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Bloglesung im Kafe Marat

Wie ich heute durch einen Flyer erfahren habe, wird am Mittwoch, den 12. Oktober eine Lesung im Kafe Marat stattfinden. Titel der Veranstaltung: „Zitiert aus der Münchner Blogosphäre“.

Lesung
Zitiert aus der Münchner Blogosphäre

Auch in München gibt es eine mehr oder weniger aktive linke Blogosphäre, die mitunter auch kontroverse Themen heiß diskutiert. Im Mittwochskafe am 12.10. werden Blogeinträge von Schlamassel, medium, Allophila, Luzi-m und bkpnk089 aus dem Internet auf den Lesesessel getragen. Dabei werden Texte, die sich mit Gentrification, dem Backstage, Innenminister Hermann oder auch attac und der „Ischinger Geschichte“ beschäftigen sowie einige amüsante Schmankerl zum Besten gegeben.

- So der Flyertext.

Man darf sich also zu den Top5 (oder eher den fünf?!) Blogs der Müncher Blogosphäre zählen. Ich bin gespannt welche Texte es von meinem Blog auf die Bühne schaffen. Auf jeden Fall sehe ich das als kleine Anerkennung für den Versuch mit einem Blog gegen die Heteronormativität in der Welt und auch der münchner Linken anzuschreiben.

Schwule kann jeder gut leiden.

Schwule kann jede*r gut leiden. Vorallem als hilflose Opfer von brutaler Gewalt. Anders schaut es da natürlich aus, wenn man nicht sein Mitleid äussern kann, oder einen guten Aufhänger für das Aufhetzen gegen beispielsweise Migranten* hat, sondern man mit Homosexualität bildlich oder positiv konfrontiert wird. So war zumindestens bis jetzt meine Theorie. Homophob will heute so gut niemand mehr sein, aber damit zu tun haben will auch fast niemand was. So wird das küssende Paar in der Fussgängerzone z.B schon zum Problem.

Das Ganze wollte ich nun aber doch mal experimentell testen. Auf meiner letzten Reise aus Berlin besorgte ich mir ein Haufen dieser Aufkleber. Und klebte ein paar davon an die Wände einer Lokalität in der zahlreiche Schmierereien und Aufkleber die Wände zieren. So ein Laden in dem das Publikum hauptsächlich links und natürlich nicht homophob ist, so wie das Kafe Marat. Binnen einer Woche waren die Aufkleber restlos entfernt. Ein Schicksaal, dass irgendwelchen kruden Fussball, Antispe und K-Gruppen Aufkleber nicht teilten.

Es endet mit einer Hommage.

Eine kleine Hommage an Münchenpervers, die ja leider schon lange ihren Blog verrotten lässt. So folge auch ich in die Blogpause. Ich erspare euch dafür auch Reflexionen über die Sinnlosigkeit des blogschreibens.
So wie die Sache momentan aussieht, ergibt sich ohnehin keine anständige Perspektive auf Befreiung pervers-queerer. Denn so bitter es ist, die bürgerliche kapitalistische Gesellschaft gewährt sexuellen Minderheiten zumindestens ein fahles soziales Ghetto, während ein Umsturz des Bestehenden, für eben diese meist nur Verfolgung und Tod gebracht hat. Es bleibt also zuerst einmal die Aufgabe sich zwischen Heteronormativität, die für uns nunmal die Hölle ist und schwulem Selbsthass irgendwie einzurichten. Für die bürgerliche Gesellschaft des neuen Jahrtausends sind wir ja ohnehin äusserst nutzliche IdiotInnen, mal um als Speerspitze gegen andere Minderheiten eingesetzt zu werden, mal um das eigene Distinktionsbedürfnis zu stillen. Die moderne hegemoniale Männlichkeit in den urbanen Zentren des Westens ist ohnehin anti-homophob aber deswegen noch lange nicht anti-heterosexistisch noch anti-schwulenfeindlich.

