische und antisemitische Statements? Braucht es eine Strategie gegen Antisemitismus, vor allem innerhalb der Linken?

Gegen Antisemitismus muss man immer kämpfen. Und als Teil einer neuen jüdischen Linken bin ich sehr darauf bedacht, dass immer, wenn ich kritisch über die israelische Politik oder auch die Geschichte des Zionismus spreche, ich auch klar mache, dass ich absolut gegen jeden Antisemitismus bin. Ich würde mit keiner Gruppe zusammenarbeiten, die antisemitisch ist. Für mich ist das eine absolut notwendige Vorbedingung für jede Art der Koalition. Natürlich sind diejenigen, die Israel kritisieren, manchmal antisemitisch, und das zeigt sich darin, wie sie über Juden und Jüdinnen sprechen. Dem muss entgegengetreten werden. Doch nicht jede Kritik an Israel ist antisemitisch, denn die Geschichte Israels schließt eine große Reihe jüdischer KritikerInnen ein. ­Arendt, Magnes und Buber, alle von ihnen haben die politischen Umstände der Gründung Israels und die Enteignung der PalästinenserInnen kritisiert. Ungefähr 40 Prozent aller amerikanischen Juden und Jüdinnen haben eine kritische Sicht auf Israel, und es gib Hunderte von jüdischen Friedensgruppen, die hart daran arbeiten, eine andere jüdische Stimme und jüdische Werte hörbar zu machen. Nur wenn man die Ansicht teilt, dass Israel berechtigterweise das jüdische Volk repräsentiert, kann jede Kritik an Israel eine Kritik an Juden und Jüdinnen sein. Das stimmt einfach nicht. Und noch einmal: Diese Position negiert die lebendige Tradition der jüdischen Linken, die jede Kolonisierung, jede staatliche Gewalt und militärische Angriffe auf ZivilistInnen ablehnt. Wir in der jüdischen Linken bekämpfen Antisemitismus und die israelische Staatsgewalt. Wenn Deutsche mit Juden und Jüdinnen zusammenarbeiten, dann können sie sicherlich akzeptieren, dass das Judentum sehr vielschichtig ist, und dann entscheiden, mit welcher jüdischen politischen Organisation sie zusammenarbeiten wollen. Der israelische Staat ist nur eine von ihnen, und Dissens ist seit langer Zeit ein wichtiger Teil der jüdischen religiösen und politischen Tradition. Warum verbindet sich die deutsche Linke nicht mit der radikal-demokratischen Tradition innerhalb des jüdischen politischen Denkens?

Und Butler hat Recht. Es ist für Leute in einem deutschen Kontext und Diskurs in der Tat schwierig einen Unterschied zwischen Antizionismus und Antisemitismus zu erkennen, da im deutschen Kontext und Diskurs diese Themen oftmals nur verschränkt sichtbar sind. Ich halte Aussagen wie „Im Bett mit der Hizbollah“ von der TAZ oder Fabulierungen die jede jüdische Kritik am Staat Israel als „jüdischen Selbsthass“ bezeichnen durchaus für antisemitisch!

Homonationalismus der sich gemein macht mit Rassismus als Legitimation für Sicherheitswahn und „westlichen Werten“:

In den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden, um nur ein paar Länder zu nennen, können wir den Anstieg des sogenannten Homonationalismus beobachten, also der Vorstellung, dass Freiheiten für Homosexuelle vor nicht-europäischen ImmigrantInnen geschützt werden müssten. Wenn »Homosexuellen-Rechte« zu einem Merkmal für den »fortschrittlicheren« Status europäischer Kulturen instrumentalisiert und benutzt werden, um staatliche Sicherheitsapparate auszubauen, dann ist diese Politik von einem europäischen Nationalismus und der Ausweitung sicherheitspolitischer Machtregime vereinnahmt worden. Auf dieser Basis macht man sich mit Maßnahmen gegen ImmigrantInnen und der abscheulichen Tradition, Europa rassisch rein zu halten, gemein. Hier werden Formen kultureller Überlegenheit unterstützt, die unannehmbar sind. Wenn EuropäerInnen diese Haltung akzeptieren, dann verunmöglichen sie die Zusammenarbeit mit Queer-Gruppen aus Beirut, Kairo oder Ankara. Aber es gibt viele Formen, den Kampf gegen Gewalt und Pathologisierung zu führen. Eine globale Bewegung muss mit lokalen Gruppen arbeiten und regionale Kämpfe in Betracht ziehen, damit eine Koalition aus vielen Ländern entstehen kann. In diesem Kampf gibt es keinen Platz für Rassismus.

Das ganze Interview online auf der Website der Jungle World

Judith Butler lehnt Zivilcourage-Preis des Berliner CSD ab!

