Archiv der Kategorie 'Schwule Szene'

Uganda…

Dann kannst du frei sein!

Das dunkle Erbe der Schwulen Bewegung

In der Politik und Aktivismus den ich betreibe sehe ich mich durchaus, als von der 2. deutschen Schwulenbewegung der 1970er Jahre beeinflusst Bzw. als einer der Traditionslinien neben anderen, auf die ich mich beziehe. Deswegen besuchte ich die Tagung Rosa Radikale. Die Schwulenbewegung der 1970er Jahre. Dazu ein kleiner Kommentar von mir:
In der Nachbetrachtung stechen mir vorallem zwei Aspekte ins Auge: Die Probleme mit denen man heute in der Schwulen Szene konfrontiert ist, genannt seien da vorallem der Rassismus und der Sexismus in der Schwulen Szene, sind nicht nur so zu erklären, dass auch die Schwule Szene nur ein Teil der Mehrheitsgesellschaft ist und durch sie geprägt ist. Vielmehr zeigt sich hier gerade das dunkle Erbe der 2. deutschen Schwulenbewegung. Diese bestand größtenteils, wie auch die Teilnehmer* der Tagung „Rosa Radikale“ aus deutschen Cismännern aus sogenannten Bildungsnahen Millieus bzw. dem Mittelstand. Eine Zustand der sich bis heute auch in der Schwulen Szene festgeschrieben hat. Aus unterschiedlichen Gründen wollte man damals wie heute nicht mit den Frauen*/Lesben*/Feministinnen zusammenarbeiten. Das mag damals zum Teil wirklich in einem Separatismus der Feministischen Bewegung begründet gewesen sein, liegt aber sicher auch zum Teil daran das der Vorwurf „auch schwule Männer sind am Ende nur Männer“ durchaus nicht unberechtigt ist. So lässt sich auch heute feststellen, dass sich schwule Männer zwar gerne mit ihrer Position als marginalisierte Männer* beschäftigen aber keine Lust haben über ihre Privilegien (als (Cis)Männer* oder Weisse) nachzudenken. So war man sich dann auf der Tagung dann auch nicht zu schade immer wieder energisch darauf zu pochen, dass man mit den Frauen*/Lesben*/Feministinnen nichts zu tun gehabt hat. Soviel zur peinlichen Geschichte, aber auch manche der jüngeren Teilnehmer sahen offensichtlich keine Bündnispartnerinnen* in den Frauen*/Lesben*/Feministinnen. Begründet wird dieser Umstand damit, dass z.B Lesben ja eine ganz andere Diskriminierung erfahren würden als Schwule Männer. Das mag für die Formen der Diskriminierung durchaus stimmen. Die Ursache, nämlich die Vorstellung binärer Geschlechter die sich sexuell auf das jeweilig andere beziehen, ist aber die selbe.
Das bringt mich dann zu meinem zweiten Punkt. Nämlich die Frage nach der Vermittlung des Kampfes gegen Homophobie/Heterosexismus. So war man sich damals in der Schwulen Bewgung durchaus bewusst, dass die Unterdrückung von Schwulen eng mit Geschlechterrollen (oder wie man heute sagen würde der Heteronormativität) sowie mit der Rolle der Familie im Kapitalismus verknüpft ist. Eine Grundlage die klar macht das potentielle Bündnisspartner*innen neben Fraunen*, Lesben*, Trans* durchaus auch noch viele weitere Menschen sein können, die auf irgendeine Art aus der Heternormativen Matrix herausfallen oder sich von ihr eingeengt fühlen. Da dies aber damals wie heute schwer zu vermitteln ist, verschob man sich auf den sogenannten „Stigmatisierungsansatz“, der nur die Stigmatisierung von Schwulen in der Gesellschaft skandalierte, ohne auch deren tiefere Ursache (die Heternormativität) anzugreiffen. Eine fatale Entwicklung die dann auch zu der bürgerlichen Minderheitenpolitik des LSVD geführt hat, der aber durchaus schon in der radikalen Schwulen Bewegung angelegt war. Diese Politik versteht sich nur als Vertretter einer eng umgrenzten sozialen Gruppe und fordert bloss ein wenig mehr Toleranz ein, anstatt normative Modelle zu bekämpfen, die hinter verschiedensten Ungleichheiten stehen.
Ich hingegen sehe mich durchaus als einer der Kinder der Schwulen Bewegung der 70er Jahre, aber auch und gerade als Queerfeminist*. So hat sich in meiner politischen Arbeit immer wieder erwiesen, dass gerade die von manchen Bewegungsschwestern so verhassten Feminist*innen, die verlässlichsten Partner*innen, in einem wie ich meine, gemeinsamen Kampf, sind.
Interessanterweise erführ ich dann auf der Tagung auch, dass die Stonewall riots garnicht so entscheident für die 2. deutsche Schwulen Bewegung waren, wie ich bislang angenommen hatte. Vieleicht kommt meine Differenz zu dieser auch daher, dass ich mich auch auf eine Traditionslinie der Stonewall riots beziehe, welche ohne Migrant*innen und Trans* wohl nie stattgefunden hätte. Dennoch beinhalte ich wohl beides als queerfeministischer Schwulenaktivist*.