Sollte mir in Zukunft mal wieder was brauchbares im Kampf gegen die Heteronormativität einfallen, melde ich mich zurück. Frohes kämpfen weiterhin, uns bleibt ja ohnehin keine Alternative dazu.

i fight like a girl

Selbstverteidigung ist wichtig!

fighting heteronormativity Teil III: Angst

Im Laufe meines schwulen Lebens war ich mit den unterschiedlichsten Formen von Homophobie und Heterosexismus konfrontiert. Doch es gibt einen gemeinsamen Kernpunkt: Heteronormativität und Angst sind eng miteinander verbunden. Die Vorfälle in denen LGBT Menschen ermordet oder massiv verletzt werden sollen in dir die Angst hervorrufen, Angst die dich daran hindern soll überall sichtbar, als abseitig der Heternormativität herumzulaufen. Diese Angst sorgt dafür, dass der Raum in dem du dich frei bewegen kannst enger wird. Diese Angst drückt dich ins Ghetto und in die Unsichtbarkeit. Doch diese Angst vor gewaltsamen Übergriffen ist nur die oberste Spitze des Eisbergs. Wo immer du sichtbar als z.B Schwuler auftritts musst du Angst vor Konsequenzen haben, du machst die angreiffbar. Deswegen hat man den Impuls sich nur dort offen zu zeigen wo man sich sicher fühlt. Und das ist im Zweifelsfall eben nur ein kleiner Bereich deines Lebens. Auf der Arbeit und der Strasse wirst du dir manchmal die Unsichtbarkeit wünschen. So konstruiert sich die Sicherheit der Heteronormativität. Wer nicht Sichtbar ist der existiert einfach nicht mehr.

So richtig bewusst ist mir das das erste mal geworden, als ich in Belgrad auf dem Queer Beograd Festival war (als hunderte von Faschos nach dem Festival und seinen Teilnehmer*innen suchten) . Dabei ist es genau diese Angst, die einen daran hindert auf einer Party (die nicht explizit schwul oder sonstwas ist) jemand anzusprechen. Nun ist Angst ja durchaus etwas, was einen davon abhalten soll riskante Sachen zu machen. Sie hat ihren Sinn, es ist nämlich wirklich so, dass es gefährlich sein kann jemand anzumachen von dem man nichtmal weiss ob er schwul oder homophob ist. Interessanterweise spielt aber Angst auch auf der anderen Seite (der homophoben/heterosexistischen) eine wichtige Rolle. Das ist dann die Angst vor den eigenen queeren Vorlieben. Deswegen hab ich einfach mal den Versuch gemacht meine Angst zu ignorieren. Und siehe da, es funktioniert. Durch ein sicheres Auftretten denken die anderen Leute nämlich du hättest noch jemand im Rücken, der/die dir im Zweifelsfall hilft, im Bestfall wissen sie dann auch garnicht mehr wer auf der Party den jetzt zu den Normalen gehört und wer zu den Perversen.

Anmerkung. In Zukunft gehts hier dreckiger zu

In Zukunft gehts hier dreckiger zu … (forsche gerade im heterosexuellen Sektor).

fighting heteronormativity Teil II: Freunde, Verbündete und Feinde

Bist du dir des Kampfes gegen die Heteronormativität erstmal bewusst, stellt sich die Frage nach Verbündeten. So schaue ich in mein Umfeld und frage mich: wer ist auf meiner Seite und wer nicht? Üblicherweise wird mir gegenüber niemand zugeben, dass er eigentlich was gegen Schwule hat. Es scheint eine Art gesellschaftlicher Zwang zu sein, sich mit den Menschen in seiner Umgebung irgendwie zu arrangieren. So gibt es also neben den identitär gefestigten Heterosexisten und Homophoben, einige die diese Einstellungen in sich tragen ohne sich dessen bewusst zu sein. Nur wo soll ich da die Linie ziehen? Irgendwie hat ja jede*r gewisse heterosexistische oder homophobe Einstellungen in sich aufgenommen.