Diesen Samstag wollten die Berliner CSD Organisator*innen Judith Butler einen Preis für Zivilcourage verleihen. Diese lehnte den Preis jedoch ab. Bei der TAZ heisst es dazu:

Die Veranstaltung sei ihr zu kommerziell ausgerichtet und richte sich nicht genügend gegen Probleme wie Rassismus und doppelte Diskriminierung von beispielsweise Migranten, die homosexuell oder transsexuell empfinden.

Man dürfe sich nicht vor den Karren von Organisationen spannen lassen, die im Namen einer queeren Gemeinde Kriege führten und Bündnisse eingingen, in denen Rassismus sowie Antisemitismus geduldet würden, so Butler weiter.

Ausdrücklich Lob bekamen von Butler Gruppen, die eine Art alternativen Christopher Street Day jedes Jahr in Kreuzberg organisieren. In dieser Berliner Subkultur werde sich noch mit den großen Fragen von Krieg und Frieden und sexueller Identität in einer modernen Gesellschaft auseinandergesetzt. Der alternative, sogenannte Transgeniale CSD findet in diesem Jahr nicht parallel zum großen CSD statt, sondern am 26. Juni.

Die Organisator*innen des CSD reagierten zerknirscht und riefen den applaudierenden Menschen zu: „Ihr seid nicht die Mehrheit!“.

Das ganze kann man sich auch auf Youtube anschauen:

Schöne Aktion!

Nachtrag:

Ein dreckiger Rückblick auf den Eurovision Song Contest 2010

Die Nation im Freudentaumel, die deutsche Teilnehmerin beim ESC gewinnt mit großen Vorsprung. Da lässt es sich auch ein Ministerpräsident nicht nehmen, die Gewinnerin am Flughafen zu empfangen, und richtet dabei gleich noch ein Gruß der Kanzlerin aus. Die Fahnensaison zur kommenden WM ist also mal wieder eingeläutet und so findet dieses eigentlich total unpolitische Medienspektakel auch auf Indymedia und Alt*rm. seine Reaktionen. Während auf Indymedia ein Hitlergruß von Stefan Raab ausgemacht wird, findet man auf Alt*rm. heraus das der Opa von Lena (besagter Gewinnerin des Contests) ein Bilderberger gewesen sei und der Sieg von diesen Schatteneliten natürlich nur arrangiert wurde damit die armen kleinen Deutschen weiter den Euro retten. Oder halt, wollten die den Euro nicht kaputt machen? Puh, jetzt bin ich aber echt verwirrt.

P.S.: Bleibt noch zu erwähnen, dass auf diversen Internetseiten in den Kommentarspalten natürlich wieder mal antisemitische Kommentare auftauchten (u.a. auf Twitter, Facebook, Web.de, GMX usw.). Getreu dem Zitat von Zwi Rex „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen“, fanden viele Kommentartor*innen es unmöglich das aus Israel keine Punkte für Deutschland kamen, was natürlich mal wieder ein Komplot sein sollte.


P.P.S.:

Sizzla zum RCA und seiner Homophobie

In der Sunday Mail, nimmt Sizzla Stellung zum Reggae Compasion Act und seiner Homophobie. In Folge des Interviews kündigt sein Deutscher Konzertmanager die Zusammenarbeit mit ihm.

Q: I understand you were made to sign some documents that forbid you from singing anti-gay songs when you are in Europe. What is your position on gay relationships?

A: The preachings and teachings of the Most High say that it is not right for a man to be with another man or a woman with another woman. All of us wouldn’t be here if it wasn’t for the union of a man and woman. Family is a basic unit in society.
I support the royal family set-up of a king and a queen.
I did not sign any papers, it is just an agreement I have with certain promoters — it is their system. I cannot stop singing those songs because there is a message in those songs which people should hear.

G20 und die Queers

Bei Bash Back! hab ich einen „offenen Brief“ gefunden, an die heterosexuellen* Anarchist*innen (und die Szene drumherum), die gegen das G20 Treffen in Pittsburgh demonstriert haben. Dear Straight Anarchists. WTF? A Radical Queer Complaint from Queens of Trailer Trash.
Es geht um das verschweigen von teilnehmenden Queer*s in der szeneeigenen Nachbereitung.

Flashmob in Beograd (Belgrad)

Hab ja schon einiges zu Belgrad und der dort diesjahr verhinderten Pride Parade geschrieben. Jetzt gibts mal wieder was positives zu vermelden. In Belgrad gabs einen Flashmob, dazu gibts ein Video. Leider ist die englische Seite von Queerbeograd zurzeit nicht funktionstüchtig, deswegen kann ich nur erahnen um was es geht. Gegen Ende des Videos, die Statue, ist übrigens regelmässiger Treffpunkt von massig Faschos. Als ich das zweite mal in Belgrad war, hab ich da nichts ahnend nach 30 Stunden Fahrt gefrühstückt.

gefunden bei Queerbeograd.