10 Jahre LuxusEhe.

Gestern ist die eingetragene Partnerschaft 10 Jahre alt geworden. Am 1. August 2001 verpartnerten sich die ersten Lesben und Schwulen. Aber das ist wahrlich kein Grund zum Feiern. Mal ganz abgesehen davon was man im Allgemeinen von der Ehe hält, ist die eingetragene Partnerschaft (sogenannte Homo-ehe) auch nach 10 Jahren nur eine Ehe-light. Mit von Anfang an allen Pflichten und immer noch nicht den selben Rechten. Und so laufen seit knapp 10 Jahren etliche Prozesse um nach und nach die einzelnen Rechte die eine Ehe in Deutschland bringt einzuklagen. Es bleibt abzuwarten, wann CDU und CSU ihre ein Jahrzent andauernde Blockade im Bundestag und Bundesrat aufgeben.

Schlechte Nachricht.

Eine schlechte Nachricht:

Am Montag, den 25. Juli hat der Buchladen Max & Milian in München einen Insolvenzantrag gestellt.

Im Moment ist noch unklar, wie es genau weitergeht. Sicher ist, dass der Ladenbetrieb nicht mehr weitergeführt wird und Max & Milian nach Ablauf des Insolvenzverfahrens seinen Betrieb einstellen wird. Damit geht eine 22-jährige Ära zu Ende. Im September 1989 von Rolf Klaiber und Jan Kowalczyk gegründet, und schnell in der Münchener Schwulenszene integriert, scheitert das Projekt Max & Milian nach turbulenten Jahren nun aus finanziellen Gründen.

Wir wünschen den beiden verbliebenen KollegInnen,
Jan und Miri, viel Kraft für den Übergang.

Quelle:gay-and-lesbianbooks.de

Belgrader Faschist*innen verurteilt.

Im April dieses Jahres wurden, diverse Belgrader Klerikalfaschist*innen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

The Higher Court in Belgrade has sentenced far-right organization Obraz leader Mladen Obradović to two years for organizing riots during 2010 Pride Parade.

His wife Jelena was sentenced to a year and Krsta Milovanović and Damir Grbić to a year and a half in prison.

Remaining 13 accused persons received sentences ranging from eight months to a year and a half. They were sentenced to minimum sentences since the envisaged jail time for the criminal acts they committed is one to 12 years.

Quelle: Queer Beograd Collective

Eine kleine Genugtuung, da ich selber zweimal in Belgrad auf dem Queer Beograd Festival war. Ein Festival das nach der ersten Pride 2001 ins Leben gerufen wurde. Dieser wurde so massiv von Klerikalfaschisten und Hooligans angegriffen, dass kaum eine*r den Pride unverletzt überstanden hat. Auch das Festival wurde immer wieder angegriffen bzw. stand unter hoher Gefahr angegriffen zu werden. Ich war 2007 und 2008 dort.
2008 erreignete sich dort Folgendes:

Several days before our 2008 festival, ignoring our requests not to do so, a free daily newspaper in Belgrade announced our gathering on its front page as ‘The 5th clandestine gay festival’. This created a huge public visibility for the event, which we had previously avoided, in order to create a safe space. This time the majority of citizens were aware of our festival. Despite the increased precautions on our part and the usual unavoidable police protection, a group of 15 right-winged hooligans from „Obraz“ attacked the participants and members of Queer Beograd on September 19, 2008. Although we fought back and the police responded quickly several people were injured, one suffering a broken arm and a concussion. In this book you can find the results of the legal charges against the arrested. The festival continued as planned, but as a collective we needed to reconsider our capacities in terms of visibility in a society that is structurally homophobic and patriarchally violent. Many from our Collective were involved with the 2009 attempt to organise Pride in Belgrade and this consumed all their energies. From that point on, the political landscape in Belgrade has continued to transform rapidly.

Quelle: Intro der Dokumentation vom Queer Beograd Collective

In den letzten Jahren hat sich in Belgrad also einiges getan. Wegen dem EU-Beitrittswunsch der Regierung erhalten LGBT-Menschen dort zunehmend Unterstützung von der Regierung. 2010 wurde dann auch der zweite bzw. erste Erfolgreiche Pride in Belgrad durchgeführt und diesmal von den Bullen geschützt. Bitter nur, dass die Organisator*innen der Queer Beograd Festivals und des ersten Pride von der Regierung nicht in die Organisation mit einbezogen wurden, vermutlich wegen deren radikaleren Aktivismus. Hier sind die anderen Artikel zu finden, die ich schon über Belgrad geschrieben habe.

Lustige Demoschilder!

Mal was zum lachen. Sollte man ja zwischendrin auch nicht vergessen:

Die leidige Denkmal-frage!

In München soll ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Schwulen gebaut werden. So berichten Süddeutsche und Queer.de. Natürlich kann so ein Denkmal nicht gebaut werden ohne auf die Diskussionen um das Berliner Homo-Mahnmal Bezug zu nehmen. Zu den Kontroversen, wer denn nun wirklich verfolgt wurde, habe ich ja auch schon diesen Artikel zum Mahnmal und seiner sexistischen Ausgestaltung sowie auch einen anderen Artikel zu Lesben im Nationalsozialsmus geschrieben. Um erst garnicht wieder in dieses Diskussion zu kommen heisst es dann auch:

Niederbühl erklärte gemeinsam mit der grünen Fraktionschefin Lydia Dietrich, dass die Verfolgung von Schwulen im Zentrum des Münchener Mahmals stehen werden, Lesben würden jedoch nicht ausgeklammert werden.

Man hat das Problem also ganz einfach gelöst: Lesben werden einfach nicht erwähnt und müssen sich damit zufrieden geben, dass es in der Erklärung heisst, sie sollen nicht ausgeklammert werden. Wie sich das bei gleichzeitiger Nichterwähnung gestalten soll bleibt allerdings fraglich. Es zeigt sich also das alte Problem des schwulen Sexismus, wie er sich auch schon bei der Kontroverse um die einmalige Umnennung des Christopher Street Days in München gezeigt hat.

Internationaler Tag gegen Homophobie

Am 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie. Der Tag erinnert damit an ein historisches Ereignis, dass am 17. Mai 1990 stattgefunden hat: An diesem Tag wurde Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation (ICD 10) gestrichen. In Deutschland kommt noch hinzu, dass das Datum „17.5″ auf den Paragraphen 175 verweist, mit dem Schwule in Deutschland bis 1994 kriminalisiert wurden. Die Verurteilungen nach Paragraph 175 sind übrigens bis heute nicht revidiert. Erst kürzlich wurde ein Antrag, auch die Verurteilungen nach 1945 zu revidieren, abgelehnt .

Arschlöcher für die Revolution!

Ein vermutlich aus Lateinamerika stammendes Photo eines Graffito:

Bedeutet übersetzt wohl soviel wie: „Ich bin nicht schwul, ich bin eine Schwuchtel und werde zusammen mit Lesben und Transexuellen Revolution machen“

Wobei Marikon auch Arschloch heisst. Das würde der Passiven Aktion sicher gefallen.