Ich habe mich also für folgende Handhabung entschieden. Als Verbündete kann ich nur ansehen, wer ein wirkliches Verständis für diesen Kampf aufbringt. Und es zeigt sich immer wieder, dass die Wurzel des Problems in der binären Vorstellung der Geschlechter liegt. Jede*r der nicht ohne die Kategorien männlich/weiblich denken kann, wird für mich nicht mehr als bürgerliche Toleranz aufbringen. Toleranz heisst: ich bin anders, darf mich aber über gnädige Toleranz freuen, wenn ich mich soweit es mir möglich ist an die gängige Norm anpasse und nicht auffalle. In meinen Fall heisst das, ich soll männlich wirken (bloss nicht tuntig!) und am besten nicht zu oft erwähnen das ich schwul bin. Das steht nicht ohne Zufall im Gegensatz zur im ersten Teil erwähnten Sichtbarkeit. Einer meiner besten Waffen im Kampf gegen die Heteronormativität bin ich aber nicht bereit abzulegen. Sichtbarkeit heisst auch in einem Raum zu sitzen und die ganze Zeit die Heteronormativität in Frage zu stellen nur durch meine blosse Anwesenheit. Und so wird das Thema wie magisch immer wieder auf den Punkt Homosexualität und Geschlechterrollen zurück kommen. In den Köpfen der heterotypen muss der Fehler im System irgendwie bearbeitet werden.
Ein echter Verbündete*r hingegen lebt mit der Gewissheit, dass deine sexuelle Freiheit auch die seine*/ihre* ist. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein. Vieleicht will diese Person auch nicht in das starre Model eines Geschlechts gepresst werden, vielleicht hat die Person auch keine Lust auf die erscheckend enge Welt der heterosexistisch geformten Sexualität, in der alles abnormal ist was von der monogamen genitalen Heterosexualität abweicht. Dennoch der Horror der Heteronormativität wird auch heissen, dass du mit Menschen zu tun hast, die an einem Tag mit dir zusammen bei einem Bier sitzen und am nächsten Tag auf dem Konzert ihrer homophoben Lieblingsband sind. Bist du als äusserer Zwang nicht da, ist es ihnen nämlich einfach egal. Es betrifft sie ja nicht. Denken sie zumindestens.

Fighting heteronormativity: Teil1 Coming Out und Sichtbarkeit

Es muss ungefähr fünf Jahre her sein, dass ich einen Kampf aufnahm, in den ich ohne es zu wissen schon seit Jahren verwickelt war. In dem Alter in dem ich damals war hatten einige meiner Brüder* und Schwestern* diesen schon verloren.

[Doch wer sind wir? Auf welches Kollektiv bezieht sich das Wort „Wir“ das in diesem Text immer wieder auftauchen wird. Nun das zu definieren ist schon schwierig, gemeint sind damit alle die nicht in das heteronormative Weltbild passen. Dennoch fehlt uns eine kollektive Identität. Die heteronormative Gesellschaft hat versucht uns in verschiedene Kategorien zu stecken von der hier Beispielhaft einige genannt werden sollen: Lesben, Schwule, Intersexuelle, Trans* und viele weitere. Dennoch sind wir damit nicht alle greifbar. Was uns alle verbindet ist nur, dass wir nicht die erwartete Geschlechtsidentität, sexuelle Identität oder Geschlechterrolle einnehmen oder besitzen die uns aufgrund unseres zugeordneten biologischen Geschlechts zugesprochen wird. Und obwohl der Versuch uns unter dem Label Queer oder Pervers zu subsumieren nicht immer klappt, weiss doch Jede*r wer wir sind. Ich will mir damit garnicht anmaßen im folgenden Text für uns alle zu sprechen, dieser Text stammt aus der Feder eines Schwulen*. Ich komme dennoch nicht darum an einigen stellen von „Wir“ zu sprechen, deswegen habe ich grob umrissen wer damit gemeint ist.]