Update: Der Flashmob steht wohl im Zusammenhang mit einer antifaschistischen Demonstration, die in Belgrad am 9. November stattfindet. Während der Aktion wurden wohl auch Strassen umbenannt um auf unterschiedliche Probleme von Frauen*, LGBT-Menschen, Roma* etc. aufmerksam zu machen.

1000 Kreuze Marsch München

Diesen Samstag fand er dann also statt, der 1000 Kreuze Marsch, reaktionärer Abtreibungsgegner*innen. Im Internet gibt es auch schon zahlreiche Berichte dazu: „1000 Kreuze Minus 1“, „(Nicht) Fachgerecht entsorgt“ und Indymedia Kurzbericht „My body my choice“. Ausserdem gibt es auch von der Gegenseite Berichte, so z.B beim islamophoben PI: hXXp://www.pi-news.net/2009/10/muenchen-ein-meer-von-kreuzen/ (XX mit tt ersetzen).
Aufgrund der zahlreichen Berichte möchte ich dazu jetzt nicht allzuviel schreiben. Ich möchte aber die wesentlichen Erfolge auflisten:

+ Im Vorfeld wurde offensichtlich mal wieder die Scheibe des Zentrums der Fundis im Westend zerstörrt und aus Angst vor den Gegenprotesten der Marsch verschoben.

+ Der 1000 Kreuze Marsch war abgeschirmt wie eine Nazi-Demonstration. Der Startkundgebungsort war grossräumig abgesperrt. Das kann durchaus als Erfolg gewertet werden. Isoliert es doch die Meinung die eigentlich nach Aussen vermittelt werden soll sehr gut von der Umgebung.

+ Trotz der Abschirmung durch die Bullen gelangten immer wieder Gegendemonstrant*innen in und an die Demonstration. Dabei gab es zahlreiche kreative Aktionen. Besonders der Spruch „Hät‘ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“ scheint die Fundis besonders aufzuregen.

+ Die Fundis drüften nach den Ereignissen des letzten Jahres, als ca. 60 Nazis mitmarschierten und dazu vorher sogar noch indirekt eingeladen wurden, die Kirche am Auftaktort nicht benutzen. Das ärgert sich natürlich unheimlich. Auch dieses Jahr wurden einige bekannte Nazis gesichtet.

+ Das grosse Highlight des Tages war natürlich das im hohen Bogen in die Isar fliegende Kreuz. Natürlich versuchen die Fundis es jetzt im Nachhinein so darzustellen als wäre das jemand entrissen worden. Die Wahrheit ist aber das Kreuz wurde der Person einfach bei der Kreuzausgabe in die Hand gedrückt. Gute Idee für unaufällig aussehende Genoss*innen fürs nächste Jahr (obwohl ich euch davon natürlich nur dringend abraten kann, verstosst ihr damit doch gegen das Abfallgesetz.)

+ Danach wurden die Aktionen gegen die Fundis noch ausgiebig bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Das diese erfolgreich waren zeigen auch die vor Wut schäumenden Berichte der Gegenseite und Spam/Hass-emails an einzelne Gruppen. Von denen ich übrigens auch einige an meine Blogkontaktadresse erhalten habe.

Videos: Off Pride und Antifa Action Day

Hier ist es ein bischen ruhig geworden, weil ich zurzeit gerade im Uni&Arbeitsstress bin. Deswegen erstmal zwei Videos.

Das eine ist ein Film der beim Off Pride dieses Jahr in Zurich entstanden ist. Gedreht von Lukas & Jasper Nicolaisen. Die auch lesenswerte Blogs (Lukas, Jasper) haben. Gefunden habe ich das Video über annaHeger.

Ausserdem gibts noch ein Mobilisierungsvideo für den Antifa Action Day am 14.11.2009 von der Seite der Antifa Jugend München (ram):

Elephant Man

Wie ihr vieleicht mitbekommen habt, wurde ein Konzert von Elephant Man abgesagt. Das ist erstmal erfreulich.

Interessant sind jetzt die Kommentare von Dancehall-fans auf allen möglichen Seiten. Ob jetzt auf indymedia vermeintlich Linke rumlamentieren und relativieren oder offen homophobe Kommentare wie hier.

Aber das zeigt vorallem zwei Sachen. Auf Dancehall Veranstaltungen läuft immer noch viel homophobe Scheisse, sowas sollte man als emanzipatorischer Mensch nicht dulden. Und zweitens getroffene Hunde bellen. Der Schlag gegen die homophobe Scheisse hat gesessen! Weiter so.

Bash Back!