Damit meine ich den Kampf gegen die Heteronormativität, wenn man es positiv formulieren will. Vielmehr handelt es sich dabei nämlich nicht um einen Angriff, sondern eine Verteidigung gegen die Angriffe der Heteronormativität. Die Heteronormativität bezeichnet ein gesellschaftliches Ordnungs- und Wertesystem in dem Heterosexualität als soziale Norm gesetzt wird. Sie steht ausserdem für die Weltanschauung in der dem biologische Geschlecht eine ganz bestimmte Geschlechtsidentität, Geschlechterrolle und sexuelle Identität zugeordnet wird. Dies wirkt sich nicht nur darin aus, das jede*r erstmal für heterosexuell gehalten wird, sondern diese Vorstellung durchzieht alle nur denkbaren Ebenen der Gesellschaft und der Kultur und wirkt am Ende sogar in den Subjekten selbst. Unser Leben gleicht also einem Schlachtfeld, wobei erschwerend hinzu kommt, dass wir nicht mit Anderen einer Front gegenüberstehen sondern, dass wir (erstmal) alleine kämpfen und das an allen Fronten. Einer dieser Fronten verläuft sogar in unseren eigenen Körpern. Eine Auswirkung davon ist z.B das erhöhte Selbstmordrisiko unter homosexuellen* Jugendlichen, das bis zu zehn mal höher ist, als das von heterosexuellen* Jugendlichen. Nun hatte ich vieleicht Glück gehabt oder war einfach stark genug, um eine Kindheit und Jugend in einer Gesellschaft zu überleben, die mir andauernd einzuhämmern versuchte, dass irgendwas mit mir nicht stimmt. Tief in mir nagte die Heteronormativität. Wie lässt sich dieses Gefühl beschreiben, das dort gut abgeschirmt vor meinem Bewusstsein und dennoch immer vorhanden, bestand? Vieleicht fühlte ich mich, wie der letzte meiner Art, in einer Art ewigen Diaspora. Nun wird sich manch eine*r vieleicht fragen, wie es zu einer derart absurden Vorstellung kommen kann und damit kommen wir wieder zum Beginn meines Widerstandes gegen die Heteronormativität. So musste ich erkennen: meine erste Waffe gegen sie ist die Sichtbarkeit. Mein Coming out zeigte mir wie einfach die Heteronormativität zu erschüttern war, mit jedem Mal mit dem ich die Worte „ich bin schwul“ aussprach sah ich die Erschütterung der heteronormativen Realität in den Gesichtern meiner Gesprächspartner*innen. Wer sowas noch nicht erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, wie das ist, die Realität in einem Raum kurzzeitig zu
krümmen und mit der Zeit verbreitete sich diese von ganz alleine. Nicht ohne Grund spricht man im Zuge des Coming outs von einer Selbstermächtigung. Dennoch, Heteronormativität heisst auch, dieser Akt ruft eine Reaktion hervor. Diese reicht von Überraschung, Schock und Verwirrung bis hin zum Versuch die Sichbarkeit, in meinem Fall: eines Schwulen, im Notfall mit Gewalt zu beseitigen. Und den heteronormativen Druck in allen seinen Facetten bekommt man von seinem kompletten Umfeld zu spüren. Munter drückt man sich dagegen und hat das erste mal zurück geschlagen. In meinem Fall war ich nun also endlich ein offen-schwul Lebender oder zumindestens auf dem Weg dahin. Mit der Zeit merkte ich die Wirkung dieser Sichtbarkeit, einerseits stand ich nun als Beispiel für Andere und hatte mehr Kontrolle über mein Leben gewonnen, andererseits war ich nun direkt angreiffbar als einzelne Person. Doch mein Widerstand hatte erst begonnen. Sichtbarkeit auch Anderer* hat nämlich den Vorteil, dass man sich zusammen tun kann. So lernte ich die ersten meiner Leute kennen und endeckte dabei, dass ich nicht der einzige war der diesen Kampf führte sondern das auch schon vor mir Menschen diesen Kampf geführt hatten und diese hatten mir sogar erfreulicherweise eine Art eigene Kultur hinterlassen, mit der ich mich nun erstmal vertraut machte. Schnell traff ich Menschen, die wie ich der Meinung waren, dass man sich nicht auf die gnädige Toleranz der Heterosexuellen* oder der Hoffnung auf einem allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritt verlassen sollte. Den Kampf gegen unsere/meine Unterdrückung konnte ich nur selber führen und ich komme nicht drum herum ihn Tag täglich zu führen, die Heteronormativität macht keinen Urlaub… [Fortsetzung folgt]

bana ne?